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The Feuerle Collection, Désiré Feuerle, John Pawson, Realarchitektur, Berlin, Bunker, Telekommunikationsbunker, Gilbert McCarragher

The Feuerle Collection: Private Sammlung im Bunker am Halleschen Ufer in Berlin

Als John Pawson die »Präsenz von Masse« dieser Ingenieursarchitektur vor Ort besichtigte, wusste er, dass er an der Substanz der insgesamt 6480 Quadratmeter großen Fläche so wenig wie möglich ändern wollte. Womöglich wäre die Sanierung günstiger und vor allem einfacher gewesen, wenn man die Patina und den Makel der Räume unter glatt gestrichenen Wänden versteckt hätte. So aber wurden herausstehende Nägel umgebogen, Stalaktiten sowie Wasserschäden erhalten, Graffiti entfernt und Löcher gefüllt. Bis auf einige wenige Durchbrüche, dezente Einbauten und den staubbindenden Bodenbelag wurde die ursprüngliche Aura bewahrt.

Auf dem Dach des länglichen, größtenteils geschlossenen Gebäuderiegels sitzen dunkle, dicht aneinander gereihte Betonquader und seit neuestem ein Gästeapartment des Museumsgründers Désiré Feuerle. Graue Metallplatten verkleiden die Wohnung sowie die hinzugekommenen Büroräume auf der Rückseite des Bunkers.

Auch im Inneren lässt sich die minimalistische und sensible Handschrift John Pawsons deutlich an der rau belassenen Betonstruktur ablesen: Man betritt den robusten Bau an der unauffälligen Stirnseite im Nordwesten. Auf zwei Ebenen, die von massiven, rechteckigen Stützen gegliedert sind, verteilt sich die Sammlung großflächig. Die Exponate stehen meist mittig zwischen den Pfeilern, auf schwarzen Podesten. Ein schwarzer Seidenvorhang am Eingangsbereich bietet die Möglichkeit den ebenerdigen Ausstellungsraum für temporäre Installationen abzutrennen.

Der eigentliche Rundgang beginnt zunächst im Untergeschoss: In dem abgedunkelten, schmalen »Sound Room« sind zarte Klänge des Komponisten John Cage zu hören. Durch diesen Raum soll sich der Besucher vollkommen auf das Sehen und Fühlen der folgenden Kunstwerke konzentrieren.
Hinter knapp vier Meter hohen Glasscheiben befindet sich der nächste Ausstellungsraum, der »Lake Room«. Eine Wasserfläche ist an diesem Ort, der zuvor lange unter Wasser stand, das einzige Exponat. Durch die Spiegelung wirkt der asymmetrische Raum beinahe doppelt so hoch. Außerdem steht der »Lake Room« für das Konzept der nachhaltigen Energieversorgung. Mittels einer Erdwärmepumpe wird von hier aus das gesamte Museum beheizt.
Den dritten Raum nimmt man anfangs aufgrund der gedämpften Beleuchtung kaum war. Eine 12 x 10 Meter große, raumhohe Box aus schwarzem, reflektierendem Glas ist am Ende des »Lake Room« aufgestellt. Im ersten Halbjahr 2017 wird dieser »Incense Room« eröffnet. Der Besucher ist dann eingeladen an einer spirituellen Zeremonie, einer der ältesten Traditionen Chinas, teilzunehmen, bei der man über Düfte zu einer intensiven Beobachtung von Körper und Geist gelangt.
Eine weiße Wand - mit einer Fuge vom Bestand abgesetzt - rahmt das zweite Treppenhaus, das zurück ins Erdgeschoss führt.

John Pawson bezeichnete den Umbau zusammen mit dem Büro Realarchitektur als einen »langsamen, wohlüberlegten Prozess«, bei dem die vorhandene Atmosphäre erhalten werde. Der Großteil der Arbeit, die Erneuerung der gesamten Technik, bleibt ungesehen hinter der Wand.

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Weitere Informationen:

Öffnungszeiten: Freitag, Samstag und Sonntag (Besuch muss im Vorfeld über die Website gebucht werden: www.thefeuerlecollection.org)

Grundstücksfläche: 7300 m2
BGF Erdgeschoss:
2320 m2
BGF Untergeschoss:
4160 m2

Wanddicke: 2 m
Deckenstärke:
3,37 m
Maß Säule:
1,6 m x 0,7 m
Raumhöhe Erdgeschoss:
3,48 m
Raumhöhe Untergeschoss:
3,98 m
Bauphase:
2014-2016

Bauleitung: Wolfgang Meier-Kühn, AGP* - Architekten
Tragwerksplanung:
Ingenieurbüro Rüdiger Jockwer GmbH
Brandschutz:
Krebs und Kiefer Beratende Ingenieure
Haustechnik:
Ingenieurgesellschaft für Energie- und Umwelttechnik mbH
Bauphysik:
Institut für Gebäudesimulation Prof. Lorenz
Ausstellungsaufbau:
museumstechnik berlin

Fotograf: Gilbert McCarragher

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