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Max Dudler, Weingut, Cantzheim

Solitäre vor Steillage: Weingut von Max Dudler

Schon seit der Römerzeit wird an den Steillagen an der Saar Wein angebaut. Trotzdem kommt es auch heute noch gelegentlich vor, dass Weingüter in der Region neu gegründet werden. Wie zum Beispiel in Kanzem, einem 650-Einwohner-Ort am Unterlauf der Saar kurz vor deren Mündung in die Mosel. Ursprünglich hatten die Bauherrin, eine studierte Önologin, und ihr Vater, Sohn eines Architekten und ehemaliger Wirtschaftsanwalt, nur ein Auge auf das historische Gutshaus geworfen, das hier am Fuß der Rebhänge zwischen Bahnlinie und Bundesstraße steht.

1740 war das Gebäude für das Weingut des Prämonstratenserklosters Wadgassen errichtet worden und gehörte später lange Zeit dem Bischöflichen Priesterseminar Trier. Nach dem Kauf im Jahr 2007 wollten die Besitzer hier zunächst lediglich ein Gästehaus und einen Ort für Kulturveranstaltungen entstehen lassen. Die Entscheidung zur Gründung des Weinguts »Cantzheim« (so hieß Kanzem früher, zu Zeiten der Klostergründung), und entsprechend wuchs das Raumprogramm. Heute dienen das 1150 m2 große Gutshaus und die beiden zusammen 350 m2 großen Ergänzungsbauten als Wohn- und Gästehaus, Vinothek und Veranstaltungsort.

Die drei Gebäude stehen in Solitärlage unweit des Bahnhofs von Kanzem am rechten Saarufer, während sich der Ortskern auf der gegenüber liegenden Flussseite erstreckt. Auf dem schmalen Grundstück schufen die Architekten einen perfekt achsensymmetrischen Gebäudekomplex, wobei die transparente Orangerie die Firstrichtung des Altbaus aufgreift, während die »Remise« dazu um 90° verdreht wurde. Indem die Architekten hier den größten Teil der Gebäudetechnik unterbrachten, ermöglichten sie eine umso schonendere Instandsetzung des Altbaus. Er beherbergt im Hochparterre eine gewerbliche Küche und zwei Speiseräume, der historische Gewölbekeller dient als Veranstaltungsort. Im Obergeschoss befinden sich zwei Gästezimmer und die separat zugängliche Privatwohnung der Bauherren. Zwei weitere Zimmer für die Gäste sind im Obergeschoss der Remise untergebracht. Im Herzen des Barockgebäudes blieb die einstige Kapelle in ihrem ursprünglichen Charakter unangetastet. Historische Lichtschächte versorgen sie von oben mit Tageslicht.

Auch die Orangerie kann für Veranstaltungen genutzt werden. Hier sind die Fassaden über einem kniehohen Stampfbetonsockel komplett verglast; bei der zweigeschossigen Remise hingegen bestehen Außenwände und Dach komplett aus ockerfarbenem Stampfbeton. Damit sind die beiden Neubauten nicht nur perfekte Antagonisten, was ihre Konstruktion angeht. In beiden Fällen, so die Architekten, geschah die Materialwahl in Anlehnung an die Kulturlandschaft ringsum: Während die relativ dicht stehenden Fassadenstützen des Glashauses die »Vertikalität der die Landschaft dominierenden Rebstöcke« aufnehmen sollen, erinnert die Horizontalschichtung des Stampfbetons an den Erdboden auf den Weinbergen, dessen Beschaffenheit bekanntermaßen so entscheidend für die Qualität des Weins ist.

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Weitere Informationen:

Projektleitung:
Simone Boldrin
Mitarbeiter: Katharina Laekamp, Kilian Teckemeier, Julia Lapsin, Patrick Gründel
Bauleitung: Weltzel & Hardt, Trier
Tragwerksplaner/Brandschutz: Ingenieurbüro Schenck, Neustadt an der Weinstraße
TGA-Planung: Ingenieurbüro Rittgen, Trier
Bauphysik, Akustik: ITA Ingenieursgesellschaft für Technische Akustik,Wiesbaden
Landschaftsarchitekt: Dr. Bernhard Korte, Grevenbroich

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