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Theaterturm auf dem Julierpass

Das Origen Festival Cultural ist für ungewöhnliche Spielorte bekannt. Eine mittelalterliche Burg, eine umgebaute Scheune oder temporäre Bauten auf Pässen, Stauseen, Dorfplätzen sind die Bühnen für das 2005 in Riom gegründete Musik- und Tanztheater, das zu den größten Kulturinstitutionen des Kantons Graubünden gehört. Dieses bekam nun eine neue Spielstätte: einen 30 m hohen und rot leuchtenden Theaterturm.

Das über zwei Millionen Franken teure, überwiegend aus Spenden finanzierte Objekt ist temporär geplant und wird 2020 wieder abgebaut. Da das Grundstück außerhalb des Baugebiets liegt, wurde das Projekt nur unter der Prämisse, dass es ein Provisorium ist, genehmigt. Giovanni Netzer, der Gründer und Intendant des Theaters beschreibt sein Gebäude als ein Bühnenbild, das »aufgestellt, bespielt und wieder abgebaut wird«. Der Theologe und Theaterwissenschaftler entwickelte selbst anhand von über 80 Modellen und Skizzen die Idee des Theaters, der Ingenieur Walter Bieler setzte seine Vision innerhalb weniger Monate um.

Von Beginn an wurde in der Planung eine optimale Akustik angestrebt, so fanden schon während der Bauphasen Proben mit Musikern und Sängern auf der Baustelle statt. Auch Aufstellungs- und Inszenierungsorte für die Künstler sowie Einsichten auf das Bühnengeschehen wurden getestet. Dadurch konnte baulich reagiert werden, in dem Zuschauerplätze wieder entfernt oder hinzugefügt wurden. Das natürliche Material Holz verleiht dem Innenraum zum einen viel Wärme, genügt zum anderen alleine durch seine Oberfläche hohen akustischen Anforderungen. Durch wiederholte Anpassungen einzelner Bereiche, zuletzt der Bögen der einzelnen Logen, wurde erreicht, den Zuhörern auf allen Plätzen ein optimales Klangerlebnis zu bieten.

Alle rund 270 Zuschauer sitzen in Logen, die auf Plattformen zwischen zehn sternförmig angeordneten Türmen ­eingehängt sind. Diese Pfeiler aus 12 cm dicken Fichten-Brettsperrholzplatten sind das tragende Element der Konstruktion und beinhalten die Erschließung, Sanitär- und Technikräume. Die gesamte Holzkonstruktion wurde im Werk vorgefertigt, mittels Schwertransport auf die Baustelle gebracht und innerhalb von fünf Wochen aufgestellt. Da das Bauwerk extremen Wind- und Wetterereignissen ausgesetzt ist steht die 490 Tonnen schwere Holzkonstruktion auf einem massiven Fundament, zusätzlich reduziert der fast runde Grundriss effektiv die Frontalflächen für Schnee- und Windlasten.
Zentrales Element des Theaters ist die schwebende Bühne, die – an der Decke befestigt mittels Kettenzug – vertikal bewegt werden kann. Darunter liegen der Eingangsbereich und das Foyer.

Bespielt wird der Theaterturm das ganze Jahr, wobei die Jahreszeiten die Themenwahl prägen sollen und das Panorama der rauen Bergwelt in das Bühnenbild integriert wird. Das Programm berücksichtigt die technischen und akustischen Begebenheiten des Turmes, so werden hier vor allem Tanz- und Gesang- und weniger Sprechaufführungen stattfinden.
Auf dem Dach des Turmes befindet sich eine Aussichtsplattform; so können die Theaterbesucher auch in offener Kulisse die faszinierende Landschaft genießen.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Thema »Bühnenbauten« finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 3/2018.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 3/2018

Konzept: Bühnenbauten

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