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Peter Haimerl, Umbau, Bayerischen Wald

Umbauen als Rettungsaktion

Nach vielen Jahren ist die Sanierung am Schedlberg nun fertiggestellt. Du hast den Umbau des verlassenen Austragshauses in Eigeninitiative vorangetrieben. Wie kommt es zu diesem Engagement für eine verfallene Bauruine?

Peter Haimerl: Ich habe beobachtet, dass seit meiner Kindheit fast alle schönen alten Häuser im Bayerischen Wald verschwinden. Mit diesen Häusern stirbt eine  jahrhundertealte Bautradition, und  mit ihr die Aura der gesamten Region. Mit den alten Häusern geht außerdem das Gespür für Bauqualität, für Raum und Ort verloren. Anfangs dachte ich, ich könnte die Leute gemeinsam mit Kollegen animieren, ihre Häuser wieder herzurichten. Das war jedoch ein Trugschluss. Die einzige Chance ist meiner Erfahrung nach, es selbst zu machen. Selbst zu kaufen und selbst zu sanieren.

Die Bausubstanz war marode, das Dach seit vielen Jahren undicht. Was hast du genau vorgefunden?


PH: Wahrscheinlich geht das Holzhaus mit gemauertem Stallteil auf das 18. Jahrhundert zurück. Es wurde mehrfach stark umgebaut. Der Schneebruch hat das Dach in den 70ern zerstört, deshalb war alles verschimmelt. Die Kühe und Schafe der  angrenzenden Weide mutzten die Ruine lange als Stall. Eigentlich hatte man den Eindruck, dass das Haus nicht mehr zu retten war.

Wie sieht der Finanz- und Nutzungsplan aus?


PH: Mein Plan war, mich mit Architektenkollegen und Menschen, die das gleiche Interesse haben, nämlich Häuser zu retten, zusammenzuschließen. Ziel der neu gegründeten Firma Hauspaten Bayerwald war es, mehrere Objekte gemeinsam erwerben, sie zu sanieren und gemeinsam zu nutzen. Leider hat sich aber herausgestellt, dass das Engagement nachlässt, wenn der Aufwand hoch ist und wenig Profit abfällt. Deshalb musste ich mein Konzept ändern. Das Haus am Schedlberg soll abseits vom Massentourismus wie ein temporäres Kunstwerk vermietet werden, sei es zum kurzzeitigen Wohnen oder längerfristig  als Rückzugsort zum Arbeiten. Außerdem möchte ich dort die Schedlberg- Akademie ins Leben rufen – einen Ort für den Gedankenaustausch zwischen verschiedenen Disziplinen, auch zwischen Architekten und Bauherren.

Der Bayerische Wald ist im Vergleich eine relativ arme Region in Bayern. Was zeichnet ihre Baukultur aus?


PH Die traditionellen Blockhäuser im Bayerischen Wald sind handwerklich sehr hochwertig. Das zeigt sich schon an der Ausarbeitung der Eckverbindungen. Als ich mich länger mit dieser Bautradition beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass sich die Häuser oft nur wenig von der Natur distanzieren. Man kann an ihnen ablesen, wie dünn die Schicht zwischen Natur und Kultur ist. Mal ist gleich neben den Häusern ein Steinbruch, und mal wurden herumliegende Felsen für das Mauerwerk oder die Türstöcke verwendet. Am Schedlberg sind sie aus Granit, der direkt aus dem Wald neben dem Haus kommt, ebenso wie die Baumstämme der gezimmerten Holzwände. Häuser wie das am Schedlberg sind mit der Natur verbunden, sie stehen zwischen Wald und Wiese, sie vermitteln zwischen Natur und Kultur.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 10/2018 mit dem Themenschwerpunkt »Reuse Recycle«.

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 10/2018
DETAIL 10 2018, Reuse Recycle

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