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Herzog & de Meuron, Museum, Duisburg

Speicher statt Laterne: Museumserweiterung von Herzog & de Meuron in Duisburg

»Das hat leider nicht geklappt«, bemerkt Museumsdirektor Walter Smerling trocken, wenn man ihn auf den ersten Anlauf zur Erweiterung des Museums Küppersmühle (MKM) anspricht. Einen riesigen, mit bedruckten Folien bespannten Stahlskelettkubus hatten Herzog & de Meuron damals auf den Stahlsilos der einstigen Getreidemühle errichten wollen. Nachts hätte dieser als kaum zu übersehende Leuchtreklame für den avisierten Hauptsponsor fungiert.

Vergessen, vorbei: Das Stahlskelett war schlecht verschweißt, die Stahlbaufirma ging insolvent und der damalige Bauherr, die örtliche Wohnungsbaugesellschaft Gebag stoppte das Projekt. Zum Glück für das Museum und die Kultur im Ruhrgebiet kaufte das Ehepaar Ströher, dessen Sammlung zur deutschen Nachkriegskunst den Grundstock des MKM-Bestandes bildet, das Museum komplett auf und beschloss, dennoch mit Herzog & de Meuron weiterzuarbeiten.

Nun entsteht stattdessen jenseits der Silos, ganz am Ostende des Duisburger Binnenhaften, ein dreiteiliger Neubau mit 5000 m2 Brutto- und 2500 m2 Ausstellungsfläche. Mit der Fertigstellung 2019 verfügt das MKM damit über doppelt so viel Fläche zur Präsentation der Sammlungen wie zuvor. Auf vier Geschossen übereinander entstehen im Neubau flexibel nutz- und unterteilbare Sammlungsräume, außerdem Flächen für das Handling der Kunstwerke. Ein räumlicher Höhepunkt dürfte vor allem der Oberlichtsaal unter dem Dach werden, dessen sägezahnartige Konturen am Gebäude auch äußerlich ablesbar sind. Eine späte, durchaus passende Replik auf die durchaus burgartig anmutende Gesamtkomposition des Bestandsbaus, der Anfang des 20. Jahrhunderts als Getreidemühle entstanden ist.

Erschlossen wird der Anbau über ein Treppenhaus, dessen Ästhetik dem aus weinroten Sichtbeton gefertigten Treppenbau des 1999 von Herzog & de Meuron sanierten Hauptgebäudes stark ähneln wird. Die Verbindung zwischen Alt und Neu werden zwei Brücken im 1. und 2. Obergeschoss bilden, die durch die Stahlsilos aus den 30er-Jahren hindurch führen. Diese werden zuvor ertüchtigt entkernt und somit in ihrer vollen Höhe erlebbar sein. Walter Smerling wünscht sich, dass auch hier Kunst ausgestellt werden wird. Was genau in den Silos einmal zu sehen ist, steht freilich noch nicht fest. Oben auf den Silos soll eine auch für Passanten zugängliche Aussichtsplattform errichtet werden. Panoramablick statt Werbebotschaften für alle – das ist letztlich nicht der schlechteste Ausgang einer langen Umbau-Odyssee.

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