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DillerScofidio, New York, Juilliard

Umgestaltung Alice Tully Hall und Juilliard School in New York

Architekten:
Diller Scofidio + Renfro, New York
FXFowle, New York


Das Lincoln Center in New Yorks Upper West Side zählt zu den bedeutendsten Kulturzentren weltweit. Zwölf Institutionen einschließlich der Metropolitan Opera und der New York Philharmonic teilen sich einen Campus, der in den 1960er-Jahren in der damals noch wenig attraktiven Gegend entstand. Fassaden aus Travertin sowie ein umlaufender Sockel einen das im Stil einer klassisch angehauchten Moderne gehaltene Ensemble.

1969 öffnete das von Pietro Belluschi im Stil des Brutalismus entworfene und gleichermaßen mit Travertin verkleidete Juilliard School Building mit der in erster Linie für Kammermusik konzipierten Alice Tully Hall.

Ebenso auf einen Sockel gehoben, hielt es orthogonal Abstand zum schräg das urbane Raster durchschneidenden Broadway; das Foyer war niedrig und wenig einladend, der Eingang schwer zu finden.
Entsprechend ging es beim Umbau nicht nur darum, die Flächen des Konservatoriums für Musik, Tanz und Schauspiel zu erweitern und das gesamte Gebäude grundlegend zu modernisieren, sondern den von der Umgebung abgerückten Komplex auch durchlässiger zu gestalten, ihn zur Stadt hin zu öffnen.

Mit einer mächtigen Auskragung schiebt sich das Juilliard School Building nun bis an den Broadway heran. Darunter bietet es Platz für ein großzügiges, rundum verglastes Foyer.

Der öffentliche Freibereich ist dadurch zwar kleiner geraten als vorher, jedoch einladender und spannender: Neben einer leicht abgesenkten Fläche mit umlaufenden Sitztreppen, die beinahe nahtlos in die Lobby übergeht, stülpt sich die spitze Ecke des Blocks zu einer kleinen, dem Foyer zugewandten Tribüne auf.

An der seitlichen Fassade führen die Architekten die Travertinhülle leicht abgewandelt fort, öffnen sie jedoch im großzügig verglasten Erdgeschoss zur bisher vernachlässigten 65. Straße. Der Bestand bleibt hier, neu interpretiert, ablesbar.

Zum Broadway hingegen präsentiert sich das Gebäude über alle Geschosse mit großflächigen Glasfassaden; wie überdimensionale Schaufenster gewähren sie Passanten Einblicke in das Innenleben des Konservatoriums.

Im Foyer dominieren eine rotbraune Holzwand sowie eine dynamisch geformte Bar, unter deren Natursteinverkleidung sich eine Stahlunterkonstruktion verbirgt.

Dem neu gestalteten Auditorium, dem Herzstück des Komplexes, verleihen sanft gekurvte Verkleidungen aus Moabi-Holz eine einheitlich ruhige, warme Atmosphäre. Mittels horizontalen wie vertikalen schwenkbaren Paneelen im Bereich der Bühne sowie schallschluckenden Vorhängen entlang der Seiten lässt es sich für unterschiedliche Formen der Darbietung wie Kammermusik oder elektronisch verstärkte Musik akustisch konfigurieren. Zwei Bühnenerweiterungen, die im Austausch mit den vorderen Sitzreihen versenkbar sind, ermöglichen verschiedene räumliche Anordnungen.

Die größte Besonderheit stellt jedoch die Integration von Hülle und Licht dar: Die Holzverkleidungen lassen sich von hinten beleuchten, der Saal kann, etwa vor Beginn einer Vorstellung, »erröten«. Dazu ist das Furnier auf transluzente Kunstharzpaneele aufgebracht, die von hinten indirekt angestrahlt werden. Diese Paneele wurden auf ihre akustischen Eigenschaften getestet und verhalten sich in der gewählten Dimension ähnlich wie Holz- bzw. Gipskartonplatten.

Für Diller Scofidio + Renfro sind die Arbeiten am Lincoln Center noch lange nicht abgeschlossen. 2010 etwa öffnet das Hypar Restaurant, dessen doppelt gekrümmtes, begrüntes Dach Passanten und Konzertbesucher zum Verweilen auf dem Campus einladen soll.

Stichworte:
Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2010

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