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Adrià Goula, Vora Arquitectura, Barcino, Barcelona, Römerstätte, archäologische AUsgrabungen

Ungeahnte Spuren der Römer: Museale Inszenierung in Barcelona

Im Rücken eines kommunalen Verwaltungsgebäudes an der Carrer d´Avinyó wurden bei Sanierungen archäologische Untersuchungen vorgenommen. Tatsächlich entdeckte man Überreste eines römischen Hauses, welches im historischen Barcelona direkt an der einstigen Stadtmauer erbaut wurde. Die nun freigelegten Ruinen stellen einen Schnittpunkt zwischen Geschichte und Gegenwart her, insbesondere, weil ein Teil der alten Mauer dem neuen Gebäude als statische Stütze dient. Die Funde lassen erahnen, dass es sich um einen vermögenden Haushalt gehandelt haben muss, worauf vor allem die Entdeckung einer großen Reihe von technisch qualitativen und hochwertig dekorativen Wandmalereien schließen lässt.

Vora Arquitectura standen also vor der schwierigen Aufgabe, das überbaute, römische »domus« für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen und dies in die bisherige, kommunale Nutzung zu integrieren, um die ungeahnten Schätze angemessenen museal zu inszenieren: Der Bereich mit den archäologischen Fundstücken wurde zum Ausstellungsraum. Die restlichen Nutzungen im Erdgeschoss wurden neu konfiguriert, um Räumlichkeiten zu schaffen, die sowohl für das Verwaltungsfoyer als auch für das Museum als verbindendes Glied funktionieren und einer doppelten Nutzung gerecht werden – der Verteilung sowie den Dienstleistungen des Gebäudes während der Woche und gleichzeitig dem »Vorzimmer« der historischen Erinnerungslandschaft.   

Der Zugang zur »Domus Avinyó«-Ausstellung erfolgt über eine Abfolge von aneinander gekoppelten, weißen Räumen mit rechtwinkligen Proportionen und unterschiedlichen Höhen. Jeder liegt in einer anderen Schicht des historischen Barcinos – Außenraum, Festungswall, Zwischenraum – was durch den differierenden Steinbodenbelag und flache Skulpturenreliefs hervorgehoben wird.

Der Besucher wird auf einen Rundgang mitgenommen, bei dem er die Römerstätte durchquert: In einem dunklen Tunnel führen Treppen nach oben zu einer länglich verlaufenden Plattform, die wie ein Balkon über den wiederentdeckten Fragmenten des »domus« schwebt. Ein großes Wandgemälde, das ursprünglich an der Decke des Hauses prangte, sticht aus dem schwarzen Raum hervor. Reflektierende Glasoberflächen umfassen die Aussichtsterrasse und multiplizieren das Wahrgenommene, wodurch sich die kleine museale Inszenierung optisch vergrößert. Am Ende der Besichtigung kehrt der Gast wieder zurück in das Foyer des Verwaltungsgebäudes, heraus auf die lauten, viel besuchten Straßen Barcelonas.  

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Weitere Informationen:

Museographie: Stoa
Leitende Architekten: Pere Buil, Adrià Guardiet, Toni Riba
Projektteam:
David Johnen, Joao Ávila
Ingenieur:
Eskubi-Turró Arquitectes

Baufläche: 120 m2
Fertiggestellt:
2015

Fotograf: Adrià Goula

 

 

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