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Tradition und Qualität »made in Schwaben« - 100 Jahre Steng Licht Stuttgart

Leuchten von Steng Licht sind zeitlose Designobjekte, die vor allem durch ihre klare Linienführung und die Liebe zum Detail bestechen. Das schwäbische Unternehmen mit Sitz in Stuttgart behauptet sich 2011 schon 100 Jahre am inzwischen heiß umkämpften Leuchtenmarkt – und erfindet sich selbst immer wieder neu mit Nischenprodukten, die Individualisten zu schätzen wissen. In den vergangenen Jahren hat Steng Licht mit seinen Porzellanleuchten, in aufwendiger Handarbeit von der Berliner Porzellanmanufaktur Hering gefertigt, international für Aufsehen gesorgt. Bis nach China verkaufen sich diese Unikate. Viele Gründe also, Steng Licht näher zu beleuchten.

Steng, Licht, Beleuchtung, Leuchten
Bild 3: Der Zweite Weltkrieg ging auch an der Firma Steng nicht spurlos vorüber. Die Cannstatter Firmengebäude wurden bei einem Bombenangriff auf Stuttgart im Jahr 1944 komplett zerstört. Carl Gustav Steng kam dabei ums Leben.

DETAIL: Steng Licht ist 100 Jahre am Markt – eine lange Zeit, verbunden mit Höhen und Tiefen. Was ist das Erfolgsrezept für Ihr langes Bestehen?
Peter Steng: Unsere Firma hat mehrere Währungsreformen und zwei Weltkriege überstanden. Das schafft man nur mit Beharrlichkeit, guter Qualität – und mit Kunden, die unsere Arbeit und Qualität schätzen. Wenn Sie, auf schwäbisch gesagt, einen »Kruscht« herstellen, wird das kurzfristig vielleicht ein Erfolg, aber nicht auf Dauer! Darüber hinaus ist unser Sortiment bereinigt, stringent. Wir eilen keinem Zeitgeist hinterher, nehmen keine Moden mit. Wir haben einige Produkte, die seit 25, 30 Jahren am Markt sind und sich noch immer gut verkaufen. Das zeigt uns, dass wir richtig liegen. Und unsere Kunden belohnen das mit ihrer Treue.

DETAIL: Wenn Sie sagen, Sie laufen dem Zeitgeist nicht hinterher, vertreten eine klare Linie mit reduzierten Produkten – lassen Sie damit nicht viele Geschäftspotenziale am Wegrand liegen?
Andreas Steng: Wirtschaftlich wäre es sicher ein Erfolg, mal »nach links und rechts« zu schauen, Potenziale umsatztechnisch auszuschöpfen. Aber das ist nicht unsere Linie. Wir wollen zwar wachsen, aber wir wollen auch unseren Prinzipien treu bleiben.
Peter Steng: Wir haben seit 20 Jahren den gleichen Mitarbeiterstamm – nicht mehr und nicht weniger. Wir wissen schon, was man mit Licht und Beleuchtung so alles machen könnte. Dazu sind wir lang genug am Markt. Aber wir bewegen uns ganz bewusst in einer Nische, weil wir nicht dem Druck der Masse nachgeben wollen.
Andreas Steng: Was jedoch nicht heißt, dass wir in den letzten 20 Jahren nicht umsatzmäßig gewachsen sind! Wir lassen einige Produkte, die dazugekommen sind, in Teilen bei Externen hier in der Region vorfertigen. So können wir unseren internen Mitarbeiterstamm nahezu gleich halten.

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Bild 5: Blick in die Werkstätten.
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Bild 4: Warenlager: Steng Licht arbeitet auch mit externen Firmen, die baugruppenweise zuliefern. Die Endmontage und der Versand erfolgen in den eigenen Werkstätten in Stuttgart-Wangen.

DETAIL: Sie fertigen anders als zahlreiche Leuchtenhersteller bewusst in Deutschland, warum?
Peter Steng: Wir haben drei externe Firmen, mit denen wir intensiv arbeiten, die sozusagen unsere verlängerte Werkbank sind. Da­rüber hinaus gibt es noch zahlreiche Zulieferer. Wir lassen die Einzelteile von Spezialisten vorwiegend aus dem süddeutschen Raum fertigen. Leute, die unsere Qualitätsstandards halten. Wir waren immer in der guten Position, dass die Entscheidung für ein Produkt aus dem Hause Steng nicht eine Frage des Preises, sondern des »Haben-Wollens« war. Der Kunde will zuerst einmal eine Steng-Leuchte und fragt erst dann nach dem Preis.Wir bewegen uns aber nicht im »Low Budget«-Bereich. Wir sind darauf angewiesen, dass der Kunde bereit ist, für unsere Leuchten ihren Preis zu zahlen.

DETAIL: Wo verkaufen Sie Ihre Produkte?
Andreas Steng: Das hält sich die Waage: ca. 50 % setzen wir über den Leuchtenhandel ab, 50 % über das Objektgeschäft mit Architekten und Lichtplanern.
Peter Steng: Der Objektbereich, das sind für uns vowiegend Hotels, Läden oder Messebau, weniger Büro- und Verwaltungsgebäude.

DETAIL: Steng Licht produziert in der Region, doch agiert durchaus global. Wie kommen Sie an den internationalen Märkten zurecht, z.B. mit Währungsschwankungen?
Andreas Steng: Für uns ist das Währungs­risiko nicht direkt ein Thema, weil es auf unsere Importeure verlagert ist. Wie fakturieren in Euro. Doch wir haben damit indirekt zu tun: wenn die andere Währung schwach ist, zahlen die Importeure zu hohe Preise. Wir sind jedoch auf unsere Importeure ange­wiesen, weil wir zu klein sind, um an jedem Markt eine Niederlassung aufzubauen.
Peter Steng: An wichtigen Märkten zeigen wir Präsenz, z.B. unser Start in den USA. Dort haben wir mit Partnern vor Ort gearbeitet, uns zuerst an der Firma beteiligt und uns dann später, als alles lief, aus der Beteiligung zurückgezogen. In den Niederlanden war es genauso. Es hat sich bewährt.

DETAIL: Wo liegen Ihre stärksten Märkte?
Andreas Steng: Starke Märkte für uns sind die Beneluxländer und die Schweiz sowie in Übersee USA und Australien. Erfreulich, aber auch erstaunlich ist, dass es in einem kleinen Land wie Belgien – in dem auch sehr gute Leuchtenfirmen ihren Sitz haben – so gut für uns läuft.

DETAIL: Verkaufen Sie in Belgien deshalb so gut, weil durch die Hersteller das Bewusstsein für gutes Licht stark ausgeprägt ist?
Peter Steng: Ja, die Affinität, das Bewusstsein für gute Marken ist dort eindeutig vorhanden. Das lässt sich vielleicht mit gutem Essen vergleichen: In Belgien gibt es hervorragende Restaurants. Aber dies nur, weil die Kunden danach verlangen und sich ein gutes Menü leisten wollen. Diese Leute leisten sich auch gutes Licht. Das kommt Firmen wie uns entgegen.
Andreas Steng: Die Unterschiede sind von Land zu Land jedoch sehr verschieden. In Frankreich zum Beispiel verkaufen wir nicht so gut. Vielleicht sind wir für die Franzosen einfach nicht barock genug? Das haben wir noch nicht herausgefunden.

DETAIL: Was waren die Anfänge von Steng Licht in Stuttgart?
Peter Steng: Die Anfänge von Steng Licht liegen vor dem Ersten Weltkrieg. Damals ging es um die Elektrifizierung, die Beleuchtung von Stuttgart. Steng Licht arbeitete vorwiegend regional, im Großraum Stuttgart. Das Spektrum reichte von Haustechnik bis Beleuchtung. Sie müssen verstehen – wenn damals eine Stadthalle, ein Theater oder eine Versammlungsstätte eingerichtet wurden, konnte man sich noch nichts aus dem Katalog aussuchen! Da wurden Leuchten und Strahler gebaut; das waren schlichtweg handwerkliche Tätigkeiten: Schlosserarbeiter, Gürtlerarbeiten. Dort lagen unsere Anfänge. Der Zweite Weltkrieg war die schwierigste Zeit. Bei einem Bombenangriff auf Stuttgart wurde unsere Gebäude in Bad Cannstatt 1944 komplett zerstört. Dabei kam auch mein Großvater, der Firmengründer, ums Leben. Es gibt noch ein paar Bilder aber Archivunterlagen oder Ähnliches aus der Zeit vor 1944 haben wir nicht mehr. Mein Vater führte die Firma dann nach dem Krieg weiter, war wie viele andere am Wiederaufbau von Stuttgart beteiligt. Es gab damals den Installationsbereich und unser Geschäft mit dem Leuchtenverkauf. Mit ungefähr acht Jahren fing ich an, in unserer Werkstatt zu basteln – mit Fahrradlampen, Dynamo und Batterien. Ich bin sozusagen spielerisch in die Niedervolttechnik »hineingewachsen«. Jahre später, Mitte der 1970er Jahre, kamen die ersten Aufträge aus dem Theaterbereich. Ich habe für das Staats­theater Stuttgart gearbeitet, für Diskotheken und Kaufhäuser. Zu dieser Zeit haben wir Leuchten in Niedervolttechnik gebaut, die es am Markt nicht gab. So wurden wir einer der Vorreiter, die mit der damals neuen Technik auf den Markt kamen.

DETAIL: Wie sieht die aktuelle Entwicklung von Steng Licht aus, wo liegen die Schwerpunkte für die Zukunft?
Andreas Steng: Wir arbeiten natürlich auch mit Hochvolttechnik, Gasentladungslampen, LEDs – keine Frage, ein großes Thema! Niedervolttechnik bleibt aber für uns weiterhin auch im Fokus.
Peter Steng: Und neben neuen Leuchten, die wir entwickeln, wollen wir unser bekanntes Portfolio in der Zukunft für verschiedenste Techniken anpassen und öffnen.

DETAIL: Steng Licht ist seit Generationen ein Familienbetrieb. Die Zeiten sind schwerer geworden, die Märkte sehr indifferent. Gab es nie die ernsthafte Überlegung: wir verkaufen alles, schließen zu, setzen uns einfach auf
die Malediven ab?
Peter Steng (lacht): Sie haben es mit einer schwäbischen Firma zu tun! Klar, wenn man älter wird ... man könnte sich mit dem Gedanken anfreunden. Ich habe meinem Sohn Andreas nie Vorgaben gemacht. Wenn er keine Lust gehabt hätte einzusteigen, dann hätte er den Job nicht machen müssen. Auch für mich selbst gab es nie die Verpflichtung, dass die Firma weiter bestehen muss. Das stand nie zur Diskussion. Es hat sich einfach ergeben, durch den Spaß und die Freude, die ich habe. Und wir sind zum Glück noch immer finanziell unabhängig. Aber um auf die Frage zurückzukommen: Man soll ja auch niemals nie sagen. Man kann da nichts ausschließen.

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DETAIL: Andreas Steng, Sie leiten das Unternehmen in der vierten Generation. Ist es eher Bürde oder Berufung?
Andreas Steng: Als eine Bürde sehe ich das nicht. Solange die Arbeit Freude macht, es funktioniert, solange ist man erfolgreich. Man hat nicht ständig im Hinterkopf, wie alt die Firma ist. Auf der anderen Seite nutzen wir unsere Tradition durchaus fürs Marketing. In den USA zum Beispiel ist die Kontinuität der Marke wichtig, eine lange Firmengeschichte wird dort stärker anerkannt.
Peter Steng: Die Tradition ist durchaus eine Verpflichtung, aber keine, die einen Tag und Nacht verfolgt. Es ist schön zu sehen, dass es jene Kontinuität gibt, dass vielleicht in den Genen etwas mitgegeben wurde, was das Unternehmen auch über die vierte Generation hinaus erhält. Und wenn es mit meinen Enkeln in Zukunft bei Steng Licht weiter geht – prima, warum nicht? Man kann es ihnen anbieten, man muss es aber nicht als Verpflichtung weitergeben.

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Bild 10: Andreas Steng mit der Leuchte "LEDy" in den Händen. Der schlanke Leuchtenkörper ist nur durch den Einsatz neuester LED-Technik möglich. Zum Einsatz kommen LEDs, die ein Farbwiedergabespektrum haben, das bisher nur beim warmen Licht einer Glühlampe (2700 K zu realisieren war.)
Steng, Licht, Beleuchtung, Leuchten
Bild 11: Die Leuchtenfamilie "Sign" von 1988 (Design: Franz Weigand ist eines der langlebigen Steng-Produkte und geboren aus der Kooperation mit dem renommierten Designer.

DETAIL: DETAIL wird dieses Jahr 50, Steng Licht wird 100. Sie haben somit ganze 50 Jahre Erfahrung voraus...
Peter Steng (lacht): Und Sie wollen jetzt wissen, wie man so alt wird?
DETAIL: Natürlich! Aber vielleicht geben Sie uns lieber ein kleines, persönliches Statement – so von Jubilar zu Jubilar?
Peter Steng: (Überlegt kurz) Stellen Sie sich ein Interview mit einem Hundertjährigen vor, das ein junger Journalist führt. Der junge Mann will wissen: »Wie konnten Sie so alt werden?« Dann wird der Jubilar fast immer antworten: »Solider und gesunder Lebenswandel, kein Übermaß an Alkohol, an allem kein Übermaß. Das ist mein Rezept.«
Im Prinzip ist es mit einer Firma genauso: Ein gesunder, klarer Geist im Unternehmen und ein Management, das nicht dem Größenwahn unterliegt, keine Doktortitel erschleichen muss, einfach auf dem Boden bleibt. Das ist sicher einer der Gründe, warum die Region hier so erfolgreich ist. Der Schwabe sagt: »Mehr als oin Roschdbrohde am Dag koasch sowieso ned essa!« Das heißt: Bleib auf dem Teppich, lass es dir gut gehen, genieße – aber halte dein Maß. Und so ist es auch mit DETAIL. Ihr macht eine Zeitschrift, die auf dem Boden bleibt, die genau weiß, wo ihr Markt ist und ihre Nische. Denn: Bauzeitschriften gibt es jede Menge, da bringt es nichts, dem Zeitgeist nachzulaufen. Die DETAIL-Leute machen ihre Sache und das machen sie gut, und
so halten wir es auch. Und ich denke das ist auch ein Geheimnis des Erfolgs.

Das Interview führte DETAIL-Redakteur Tim Westphal im März 2011 in Stuttgart mit den Geschäftsführern der Steng Licht AG, Peter Steng und Andreas Steng.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2011

50 Jahre DETAIL - Konstruieren heute und morgen

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