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Spielerischer Dialog: Dorfhaus in Südtirol

Naturstein und unbehandeltes Kiefernholz: Die robusten Materialien des neuen Dorfzentrums fügen sich traditionsbewußt in die alpin geprägte Bebauungsstruktur der 3000-Einwohner-Gemeinde St. Martin in Südtirol. Bescheidene Anpassung steht dabei jedoch nicht im Fokus. Punktuell gesetzte Farbakzente und auffällige Maßstabswechsel sorgen für moderate Irritation und sensibilisieren für neue Formen des Miteinanders.

Architekt: Andreas Flora, Innsbruck
Standort: I-39010 St. Martin, Passeiertal, Südtirol

„Die Herausforderung des Projekts bestand in der Frage, wie sich zeitgenössische Architektur in einem gewachsenen inneralpinen Dorfkern artikulieren kann“.

Für das umfangreiche Raumprogramm findet der Innsbrucker Architekt Andreas Flora eine differenzierte Lösung, die den dörflichen Maßstab wahrt. Geschickt nutzt er die topografischen Gegebenheiten, um den Großteil des benötigten Volumens unterirdisch anzuordnen.

Musikproberäume, Teeküchen, Umkleide- und sonstige Nebenräume, sowie die geforderte Tiefgarage verschwinden dezent unter der Erde und werden dort über präzise gesetzte Oberlichter mit natürlichem Tageslicht versorgt.

Am Dorfplatz tritt lediglich ein in Naturstein gemauerter Solitär in Erscheinung, der sich in die Satteldachtypologie einreiht und die Maßstäblichkeit der umliegenden, teils denkmalgeschützten Gebäude wahrt. Seine Andersartigkeit artikuliert das Dorfhaus über eine scharfkantig geschnittene Kubatur mit plastischen Einschnitten und großformatigen Öffnungen. Sie strahlen einladend in die unmittelbare Umgebung und bekunden den Willen zu Transparenz und Austausch.

Auffälligstes Element und optischer Höhepunkt ist ein großformatiges Tor, das sich zum Dorfplatz hin vollständig öffnen lässt und im dahinterliegenden Bühnenraum einen witterungsunabhängigen Kulturbetrieb ermöglicht. Seine in den Dorfraum ausstrahlende Präsenz visualisiert das aktive Vereinsleben der Gemeinde auf angenehm klischeefreie Weise.

Die raumbildenden Materialien tragen zur ländlichen Verortung des Gebäudes bei: Wiederverwerteter Naturstein aus der Region, sowie unbehandeltes Zirbelholz bilden einen optisch dominierenden und somit gestalterisch mehrheitsfähigen Konsens. Auf diesem basisdemokratisch legitimierten Fundament ist der spielerische Einsatz „anti-rustikaler“ Möbelelemente selbstredend erlaubt – Ihre funktionale Ästhetik in leuchtenden Farben bringt einen Hauch skandinavisches Design ins heimelige Südtirol.

Der Wille zum Miteinander wurde in einem mehrjährigen partizipativen Prozess zwischen Bevölkerung und Planern ausdauernd erprobt, mit dem Ziel den wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalt der Gemeinde zu stärken. Nicht die schlechteste Basis für breite Akzeptanz und die gelungene Verankerung eines über den Tellerrand blickenden Gebäudes im dörflich geprägten Kontext. Das Experiment eines raumgreifenden Dialogs über lokale Barrieren hinweg könnte gelingen: Mit dem Südtiroler Architekturpreis 2013 wurde der Neubau jedenfalls bereits ausgezeichnet.

 

Bauherr: Gemeinde St. Martin in Passeier

Planer und Fachplaner: Gilbert Sommer, Wolfgang Hainz, Plan Werk Stadt, Hartmann & Gamper, Thermostudios

Volumen: 9.500 m³, davon oberirdisch 1.500 m³

Fertigstellung: September 2013

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 7+8/2014

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