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Foto: Luc Boegly

Sozialer Wohnungsbau neu interpretiert: »LESS« in Paris

Das Bauprojekt, das vor allem in der unmittelbaren Nachbarschaft zunächst auf wenig Begeisterung stieß, positioniert sich an einer Schlüsselstelle. Das langgezogene Grundstück ist geprägt von dem Kanal in östlicher Richtung und angrenzenden Industriebauten, die bis heute von ehemaligen Handelsaktivitäten zeugen. Das neue Wohn- und Sportgebäude »LESS« liegt entlang einer Durchgangsstraße am südlichen Rand des Blocks. Der Hauptkomplex wird übereck in Richtung Norden um ein kleineres Volumen ergänzt.

Verdichtung und Kleinteiligkeit
Im Unter- und Erdgeschoss finden eine Sport- und eine Tanzhalle ihren Platz. Über sechs Stockwerke verteilt, sind darüber insgesamt 69 Wohneinheiten untergebracht. Die Grundrisse der Wohnungen sind alle im Shotgun-Prinzip organisiert. Zum Teil handelt es sich um Maisonetten. Jedes Apartment besitzt einen privaten Außenraum. Im ersten Obergeschoss in Form von Terrassen, darüber als Loggien in verschiedenen Tiefen ausgebildet. Die unterschiedlich tief auskragenden Freibereiche ermöglichen Austausch, gewähren den Bewohnern jedoch auch ein Mindestmaß an Privatheit. Sie lassen den Komplex trotz seiner enormen Größe weniger monumental als vielmehr modular und kleinteilig wirken. Ihnen verdankt der Komplex außerdem seinen hohen Wiedererkennungsfaktor.

Durchlässigkeit und Abgrenzung
Die Loggien sind in Lärchenholz ausgeführt, das sich als gestalterisches Element im gesamten Projekt wiederfindet. Das Erdgeschoss hebt sich vom restlichen Bau ab. Ein Metallgitter hüllt es in ein filigran anmutendes Kleid, das einen spannenden Wechsel von Durchlässigkeit und Abgrenzung provoziert. So wird die dahinterliegende Turnhalle größtenteils von allzu neugierigen Blicken abgeschirmt, ohne die natürliche Belichtung allzu sehr einzuschränken.

Kurze Werbepause


PA#57 - Less Building, Paris 10 (English version) von Pavillon-Arsenal


Besonders ansprechend wird das Projekt durch den Versuch, dem sozialen Wohnbau ein neues Gesicht zu verleihen. Durch den gezielten Einsatz von kleinen Details versucht man Wertigkeit zu vermitteln. Dies äußert sich zum Beispiel beim Bodenbelag in der Eingangshalle, dessen Fischgrätmuster in Marmor ausgeführt ist.

Das eigentliche Herzstück des Bauprojekts hingegen bleibt dem Passanten verborgen: eine intime Innenhofsituation nach Norden hin. Sie wird von einem lockeren, weißen Geflecht an Stegen und Treppen strukturiert. Hier findet die Haupterschließung der Wohneinheiten statt. Es entsteht ein geschützter Bereich, der sowohl den Austausch zwischen den Bewohnern, als auch ein gewisses Maß an Privatsphäre möglich macht.

Weitere Informationen:

Projektleiter: Vincent Parreira, Marie Brodin, Nicolas Fontaine Descambres, Lara Ferrer


Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 9/2017 mit dem Themenschwerpunkt »Mischnutzungen«.

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