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Tobias Haag – DETAIL Stipendiat 2018/2019


(Foto: zur Verfügung gestellt von Tobias Haag)

Lebenslauf
Tobias Johannes Haag, geboren 1992, studierte Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart. Studienbegleitend arbeitete er in mehreren Architekturbüros und war von 2014 bis 2016 Tutor am Institut für Raumkonzeptionen und Grundlagen des Entwerfens der Universität Stuttgart bei Prof. Markus Allmann. Nach einem Praktikum bei Foster + Partners in London beendete er 2016 sein Bachelorstudium bei den Gastprofessoren Kevin Carmody und Andy Groarke. Im Anschluss arbeitete er 2016/17 bei Christ & Gantenbein in Basel. Tobias war Teilnehmer an mehreren Workshops, unter anderem bei Adam Kahn, Florian Beigel & Philip Christou, sowie der Porto Academy 2016. Zur Zeit studiert er im Master Architektur an der Technischen Universität München. Eine Sammlung seiner Projekte ist unter www.sammelsurium.group einsehbar.

Was bedeutet das DETAIL Stipendium für dich bzw. was erwartest du dir davon?
Zunächst ist das DETAIL Stipendium eine Anerkennung meiner bisherigen Leistungen und bestärkt mich daher in meiner Arbeit. Außerdem freue ich mich auf den Kontakt mit DETAIL, Schüco und den anderen Stipendiaten und die sich daraus ergebenden neuen Erfahrungen. Nicht zuletzt gewinne ich durch das Stipendium finanzielle Unabhängigkeit, die es mir erlaubt, mich ganz auf mein letztes Studienjahr zu konzentrieren.

Welchen Stellenwert hat die Architektur in deinem Leben und welche Themen beschäftigen dich sonst noch?
Architektur ist das vorherrschende Thema in meinem Leben. Dies liegt natürlich an der Intensität des Studiums, aber vor allem an der Vielseitigkeit der Disziplin, die mit der Zeit auch die Wahrnehmung gänzlich unarchitektonischer Themen beeinflusst. Ich kann vielen Interessen nachgehen, mich mit Kunst genauso beschäftigen wie mit Schund, und dennoch fast alles auf Architektur beziehen.
Am nachhaltigsten prägt mich jedoch mein Freundeskreis, der sich durch das Studium an unterschiedlichen Universitäten und die Arbeit in Büros mittlerweile über ganz Europa verteilt. Wir tauschen uns nicht nur über aktuelle gesellschaftliche Themen und Architektur aus, sondern teilen auch die unterschiedlichen Erfahrungen, die wir machen. Ich hoffe, dass dies nach dem Abschluss meines Studiums in einem Jahr weiterhin so bleibt. Architektur ist für mich mittlerweile auch ein soziales Projekt geworden.

Jurystatement zu den eingereichten Arbeiten von Tobias Haag:
Tobias Haag erhält ein Stipendium, weil seine Arbeiten sich mit wichtigen Themen unserer Zeit – Nachverdichtung, Bauen im Bestand – beschäftigen und dabei eine ungeheure Frische ausstrahlen. Sie überzeugen auch durch Originalität und hohe räumliche Qualität und werden auch konsistent präsentiert.

Projektbeispiel:
Main street is almost alright, Lehrstuhl Prof. Andreas Hild, TU München mit Lehrstuhl Prof. Markus Peter, ETH Zürich, Zusammenarbeit mit Yonne-Luca Hack

Kurze Werbepause

Der Frankfurter Ring ist Ort eines städtebaulichen Bruches in München. Hier endet die Wohnbebauung Schwabings und geht in Gewerbegebiete ohne erkennbare städtebauliche Struktur über, die sich nach Thomas Sieverts als Zwischenstadt beschreiben lassen. Die Zeilenbebauung aus den 60er Jahren ist ein Fremdkörper zwischen gerasterten Bürogebäuden und den Trapezblechfassaden von Autohäusern und Hallen. Um in diesem Kontext zu bestehen kommt nur ein massiver Eingriff in Frage. Die Freiräume zwischen den L-förmig, beziehungsweise C-förmig angeordneten Zeilen werden komplett aufgefüllt und damit alle drei Höfe mit dem Bestand zu einer Großform verbunden. Der massive Block strukturiert sich durch ein Netz aus Innenhöfen verschiedener Größen. Die neue Struktur kann sich so gegen die Gewerbebauten behaupten. Zusätzlich ermöglicht die massive Erhöhung der Dichte und eine Maximierung der Wohn- und Gewerbeflächen eine neue Form von zwischenstädtischer Urbanität. Nur so ist an diesem Ort eine hohe Lebensqualität möglich.

Eine genaue Analyse der Abstände, Tiefen, sowie Erschließung und Fassadenverhältnisse der hausmannschen Blockrandbebauung der Rue Eugène-Süe und Rue Simart in Paris dient als Grundlage für die Entwicklung des Gebäudes. Die Höfe haben vergleichbare Größen, im Gegensatz zu Paris hat der Block jedoch nur drei statt sechs Wohngeschosse, sowie ein zurückgesetztes Staffelgeschoss. Im Erdgeschoss ist Platz für einen Großverteiler auf circa 1500m2, sowie Gemeinschaftsflächen und kleinere Ladengeschäfte an der Erschließungsgasse, die C-förmig entlang der Bestandsgebäude verläuft.

Bis auf wenige Ausnahmen haben alle Wohnungen Fenster zu drei Höfen. Von der zentralen, meist L-förmigen Wohnhalle mit Öffnungen zu zwei Höfen sind die restlichen Räume zugänglich. Auch im Bestand gelingt dies durch die Verzahnung der Grundrisse mit der neuen Hofüberbauung.
Die günstigen Massenwohnungsbauten zu Beginn des 20. Jahrhunderts in New York, wie sie Edward Hopper in seinen melancholischen Bildern festhält, dienen als Analogie für die Ausgestaltung der Fassaden. Diese sind kostengünstig in Putz mit WDVS und hochformatigen Kunststofffenstern ausgeführt. Im Zusammenspiel mit den vorgehängten Feuerbalkonen, die Zugang zum gemeinschaftlichen Dachgarten bieten, sind sie eine zeitgenössische Übersetzung ihres amerikanischen Vorbildes.

Die einfache Bauweise des Gebäudes in handelsüblichen und günstigen Materialien, sowie die hohe Dichte ist ein auf die Spitze getriebener Beitrag zur Zukunft des Wohnens in der europäischen Stadt und eine angemessene Antwort auf den Charakter der umgebenden Agglomeration. Main street ist definitiv alright.

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