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SteinWeich: textile Basaltstrukturen

»Als natürliche Ressource bieten Basaltfasern viele Vorteile. Die Vorkommen sind riesig, denn der größte Teil der Erdkruste besteht aus Basaltgestein und die Fasern können voll recycelt werden. Die Zug- und Druckfestigkeit von Basaltfasern ist höher als bei Glasfasern. Mechanische, thermische und UV-Beständigkeit machen das Material für viele Anwendungen attraktiv«, erläuterte Christiane Sauer, Professorin für Material und Entwurf am Fachgebiet Textil- und Flächendesign der Weißensee Kunsthochschule Berlin die Ausgangsbasis.

Die von den Studierenden geschaffenen Objekte basieren auf Basalt-Endlosfasern – sogenannten Filamenten – die aus dem Vulkangestein bei 1400 °C durch Schmelzprozesse gewonnen werden. Daher auch der Projektname »SteinWeich« – das Material durchlebt mehrfach verschiedene Aggregatszustände. Die flüssige Lava verfestigt sich zu Gestein, das anschließend wieder geschmolzen wird, um zu weichen Fasern, Vliesen oder Geweben verarbeitet zu werden oder um als verharztes Textil wiederum im festen Zustand eine neue Form anzunehmen.

Die Endlosfasern werden bisher für technische Anwendungen wie beispielsweise die Verstärkung von Kompositmaterialien genutzt. Durch die Bearbeitung und Manipulation des Materials oder den Verbund mit weiteren Stoffen, schufen die Studierenden im Projekt SteinWeich unterschiedliche textile Flächen mit verschiedenen Eigenschaften, die das Material nicht nur von seiner technischen, sondern auch der gestalterischen Seite aus betrachten. Im Entwurfsprojekt entstand beispielsweise eine semi-transparente Struktur, die als Vorhang verwendet werden könnte. Oder bewegliche dreidimensionalen Textilstrukturen, die als adaptiver Sicht- oder Sonnenschutz fungieren. Grob gestrickte oder gewickelte und verharzte Basaltfilamente können zu räumlichen Strukturen gefügt werden.

Zwei der Projekte wurden kürzlich mit dem Techtextil Studenten-Preis »Textile Strukturen für Neues Bauen« der Messe Frankfurt ausgezeichnet. Das Projekt »Stone Web« von Natascha Unger und Idalene Rapp konnte den 1. Preis in der Kategorie Material-Innovationen erzielen. »Das mineralische Material ist in der eingesetzten Art und Weise geeignet, ein vollkommen neues Verständnis für vermeintlich massive Bauweisen zu entwickeln. Durch Überlagerung und Überschneidung verdichten sich die Linienzüge an sinnfälliger Stelle im Raum und zur Standfläche hin«, wird im Jurystatement erläutert. Und weiter: »Dahingehend kann der Beitrag als zukunftsweisend für den Einsatz faserbasierter Strukturen in der Welt des Bauens gesehen werden.« Das zweite Projekt »Shifting Stone« von Malu Lücking, Rebecca Schedler und Jack Randol »visualisiert und nutzt das faszinierende Spannungsverhältnis zwischen einer Faser aus einem der härtesten Steine und der Verwandlung in ein flexibles, selbstaktives System«, lautet das Fazit der Jury. »Das vorgefertigte Basaltgewebesystem wird in eine Fassade integriert. Aufgrund veränderter Wetterbedingungen bewegen sich die Fasern mit Hilfe von Schatten spendenden Formgedächtnis-Drähten«, wird in der Wettbewerbsdokumentation weiter beschrieben.

Eine Vielzahl weiterer spannender Anwendungsmöglichkeiten beweist: Stein kann zum Ultraleichtmaterial werden. Die Strukturen und Oberflächen können aktuell auf Anfrage im neu eröffneten »Zentrum für Textilen Leichtbau« des Sächsischen Textilforschungsinstitutes STFI in Chemnitz besichtigt werden.

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