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Stadtimpulse durch ikonische Architektur?

In der spanischen Stadt Bilbao führte das Guggenheim-Museum von Frank Gehry zu einem wirtschaftlichen Boom. Die expressive Museumarchitektur half der Stadt, die in den 1990er-Jahren durch einen wirtschaftlichen Niedergang gezeichnet war, zu ökonomischen Erfolg und einer Neupositionierung von der Industriestadt zur Kulturmetropole. Dieses Erfolgsmodell versuchen Stadtplaner und Politiker seitdem nun auch in anderen Städten zu adaptieren. Dabei scheint es jedoch keine Garantie auf Erfolg zu geben, wie das Team am Lehrstuhl für Raumentwicklung um Alain Thierstein nun auch wissenschaftlich belegt hat.

In Kooperation mit der HafenCity Universität Hamburg und der Technischen Universität Berlin haben die Wissenschaftler die Wirkung ikonischer Bauprojekte für kleine und mittelgroße Städte untersucht. Exemplarisch wurden dafür das Kunsthaus Graz, das Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) und das Wissenschaftszentrum phaeno in Wolfsburg als Fallbeispiele ausgewählt. Alle drei Kulturbauten sind bereits seit über 15 Jahren in Betrieb, so dass auch die Langzeitauswirkungen bewertet werden konnten.

Die Wissenschaftler analysierten das Zusammenspiel von wirtschaftlichen Faktoren, der Gestaltung der Gebäude und der gesellschaftlichen Effekte. Sie fanden heraus, dass die Projekte zwar positive ökonomische Effekte haben, wie zum Beispiel die Erweiterung der touristischen und kulturellen Angebote, diese aber nicht zu einer Neupositionierung führen. Einen kausalen Zusammenhang zwischen den ökonomischen Effekten der Projekte und den sozioökonomischen Veränderungen, etwa auf dem Arbeitsmarkt oder im Tourismus konnten sie nicht feststellen. »Nicht alle wirtschaftlichen Effekte sind sofort sichtbar«, erklärt Nadia Alaily-Mattar, Projektleiterin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Raumentwicklung. »In Wolfsburg ist mit der Realisierung des phaeno das Selbstbewusstsein der Politiker und der lokalen Verwaltung gestiegen.« Dieser soziale Effekt könne langfristig auch positive ökonomische Effekte auf die Stadt haben.

Das Fazit: Gute Architektur wirkt, unabhängig vom Star-Faktor. In allen drei Fällen beobachteten die Forscher durch die Setzung der markanten Stadtbausteine eine positive Verschiebung der räumlichen Verbindungen in der Stadt. In Graz beispielsweise bildet das Kunsthaus eine Brücke, die nun zuvor getrennt wahrgenommene und sozial unterschiedlich bewertete Stadtteile verbindet. In Luzern verstärkt das KKL die Verschmelzung von Landschaft und Stadt. In Wolfsburg wurde ein eher unbelebtes Areal gegenüber des Hauptbahnhofs durch das phaeno in die restliche Stadt integriert. Währen die wirtschaftliche und sozio-kulturelle Wirkungen von Star-Architektur schwer planbar und oft auch temporär ist, werten die Wissenschaftler die strukturellen Veränderungen durch die innovativen Projekte als die nachhaltigsten Effekte. Dabei spielt der Star-Faktor jedoch eine untergeordnete Rolle, gegenüber der Qualität der Architekturen und deren städtebaulichen Setzung. Das Bestreben von Stadtplanern und Politikern nach dem Erzielen einer Wirkung durch Star-Architektur darf also den Beitrag der Architektur selbst nicht vernachlässigen, so das Fazit der Wissenschaftler. Denn: »Neben ökonomischen und soziokulturellen Effekten ist der Einfluss von Star-Architektur auf die Stadt auch räumlich.«

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