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Umfangreiche Sanierung des Daches von Schloss Cecilienhof in Potsdam

Im Zuge der Sanierung von Schloss Cecilienhof in Potsdam durch das Berliner Architekturbüro Brenne Architekten mussten die vorhandenen und noch intakten Biberschwanzziegel abgenommen, gereinigt und nach der Rekonstruktion des Dachtragwerks gemeinsam mit neuen Ziegeln wieder gedeckt werden. Diese sollten defekte oder zu stark verwitterte Originalziegel ersetzen. Vorhandene Formziegel wie Grat- und Kehlziegel mussten komplett ausgetauscht werden.

Aufgabe war es, neue Biberschwanzziegel zu produzieren, die mit den vorhandenen historischen Ziegeln ein farblich harmonisches Deckbild ergeben. Darüber hinaus galt es, passende Kehl- und Gratziegel herzustellen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten wandte sich im Zuge vorgeschalteter Bemusterungen mit verschiedenen Ziegelherstellern an die Wienerberger Manufaktur. Die große Herausforderung bestand in der Farbgebung der Ziegel. Die Bestandziegel waren nicht einheitlich naturrot, sondern unterschiedlich stark verwittert und verrußt. Daher legte der Bauherr der Manufaktur originale Flächenziegel sowie einige Muster an Grat- und Kehlziegeln vor. Nach mehreren Monaten Produktentwicklung und drei Bemusterungen entstand schließlich
eine Mischung aus drei unterschiedlich engobierten Ziegeln, bei denen verschiedene Techniken miteinander kombiniert wurden.

Um die Grat- und Kehlziegel passend für das Dach des Schlosses zu brennen, musste zunächst eine entsprechende Form hergestellt werden. Dazu nahm die Manufaktur von den Original-Formziegeln die Maße ab und übertrug sie auf Gipsformen. Mit einem eigens dafür hergestellten Stanzwerkzeug wurde aus einem Tonstück ein Rohling mit definierter Kontur gepresst und der Ziegel anschließend gestempelt. Per Hand wurde der ausgestanzte Ziegelrohling auf die entsprechende Gipsform gelegt und angeformt. Zum Trocknen kam der Formziegel in eine Holzkonstruktion, die dafür sorgt, das die Flügeligkeit des Ziegels erhalten bleibt. Im Gegensatz zu den seriell hergestellten Biberschwanzziegeln trocknen die handgeformten Grat- und Kehlziegel ohne zusätzliche Wärmequellen in speziellen Trockenmagazinen ab. Deshalb dauert die Trocknungsphase deutlich länger.

Anschließend wurden auf den Grat- und Kehlziegeln die entsprechenden Engoben und Trockenpulver aufgetragen. Zum Brennen reihte man jeweils fünf Formziegel an zwei Seiten eines Schamotterohrs in einer Kassette auf. Nach dem Brand wurde an einem kleinen Dachmodell überprüft, ob die Form auch zur Dachneigung und den Flächenziegeln passt.

Um das Verhältnis zwischen alten und neuen Biberschwanzziegeln bei den sanierten Dachflächen von 1/3 zu 2/3 zu realisieren, dienten Dächer in untergeordneten Hofbereichen als Bergungsflächen für Bestandsziegel. Diese Flächen wurden komplett mit Neumaterial in drei Farbvarietäten gedeckt. Auch diese Dachflächen wurden mit einem dachshaararmierten Kalkmörtel mit Quer- und Längsschlag gedeckt.

Für die je nach Dachgeometrie variierenden Grat- und Kehlziegel vereinbarte man eine Abrufregelung je nach Baufortschritt. Dies ermöglichte es, saisonunabhängig und entsprechend des Bautenstands benötigte Formziegel mit einem Vorlauf von vier Wochen abzurufen.

Weitere Informationen: www.wienerberger.de

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2017
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