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Fotos: Alain Rihn

Transparenz, die schützt: Pförtnerhaus in Paris

Sicher und zugleich offener wollte die UNESCO den Zugang zu ihrem Gelände unweit des Pariser Eiffelturms gestalten, als sie 2010 einen Architektenwettbewerb für den Neubau eines Eingangsgebäudes auslobte. Mit dem Neubau der Pariser Architekten Laurence Carminati und Yann Keromnes ist der UN-Tochterorganisation dies vollauf gelungen, wie UNESCO-Sicherheitschef Francois-Michel Delécolle erläutert: „So paradox dies erscheinen mag, sichert das neue Eingangsgebäude den UNESCO-Hauptsitz doch besser als jeder Bunker. Die Transparenz des Gebäudes erlaubt uns, jegliche Bedrohung schon von weitem zu erkennen. Der Satz von Hubert Reeves ‚weit blicken heißt früh erkennen’ findet hier seine perfekte Bestätigung.“

Mit ihrem Neubau treten Karminati & Keromnes in große Fußstapfen: 1955-58 errichteten die Architekten Marcel Breuer und Bernard Zehrfuss gemeinsam mit dem Ingenieur Pier Luigi Nervi das charakteristische, dreiflügelige UNESCO-Hauptgebäude. Zum 50. Geburtstag der Organisation realisierte Tadao Ando auf dem Gelände 1995 einen Meditationsraum, sein erstes Gebäude in Frankreich.

Mit dem Pförtnerhaus betrachtet die UNESCO die Bebauung des Areals nunmehr als abgeschlossen; weitere Bauten dürften auf dem Gelände kaum noch Platz finden. Das Glashaus steht auf der Nordseite des Hauptgebäudes an der weitläufigen Place de Fontenoy, die im 18. Jahrhundert nach Plänen von Jacques-Anges Gabriel angelegt wurde. Auf der anderen Platzseite erhebt sich der riesenhafte Bau der 1751 gegründeten Militärschule.

Glashülle um einen Betontisch

Die Architekten bezeichnen ihren Neubau als „Haus ohne Wände und Fenster“ und als leichte Umhüllung für den großen Betontisch in seinem Inneren, an dem sich Besucher und Sicherheitspersonal begegnen. Seitlich davon sind die obligatorischen Drehkreuze und Röntgengeräte für das Gepäck untergebracht. Hinter den Glasfassaden werden die Stirnseiten der Betonplatten sichtbar, die den Raum nach oben und unten begrenzen. Der Fußboden ist mit einer Fußbodenheizung versehen. Hinter dem Tisch, wo das Sicherheitspersonal seine Plätze hat, wurde ein heller Kokosteppich verlegt.

Um das Dach so filigran wie möglich zu halten, ließen es die Architekten auf der Oberseite mit Vakuum-Isolationspaneelen dämmen. Die Dachscheibe ruht auf acht stählernen Doppelstützen, die sich wie Tischböcken nach unten auswärts spreizen und die Tragstruktur so in der Horizontalen aussteifen. Sie lassen sich auch als filigrane Paraphrase auf die mächtigen Betonrahmen lesen, die Marcel Breuers Hauptgebäude tragen. Und doch irritiert ihr Anblick auf den zweiten Blick: Die einzelnen Stahlstützen haben L-förmige Querschnitte, doch nur einer der beiden Flansche ist an die Boden- und Deckenplatte angeschlossen. Der zweite, der die Stütze gegen Ausknicken sichert, ist überdies am einen Stützenende nach oben und am anderen nach unten abgewinkelt. Im Ganzen entsteht so das Bild dürrer Beinpaare, die in etwas weit geratenen Schlaghosen stecken.

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