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Städtebau in menschenleerer Wüste

Ordos 100 - ein Städtebauprojekt in der mongolischen Wüste

In Ordos mitten in der Mongolei brauchte der chinesische Unternehmer Cai Jiang ein Museum für seine Sammlung. Nun schwebt ihm zusätzlich ein ganzes Städtebauprojekt in Form einer Künstlerkolonie mitten in der Sandwüste vor, die den Namen „Ordos 100“ tragen soll.

Ein Museum beherbergt eine Sammlung interessanter Gegenstände. Sie werden für die Öffentlichkeit aufbewahrt und zum Teil ausgestellt. Es ist eine gemeinnützige und der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung, die im Dienst der Gesellschaft steht. Jedes Museum hat einen Bildungsauftrag. Cai Jiang, ein wohlhabender chinesischer Unternehmer hat sich diesen Auftrag auf die Fahnen geschrieben. Weil es aber in Ordos noch keine Öffentlichkeit gibt, der das Museum kostenlos zugänglich ist, schafft sich Cai Jiang diese Öffentlichkeit nun selbst. Seine zeitgenössische Kunstsammlung soll nicht nur im Schutze eines eigens errichteten Museum stehen, dem Bildungsauftrag gerecht werden. Er will auch Künstler fördern.

 

Cai Jiang hat dieses Fleckchen Erde vom Staat erworben. Nach dem Bau des Museums für seine Sammlung schweben ihm nun Studios, Ateliers, Kinos, Konzertsäle, Geschäfte, Hotels und Restaurants vor. Sie sollen in „Ordos100“ auf einer Fläche von etwa 197 Hektar entstehen. Wie einst in Europa zuerst die Kirche da war und sich dann die Bewohner ansiedelten, so plant es Cai Jiang, nur das seine Kirche sein Museum ist.

Zu seinem Vorhaben lädt der Unternehmer 100 Architekten aus aller Welt ein, die sich zum Städtebauprojekt Gedanken machen und Ideen produzieren sollen. Eine halbe Milliarde Euro hat er für die neue Stadt in der mongolischen Steppe vorerst veranschlagt. Und unter der Schirmherrschaft seines Freundes Ai Wei Wei stehen die Chancen nicht schlecht renommierte Büros für seine Vision zu gewinnen.

Wenn die Infrastruktur und die Gebäude dann vollständig vorhanden sind, fehlen jedoch zuerst einmal noch Käufer, Bewohner oder Firmenniederlassungen. Bisher ist diebezüglich noch nicht viel geschehen, obwohl Peking lediglich zwei Flugstunden entfernt ist.

Vielleicht sind die klimatischen Bedingungen schuld, schließlich sind in dieser Gegend im Sommer mit plus 40 Grad und im Winter dann minus 40 Grad zu rechnen. Kultur in die Steppe zu bringen und eine lebendige Künstlerstadt zu entwickeln fordern bekanntermaßen immer auch Entbehrungen.

Aber hat eine solche Künstlerstadt wie Ordos100“ mit Künstlerkolonien wie dem Monte Veritá bei Ascona, Pietrasanta in der Toskana, Worpswede oder gar der Mathildenhöhe in Darmstadt wirklich etwas zu tun?

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