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Ausstellung, Rural Moves, Aedes Architekturforum, DnA, China

Strategien gegen die Landflucht: Ausstellung »Rural Moves« in Berlin

Der Leerzug ländlicher Räume ist nicht nur in Deutschland ein Problem. In China vollzieht er sich vielerorts noch ungleich schneller und drastischer: Die Jungen zieht es in die Städte, die Alten bleiben zurück. Immerhin handelt der chinesische Staat, indem er auch ländliche Regionen mit Schnellbahnnetzen und Glasfaserkabeln versorgt.

Eine interessante Gegenstrategie im kleineren Maßstab verfolgen seit vier Jahren die Bezirksregierung des Distrikts Songyang und die Pekinger Architektin Xu Tiantian mit ihrem Büro DnA_Design and Architecture: Gemeinsam entwickeln sie lokale »Akupunkturen«, um Tourismus, Handwerk und die örtliche Industrie zu stärken.  Die ersten zehn Ergebnisse dieser Arbeit sind noch bis zum 17. Juni im Aedes Architekturforum in Berlin zu sehen. Danach soll die Ausstellung im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel und im Architekturzentrum Wien Station machen.

Beim Rundgang durch die Ausstellung überrascht die Vielfalt der Projekte. Sie reichen von der Instandsetzung einer gesperrten Flußbrücke über ein Gemeindezentrum in einem Bergdorf und ein Museum für Regionalgeschichte bis zur Zuckerrohrfabrik. Darin spiegeln sich die Unterschiede zwischen den rund 400 Dörfern in der Region: Einige von ihnen liegen abgeschieden in Bergregionen, über andere wiederum ist längst die Industrialisierung hinweggegangen und sie sind zu veritablen Kleinstädten zusammengewachsen. 

Zwischen Traditionspflege und industrieller Entwicklung
Soziale Nöte und die Suche nach einer eigenen Identität gibt es in allen von ihnen. So bewegen sich die Strategien, die Xu gemeinsam mit den Bewohnern entwickelt hat, denn auch zwischen Traditionspflege und der Förderung von Handwerk und Wirtschaft. Die »Rural Moves« sind ein Zukunfts-, kein Vergangenheitsprojekt: Neben der bereits realisierten Zuckerfabrik im Dorf Xing will Xu Tiantian in den nächsten Monaten drei weitere industrielle Fertigungsstätten für Teebaumöl, Reiswein und Tofu in der Region bauen. Sie werden von örtlichen Genossenschaften betrieben, sodass landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus Songyang gleich vor Ort weiterverarbeitet werden können und die Wertschöpfung in der Region bleibt. 

Die Ausstellung »Rural Moves – The Songyang Story« dokumentiert die Projekte in eindrucksvollen Holzmodellen und großformatigen Fotografien. Einzig bei den Erläuterungstexten haben die Kuratoren etwas gespart, und die begleitenden Filme vermitteln allenfalls ausschnitthafte Informationen zu den Bauten. Wer mehr erfahren will, ist daher auf den vorzüglich gestalteten (und mit 10 Euro sehr erschwinglichen) Ausstellungskatalog angewiesen, den Aedes zur Eröffnung herausgegeben hat.

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