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Überlagerte Orte, sichtbare Geschichte: Synagogenplatz in Lviv

Ein sensibler Beitrag zu einer schmerzlichen Erinnerungskultur: Der differenzierte Entwurf für den Synagogenplatz nähert sich in besonders behutsamer Weise den Relikten einer historischen Situation. Deren schuldbelasteter Ursprung wird gezeigt, deren gebrochene Qualität bleibt in der Lebenswelt von heute erhalten. Die Realisierung des Projekts hängt noch vom Erfolg der Spendensammlung ab.

Entwurf: Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Standort: Lviv, Ukraine

Synagogenplatz in Lviv, Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Visualisierung

Lviv (Lemberg) in der Ukraine war im Zweiten Weltkrieg Hauptquartier des SD und der SS – Organisationszentrum der Schrecken der Judenvernichtung im Distrikt Galizien. Das Zwangsarbeitslager Janowska und das Vernichtungslager Belzec waren Lemberg zugeordnet. Die düsteren Spuren dieser Geschichte, die an verschiedenen Orten Lembergs und im Bereich des Distrikts Galizien bis heute spürbar sind, zu erhalten – diese Atmosphäre auf einen Gedenkort zu übertragen, ist das Anliegen des Entwurfs.

Synagogenplatz in Lviv, Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Historische Stadtkarten, Jüdisches Viertel Lviv, 1802 und 1849
Synagogenplatz in Lviv, Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Grundrisse: große Stadtsynagoge, Beth Hamidrash, Synagoge "Goldene Rose"
Synagogenplatz in Lviv, Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Lageplan
Synagogenplatz in Lviv, Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Piktogramm

Reschke setzt auf eine Atmosphäre der Leere und der Offenheit, um auch „eine neue öffentliche Nutzung“ einzubeziehen. Ihre gebrochene Qualität in den Alltag der Stadt einzubringen, in der Verbindung mit dem Gebrauch in der Lebenswelt von heute Schritt für Schritt Aneignung zu ermöglichen, ist eine bemerkenswerten Leistung.

Synagogenplatz in Lviv, Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Atmospähren: 1 Spuren im Platzbelag, 2 Schreiben und verstehen, 3 Behutsame Erschließung, 4 Leere und Spiegelung, 5 Schatten und Transparenz, 6 Diffuser Schattenwurf

Der Entwurf näherte sich im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs einem Umgang mit den (Ge-)Schichten des Ortes. Deren Offenlegung wird in einer Form der Platzgestaltung angestrebt, die das Projekt als Prozess und als Dreiklang des Ortes versteht:

  • aus der Synagoge „Goldene Rose“, die durch einen Steg behutsam erschlossen und geschützt wird,
  • aus der Ruine der Schule, die als Treffpunkt von jüdischer Gemeinde und Besuchern wie als Ort gestaltet wird, an dem Erinnerungen schriftlich hinterlassen werden können,
  • und aus der Leerstelle der großen Stadtsynagoge, die, durch eine flache Mauer herausgestellt, im Gegenlicht und bei Regen sichtbar wird.


Die Materialien, die Elemente des Entwurfs und die Oberflächen, die temporäre Eindrücke bewirken, prägen die Qualität der Realisierung. „Der Besuch an den Orten der nationalsozialistischen Verbrechen ist bedrückend“, notiert Reschke, „Die Schwere ist fast materiell fühlbar. Die Verbrechen überlagern zu großen Teilen die jüdische Identität und Vielfalt vor und nach dem Holocaust.“

Synagogenplatz in Lviv, Franz Reschke Landschaftsarchitektur
Modell Synagogenplatz / Beth Hamidrash / Goldene Rose

Das Projekt erhielt eine Anerkennung beim DEUBAU-Preis 2014. Kommentar der Jury: „Der Entwurf, der authentisch, lebendig und abstrakt auf die Schichten des Ortes eingeht, zeigt in der Annäherung hohe Sensitivität. Reschke verweist auf die Brüche, die Widersprüche, die Geschichte der Situation des gegenwärtigen Ortes in der Ukraine, die nicht mit unserer eigenen Erinnerungskultur übereinstimmen. Schichten zulassen, Teile des Ortes schützen, an anderen Stellen den Gebrauch ermöglichen, der die Komplexität des Ortes im Vergehen der Zeit bewahrt.“

Projektdaten

Auftraggeber: Executive Commitee of Lviv City Council und Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)
Typologie: Gedenkstätte, öffentlicher Raum
Fläche: ca. 3.500 m²

Baukostenschätzung
Wettbewerb, mitteleuropäische Preise: ca. 600.000 Euro
Designphase, ukrainische Preise: ca. 3.000.000 Hrywna / ca. 300.000 Euro

Planungspartner
Ausstellungskonzept in Zusammenarbeit mit Sophie Jahnke, Gestaltung
Recherche Ausstellung: Centre for Urban History, Lviv
Technische Prüfung / Ausschreibung und Vergabe / Lokale Abstimmung in Zusammenarbeit mit Yuriy Stolarov, Architekt

Planungszeitraum
Design Studie Überarbeitung Wettbewerbsentwurf 2011 – 2012
Design Phase 2012 – 2013

Realisierung (abhängig von der Bereitstellung Förderung und Spenden)
1. Abschnitt Beth Hamidrash voraussichtlich 2014

Stichworte:
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