You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Universal, vollendet, makellos - das Palais Stoclet


Das Palais Stoclet wurde 1905-1911 von Josef Hoffmann und der Wiener Werkstätte für den Bankier und Kunstliebhaber Adolphe Stoclet (1871-1949) und seine Frau Suzanne Stoclet in Brüssel gebaut. Seit 1976 steht es bereits unter Denkmalschutz und 2005 wurde es zum Chef d'oevre total. Nun ist es seit kurzem auch Weltkulturebe der Unesco.

Das Bauwerk, das Josef Hoffmann und die Wiener Werkstätte für Bankier und Kunstsammler Adolphe Stoclet und seine Frau, die Tochter des Kunsthändlers Arthur Stevens erbaut haben, gilt als ein Höhepunkt der Baukunst Hoffmanns und als Gesamtkunstwerk der Wiener Werkstätte.

„Universal, vollendet, makellos, enzyklopädisch ist das Palais Stoclet in Brüssel ein Hauptwerk tausendjähriger Architekturgeschichte", so Gabriele Fahr-Becker in ihrem Werk über den Jugendstil, während Friedrich Kurrent in seiner Publikation von 1991 vor allem hervorhebt: „Gemeinsam mit dem Architekten, den Künstlern und den Ausführenden ergab der selbst auferlegte kulturelle Auftrag der Stoclets eine wohl einmalige Konstellation und Symbiose. Das Palais Stoclet ist bis heute ein brauchbares Gefäß für anspruchsvolles Wohnen und gesellschaftliches Leben.“

Das Palais Stoclet - an prominenter Stelle in der Avenue Tervueren, Tervueren Laan - fällt damals, wie heute aus der Reihe der zeitgleich entstandenen Bauten. Der Wiener Stil unterscheidet sich durch seine geometrische, geordnete, das florale Ornament ablehnende Art, deutlich von den Stilen, die in Belgien durch Horta, van de Velde und Hankar vorherrschten. Der Stil Josef Hoffmanns findet nur wenig Anlehnung an andere bekannte Stile seiner Zeit. Trotz der guten Freundschaft zwischen Hoffmann und Olbrich und ihrer engen Verbundenheit mit der Wiener Werkstätte, ist das Palais auch Bauwerken seiner Zeit in Deutschland – wie der Darmstädter Mathildenhöhe oder den Bauten in Nancy oder Paris – nicht ähnlich. Ähnlichkeiten bei Olbrich und Hoffman scheint einzig der Treppenturm zu haben, den die beiden offenbar gemeinsam entwickelt haben. Vergleichbar zum Palais Stoclet ist ansonsten nur das „Haus eines Kunstfreundes“ von Charles Rennie Mackintosh.

Das Palais Stoclet wird als Gesamtkunstwerk bezeichnet. Der Architekt Josef Hoffmann hat bei Bau und Planung nicht nur das Gebäude, sondern auch die Lebensumstände der Bauherren und die große Kunstsammlung der Familie berücksichtigt. Vor allem bei der Ausstattung mit Kunst und Design hat Hoffmann die Künstler und Handwerker der Productivgenossenschaft Wiener Werkstätte miteinbezogen. Darunter auch Gustav Klimt, der unter anderem den Fries im Speisesaal, „Das Liebespaar“ in Mosaik erschaffen hat. Vom kleinsten Detail, wie einem Löffel, bis hin zur Wandgestaltung und Raumausstattung ist alles aufeinander abgestimmt, um miteinander zu korresponieren.

Auch bei der Gestaltung des Gartens war es dem Architekten wichtig ein mit dem Bauwerk und seiner Symbolik stimmiges Konzept zu erzielen. Die Form des Grundstücks ist polygonal. Das Haus nimmt den vorderen Bereich zur Straße hin fast vollständig ein. Von der Terrasse des Hauses aus scheint sich der Garten zu öffnen. Er ist ebenso Axial angelegt, wie der Grundriss des Hauses. Immer wieder werden im Garten Bereiche geschaffen, bei denen sich spannende Sichtachsen auf das Haus ergeben. So kann man durch den Garten flanieren und immer wieder neue Details entdecken. Nichts ist dem Zufall überlassen. Die heroischen Figuren auf dem Turm halten Füllhörner in den Händen. Girlanden ranken sich von der goldenen Kuppel des Turmes nach unten.

Aber auch Figuren, wie Ganesha und Buddha, oder die beiden Tänzerinnen aus der Hand des Bildhauers Luksch zeigen, dass das Haus seine ganz eigene, unverkennbare, auf die Bauherren zugeschnittene figürliche und symbolische Programmatik hat. Hierdurch wird auch der Bezug zum „Ver Sacrum“ des Secessionsgebäudes in Wien deutlich. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es hier vor allem um Empfindsamkeit, Schönheitskult und Poesie, um die neue Innerlichkeit der Kunst in sakralisierter Form, die alle drei Künste – Malerei, Plastik und Architektur – betreffen soll. Und in unmittelbarem Zusammenhang auch um die „Lebensreform“ hin zu einem mehr anthropozentrischen Leben, dennoch mit und in der Natur. Auch die lichtdurchfluteten Räume, wie das große Bad mit Entspannungsbereich, die Kinderzimmer und anderen Wohn- und Schlafbereiche des Palais Stoclet sind nach den damals neuesten Kenntnissen über gesundes Wohnen gestaltet.

Auch heute noch ist das Palais Stoclet in Familienbesitz. Seit 2002 ist es jedoch nicht mehr bewohnt. Ein Zugang für die Öffentlichkeit ist derzeit nicht möglich, wäre aber durchaus wünschenswert. Auch die Kunstsammlung der Familie Stoclet ist immens und verfügt über zahlreiche seltene Stücke. Lange Zeit wurden auch am Aussenbau keine Arbeiten erledigt, die dem Erhalt dieses Gesamtkunstwerkes dienten. Wer sich aber gerade in Brüssel aufhält, wird erstaunt sein. Derzeit scheinen Sanierungsmaßnahmen am Aussenbau durchgeführt zu werden. Der Treppenturm ist eingerüstet. Vielleicht ist es bald möglich, sich das universale, vollendete, makellose Palais Stoclet einmal genauer anzuschauen.

Stichworte:
Aktuelles Heft
DETAIL 9/2018
DETAIL 9/2018, Schulen

Konzept: Schulen

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.