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Abu Dhabi Louvre, Jean Nouvel, Guggenheimeffekt, Museumsarchitektur, Neueröffnung 2017, Vartan Kelechian

Touristenmagnet ohne Guggenheimeffekt: Louvre Abu Dhabi

Im Gegensatz zu den bisherigen Kunst-Dependencen, denen es gelungen ist, wie spektakuläre enfants terribles oder camouflageartig verspiegelt ein heruntergekommenes Industrieareal, ein banales Neubaugebiet oder eine grüne Wiese zu verzaubern, kann die Wirkung des Louvre Abu Dhabi erst vage vorhergesehen werden: Auf der 27 Quadratkilometer großen Saadiyat Island (Insel der Glückseligen), die nur sieben Minuten von Down Town Abu Dhabi und nur 20 Minuten vom  Abu Dhabi International Airport entfernt ist, sollte die bisher größte Guggenheim-Dependence entstehen, erneut nach Plänen von Frank Gehry. Ursprünglich war die Eröffnung für 2012 terminiert, wegen der politischen Unruhen des Arabischen Frühlings, der Finanzkrise und der verstärkten Ressentiments gegenüber Israel und den USA ist der Bau des amerikanischen Museums mit jüdischem Namen auf arabischem Grund in immer weitere Ferne gerückt. Die Fertigstellung des benachbarten Zayed National Museum ist weitaus wahrscheinlicher, verzögert sich aber ebenfalls um Jahre: Der 2009 geschlossene Vertrag, in dem sich das British Museum verpflichtete, dem Zayed National Museum für die Dauer von 10 Jahren Kunstobjekte gegen einen beträchtliche Leihgebühr zur Verfügung zu stellen, wird wohl auslaufen, noch bevor Foster and Partners  mit dem Bau begonnen haben werden.

Vollendet ist erst der unterirdische 1,2 km, lange 12 m breite und 6 m hohe Verbindungstunnel zur Anlieferung des Louvre, des künftigen Guggenheim und Zayed National Museum.

Der Louvre in Abu Dhabi ist nicht die erste Auseinandersetzung Jean Nouvels mit der arabischen Kultur. Mit dem Institut du Monde d’Arabe am Ufer der Seine in Paris gelang dem Franzosen 1987 gemeinsam mit Architecture Studio ein erstes Meisterwerk. Fast auf den Tag genau 30 Jahre vor der Eröffnung des Louvre durch Emmanuel Macron am 11. November 2017 war es damals Francois Mitterand, der als Ministerpräsident ein Werk unter der Mitwirkung der Ateliers von Jean Nouvel zur Nutzung freigab. Mit ihren 240 elektrisch gesteuerten Irisblenden aus Edelstahl, die sich wie die Verschlüsse analoger Fotoapparate je nach gewünschtem Verschattungsgrad öffnen und schließen lassen, ist eine verglaste Südfassade entstanden, die gleichermaßen zur Ikone der High-Tech-Architektur wurde wie zu einer zeitgemäßen Interpretation arabischer Ornamentik in westlichem Kontext. Auf die gebogene Verglasung der Nordseite ließen die Architekten die Silhouette von Paris auf das Glas drucken, für die damalige Zeit ebenfalls eine innovative Technik. Die Bausumme von 230 Mio Euro wurde seinerzeit von der Liga der arabischen Staaten gemeinsam mit der französischen Regierung aufgebracht.

Der Louvre in Abu Dhabi thematisiert ebenfalls eine Synthese aus arabischer und französischer Kultur, jedoch mit anderen architektonischen Mitteln. Den arabischen Part übernimmt das Element der Kuppel, die mit einem Durchmesser von 180 m ins Gigantische gesteigert wurde und der darunter geschützt gelegenen Medina aus 55 weißen Häusern. Durch seine Dimension weist der Bau jedoch über islamische Kuppelbauten hinaus, erweckt Erinnerungen an Buckminster Fullers transluzenten Dome über Manhattan aus dem Jahre 1960, der mehrere Gebäudeblocks überdecken sollte. Bewusst vermeidet Nouvel bei seinem Louvre in Abu Dhabi jedoch all die Technologie zu zeigen, die seine archaisch konzipierte Architektur erst möglich macht. Das französische Element des Bauwerks ist die noble Materialisierung, Anspielungen an die Marmorböden im Pariser Louvre.

Ob der Louvre Abu Dhabi eine ähnliche Anziehungskraft entfalten wird wie einst das Guggenheim Museum in Bilbao, wird sich vielleicht erst 2020 zeigen, wenn im benachbarten Dubai die Expo stattfindet, oder gar erst 2022 zur Fußball-WM beim nördlichen Nachbarn Quatar. Dann wird auch der zweite Großbau von Jean Nouvel im Nahen Osten komplett fertig sein, der bisher bereits in Teilen besichtigt werden kann: Das National Museum Quatar in Doha. Hier hat Nouvel auf eine arabische Ornamente verzichtet und greift als Referenz auf die Natur zurück. Die messerscharfen Betonplatten sehen aus wie ins Gigantomanische gesteigerte Wüstenrosen, bizarre Kristallgebilde aus Sandkörnern, die in einen Kristall aus Gips oder Baryt eingebettet sind.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation zum Thema »Bühnenbauten« finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 3/2018.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 3/2018

Konzept: Bühnenbauten

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