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Tyrol-Effekt: Kaufhaus nach Plänen von Chipperfield in Bozen vorgestellt

Mit der Einreichung der Pläne Mitte November 2013 für einen Komplex aus Kaufhaus, Hotel, Wohnen, Büros und Busbahnhof in Bozen legt die österreichische Investorengruppe Signa die architektonische Messlatte hoch: David Chipperfield Architects zeigen hier einen Entwurf, mit dem die Investoren der Stadt Bozen eine ähnliche Anziehungskraft versprechen, wie es der Stadt Innsbruck seinerzeit mit Chipperfields Neubau des „Kaufhauses Tyrol“ gelungen ist. Dabei hat sich die Signa nicht nur Freunde gemacht. Bereits im März dieses Jahres, als erste Pläne dazu präsentiert wurden, regte sich Widerstand gegen die großformatige Bebauung im kleinteiligen Bozen – vor allem unter den Bozener Geschäftsleuten, die Konkurrenz fürchten.

Kaufhaus-Planung für Signa von David Chipperfield-Architects in Bozen, Piazetta

Innsbruck boomt. Nicht erst, seit hier im Jahr 2010 das Signa-Projekt „Kaufhaus Tyrol“ wieder eröffnet wurde. Chipperfields Entwurf hatte aber damals nicht nur die großen Kritiker des Projekts aus der Innsbrucker Architekturszene versöhnt, das „Kaufhaus Tyrol“ hat auch die Attraktivität Innsbrucks als Einkaufsmetropole erhöht. Und damit geht der Immobilien-Gigant und Signa-Gründer René Benko – er erwarb erst kürzlich wichtige Immobilien der Karstadt-Kette, unter anderem das KaDeWe in Berlin – nun in der Region hausieren. 

Kaufhaus-Planung für Signa von David Chipperfield-Architects in Bozen, Piazza

Denn Bozen ist nicht so gut ausgestattet, was die Einkaufsstruktur angeht: Ein „Landeseinkaufszentrum“ gibt es lediglich am Stadtrand, das „20twenty“. Die Innenstadt selbst lebt vom Einzelhandel in den und um die „Lauben“; zum Shoppen fährt man aber tatsächlich nach Innsbruck, Trient, Rovereto oder Verona. Mit den Signa-Plänen soll das alles anders werden: 15 Prozent kleiner ist das Projekt zwar im Verhältnis zu den im März vorgestellten Plänen geworden, doch die Investoren versprechen der Stadt eine Aufwertung durch zusätzlichen „Einkaufs- und Architekturtourismus“.

Kaufhaus-Planung für Signa von David Chipperfield-Architects in Bozen, Entree

Der Komplex selbst ist ein in den dreieckigen Stadtblock aus Bahnhofsallee, Südtirolerstraße und Garibaldistraße gesetzter Baukörper, der Teile der vorhandenen Baumassen spiegelt und städtebaulich fortschreibt. Durch den Abstand zu einzelnen Bestandsgebäuden entstehen unterschiedliche außenräumliche Durchwegungs- und Platzsituationen, dieses Motiv wird im Inneren des neuen Baukörpers als Haupterschließung weiter geführt. Die halbkreisförmige Platzsituation am Bahnhof wird komplettiert, in der Überarbeitung der Planung sollen größere Flächen des Bahnhofsparks erhalten werden, eine teilweise Dachbegrünung soll weitere Grünflächen schaffen. Der Fassade des unterschiedliche Höhen annehmenden Baukörpers liegt ein differenziertes Raster zu Grunde, dessen Ausfachung für die unterschiedlichen Nutzungen innerhalb eines einheitlichen Element- und Materialkanons variiert wird.

Kaufhaus-Planung für Signa von David Chipperfield-Architects in Bozen, "Vorraum"

Zentrales Element der Planung ist jedoch nicht nur das neue rund 30.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassende Kaufhaus, sondern auch eine großräumige Untertunnelung der Innenstadt: Von der Mayr-Nusser-Straße zur geplanten Kaufhausgarage bis zu einer weiteren Garage am Walterplatz sowie zum neuen Busbahnhof soll die unterirdische Straßenführung reichen. Damit wäre eine Verkehrsberuhigung in Teilen der Innenstadt und so die Erweiterung der bestehenden Fußgängerzone „als Zugpferd für die Stadtentwicklung“ möglich. Die Grünflächen des Bahnhofsparks und der Bahnhofsallee sollen zum „hochwertigen Boulevard“ aufgewertet werden. Die Kosten für die Infrastrukturmaßnahmen will der Investor übernehmen. Das Grundstück gehört allerdings der öffentlichen Hand, inzwischen gibt es weitere Bewerber für ähnliche Vorhaben. Bis zum 17. Dezember 2013 hat die Stadt Bozen Zeit, sich für oder gegen das Projekt zu entscheiden – oder, sich auf ihre eigene Planungshoheit zu besinnen.

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