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Lionel Debs Architekten, Emmanuel Kuhn, Benfeld, Aristide Briand Primary School, Frankreich

Substrahierte Addition: Anbau einer Grundschule in Benfeld

Die bestehende Grundschule in Benfeld liegt in einer städtisch dicht bebauten Umgebung, inmitten zahlreicher historischer Gebäude. Insbesondere in der Zeit des wöchentlichen Obstmarktes, sind die ohnehin schon beengten Flächen überfüllt. Aufgrund des Platzmangels beschloss die Stadt das Bestandsgebäude zu renovieren und additiv einen möglichst platzsparenden Erweiterungsbau zu realisieren. Schon in dem ausgeschriebenen Wettbewerb galt es gewisse Einschränkungen zu berücksichtigen, wie zum Beispiel den hohen Grundwasserspiegel, die vorgeschriebene Gebäudehöhe und selbstredend den historischen Kontext.
Der zweigeschossige Entwurf von Lionel Debs Architekten dockt unmittelbar an dem Bestand an, legt sich dabei L-förmig gen Süden und generiert somit einen geschützten und abgeschirmten Pausenbereich für die Kinder. Durch die längsseitigen Subtraktionen im Osten und Westen, wirken die beiden Geschosse wie aufeinander gestapelt und in die jeweils entgegengesetzte Richtung verschoben. Der neue Gebäuderiegel schafft eine klare und dennoch „durchsichtige“ Flächenstrukturierung zwischen dem öffentlichen Platz im Osten und den halböffentlichen Gärten auf der gegenüberliegenden Seite. Die neue Eingangshalle im Nordwesten besticht durch ihre offen gestaltete Schlichtheit und dient darüber hinaus als Bindeglied zwischen dem alten und dem neuen Schulhaus. Die monolithische Treppenskulptur aus Betonfertigteilen fungiert hier als Verteiler über alle Etagen der beiden Gebäudekomplexe. Im Erdgeschoss des Neubaus sind die an den Längsseiten aufgeglaste Multifunktionshalle sowie der Computerraum angeordnet. In der Auskragung der oberen Etage sind die Klassenzimmer untergebracht. Diese bietet zudem an regnerischen Tagen einen Unterschlupf auf dem Pausenhof. Die gewählte Dachform ist eine clevere Verschmelzung aus einem Flachdach, das die Gebäudehöhe minimiert und einer Sheddach ähnelnden Silhouette, welche genügend Lichtzufuhr für das Obergeschoss gewährleistet. Sowohl die drei Klassenräume als auch der vorgelagerte Korridor erhalten durch die beiden 30 Meter langen Oberlichter weitgestreutes Tageslicht. Außerdem tragen die schmalen Dachfenster an warmen Sommertagen zur natürlichen Belüftung bei. Der gesamte Erweiterungsbau definiert sich durch eine stimmige Divergenz der Materialitäten: Außen betonen vertikale Holzpaneele die überdachte Sockelzone zum Marktplatz hin. Die handgefertigten Ziegelsteine der übrigen Fassade umfassen die matt lackierten Aluminiumprofile der großzügigen Öffnungen, den Abschluss ziert eine verzinkte Dachdeckung. Im Inneren divergiert der kühle, glatte Beton mit warmen Holzelementen sowie den krautartigen Holzwolleleichtbauplatten an den Decken.

Offen und geschlossen, alt und neu sowie edel und rau bilden hier in der Aristide Briand Grundschule eine unaufdringlich an den urbanen Kontext angepasste Symbiose.

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