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Stuttgarter Bahnhof UNESCO-würdig?

Foto: Simon Müller, Wikimedia Commons

Ist das Gebäude des Stuttgarter Hauptbahnhofs von „herausragender universeller Bedeutung“ und somit ein Anwärter für die Liste des Unesco Kulturerbes? Ein Vorstoß von Denkmalpflegern droht Stuttgart 21 erneut zu verzögern.

Zu Beginn dieser Woche sah es so aus, als käme das Großprojekt Stuttgart 21 endlich in die Gänge. Die Verantwortlichen nannten Februar 2010 als offiziellen Baubeginn – falls man es schafft, die Kosten in den Griff zu bekommen. Doch jetzt steht nach einem Bericht des SWR eine neue Diskussion ins Haus: Denkmalpfleger sprechen sich gegen einen Teilabriss des Bahnhofsgebäudes nach Plänen von Paul Bonatz aus und sehen es gar als zukünftiges Unesco-Weltkulturerbe.

Ein Teil der derzeitigen Planungen für Stuttgart 21 wären damit hinfällig. Vorgesehen ist, dass die beiden Seitenflügel des 1922 eröffneten Bahnhofs den Umbauplänen zum Opfer fallen. Der Hauptteil des Gebäudes – der historische Bahnhofsbau mit seinem markanten Hauptgebäude, der Turm und der Arkadengang – sind hingegen in das neue Projekt integriert. Die Gleise des Kopfbahnhofs sollen unter die Erde verlegt werden.

Eine Zerstörung des Baus müsse verhindert werden, finden Experten des International Council on Monuments and Sites (Icomos), der die Unesco in Fragen des Weltkulturerbes berät. In einem Appell, der unter anderem an die Bundeskanzlerin Angela Merkel, den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger und Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster gerichtet ist, fordern sie von Politikern, eine Aufnahme des Baus in die Tentativliste der Unesco zu beantragen. Auf ihr landen die Vorschläge für das Weltkulturerbe. Aber nur Bauwerke die nach Meinung des Welterbekomitees eine herausragende universelle Bedeutung haben – ob aus historischer, künstlerischer oder wissenschaftlicher Sicht – nimmt die Unesco in die Weltkulturerbenliste auf.

Der Kunsthistoriker Matthias Roser von der Arbeitsgemeinschaft Hauptbahnhof Stuttgart sieht den Stuttgarter Hauptbahnhof in einer Reihe mit dem Pariser Gare de l'Est, dem Bahnhof von Istanbul und dem Budapester Bahnhof von Gustave Eiffel. Als Mitinitiator des Aufrufs hofft er, „dass die Politiker das Bauwerk endlich ernst nehmen." In seinem Buch „Vom Kulturdenkmal zum Abrisskandidaten“ befand er, dass den Verantwortlichen „das Verständnis für die Eigenart und die tatsächliche Bedeutung dieses Bauwerks“ fehle.

Stuttgart 21-Sprecher Wolfgang Drexler hingegen wundert sich, dass der Vorschlag so spät kommt. „Die Möglichkeit hätte seit Jahren bestanden, und es ist nichts erfolgt. Ich habe den Eindruck, dass es hier nicht ums Weltkulturerbe geht, sondern um das Verhindern von Stuttgart 21."

Allerdings sieht es derzeit nicht so aus, als ob die Politiker sich des Appells annähmen. Haben Oettinger und Schuster doch bisher den Teilabriss des Bahnhofs zugunsten Stuttgart 21 befürwortet. Gerade sie müssten jetzt die Unesco auffordern, den Bau ins Weltkulturerbe aufzunehmen.

Informationen der Stadt Stuttgart zum Projekt
SWR2 Journal am Morgen vom 25.11.2009 Neue Wendung beim Bahnprojekt "Stuttgart 21". Anja Höfer im Gespräch mit dem Architekten und Gründer der Arbeitsgemeinschaft Hauptbahnhof Stuttgart Dr. Matthias Roser.
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