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Foto: Frank Kaltenbach

Tate Modern eröffnet Neubau von Herzog & de Meuron

»Bis 1981 war dieses Gebäude als Kraftwerk das schlagende Herz der pulsierenden Großstadt London, heute ist es, gegenüber der St. Pauls Cathedral, eine Kathedrale des Lernens und der Kunst« ließen die Vertreter der Tate auf der Pressekonferenz wissen.

Als im Jahr 2000 Herzog & de Meuron den 200 Meter langen Bau zum Museum umstrukturiert hatten, rechneten die Betreiber mit 2 Millionen Besuchern pro Jahr. Mit inzwischen 5 Millionen Besuchern beschlossen die Trustees bereits 2004 eine Erweiterung, 2007 standen die Architekten für den Ausbau der Öltanks als Ausstellungsräume und den Neubau fest. Allerdings mussten sie ihren ersten Entwurf mit einer Ganzglasfassade in einen Ziegelbau »umstricken«. Das jetzige Ergebnis ist eine perforierte Ziegelhülle, die dem Massivbau eine geheimnisvolle Leichtigkeit und Vieldeutigkeit verleiht – je nach Lichtsituation oszilliert er zwischen Masse und Hülle. »Es war die langwierigste Fundraising-Kampagne, die jemals im Vereinigten Königreich durchgeführt wurde« betonte Lord Brown, der federführende Trustee den erforderlichen Einsatz, um das Gebäude überhaupt finanzieren zu können. Geplanter Eröffnungstermin waren die Olympischen Sommerspiele 2012, doch die Finanzkrise machte dem Baufortschritt einen Strich durch die Rechnung. So konnten zur Olympiade gerade mal die unterirdischen »Tanks« bespielt werden.

Von dem Wort Erweiterung wollen die Verantwortlichen nichts wissen, die gesamte Tate hätte sich erneuert und sei nicht mehr mit dem bisherigen Museum zu vergleichen. Film und Performance wurden ins Repertoire aufgenommen und zunehmend wird durch wegweisende Ausstellungen die bisher weit unterschätzte Rolle weiblicher Künstler in den internationalen Blickpunkt gestellt.

Die große Turbinenhalle bildet den verbindenden Raum zwischen Altbau und Neubau, im vierten Obergeschoss, knapp unter dem Dach kann sie auf einem neu eingezogenen schwarzen Fachwerkträger überquert werden, um von den vier Galerieebenen des Boiler House in das oberste der drei Galerien im Switch House zu wechseln und umgekehrt. Mit 21 000 Quadratmetern stehen der Tate im Neubau 60 Prozent mehr Fläche zur Verfügung, die Räume vom 5. bis zum 10. Obergeschoss sind jedoch nicht den Sammlungen, sondern Veranstaltungsräumen, Personal, dem Membersroom, einer Restaurantetage und ganz oben der Dachterrasse mit 360 Grad Rundumblick vorbehalten.

Besonders wenn Wolken vorbeiziehen, bietet der wegen Abstandsregeln sich nach oben verjüngende Baukörper mit seinen Faltungen und der haptischen Oberfläche aus 336 000 Ziegelsteinen ein Schauspiel aus Licht-und Schatteneffekten. Zur »blauen Stunde« und bei Dunkelheit schimmern die Verglasungen nur andeutungsweise wie gepixelte Lichtflächen hinter den engen Maschen des Ziegelkleids hervor. Städtebaulich ist die Neugestaltung der Südseite der TATE mit einem neuen Park ein großer Gewinn für das gesamte Viertel. Trotz der enormen Dimensionen sprengt das neue Gebäudekonglomerat nicht den Maßstab des  Quartiers, da man von drei Seiten in die Turbinenhalle als Verteilerfläche und halböffentlichen Platz gelangt: Während der Öffnungszeiten kann man das gesamte Gebäude quer bis zur Themse durchschreiten oder von Westen über die Stirnseite die Turbinenhalle betreten. Wer in diesem magischen Raum einmal angekommen ist, wird das Gebäude wohl nicht wieder so schnell verlassen. Die entscheidende Frage, die sich hier dem Besucher stellt ist »Boilerhouse oder Switch-House?«

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