You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken
Fotos: Hannes Henz

Variation im Quadrat: Schulhaus in Bonstetten

Was alle begehren, wird irgendwann rar: So ist es auch mit dem freien Blick in die Natur im zersiedelten Umland von Zürich. Immerhin die Kleinkinder und Primarschüler von Bonstetten genießen dieses seltene Gut derzeit noch. Die Gemeinde liegt knapp 10 Kilometer südwestlich der Schweizer Metropole und ist von ihr durch den Züricher Hausberg, den Uetliberg getrennt. An sich ist das Schulzentrum am Südrand des Ortsteils Schachen architektonisch nicht der Rede wert – mit einer Ausnahme: Das unlängst fertig gestellte Schulhaus »Schachenmatten IV« von Peter Moor überzeugt mit formaler Stringenz und trotz seiner äußeren Kompaktheit mit einer feinen Abstufung offener und intimerer Außen- und Innenräume.

Der quadratische Neubau steht an einer Hangkante am Südende des Schulgeländes. Östlich davon führt eine Ausfallstraße vorbei, im Westen öffnet sich der Blick über Sportplätze und Felder in den Talgrund. Der Topografie folgend, ist das Haus im Westen drei- und im Osten zweigeschossig, wobei der Ostflügel auf der unteren Ebene einen eineinhalbgeschossigen Musiksaal beherbergt. Im Mittelgeschoss des Westflügels ist ein zweigruppiger Kindergarten untergebracht, während der östliche Teil des Hauses und das gesamte Obergeschoss der Primarschule vorbehalten sind.

Die Kita-Gruppenräume und Klassenzimmer liegen durchweg in den Gebäudeecken und erhalten dadurch Tageslicht aus zwei Richtungen. Schiebetüren verbinden die Klassenzimmer mit dazwischenliegenden, kleineren Gruppenräumen. Öffnet man sie, ergibt sich eine Raumflucht, die über die ganze Gebäudelänge reicht. Neben den Gruppenräumen, dem Innenhof zugewandt, ließen die Architekten offene Bereiche für das individuelle Lernen anlegen, die sich auch als Pausenräume nutzen lassen.

Mehrere Horträume im Untergeschoss, in denen die Kinder auch außerhalb der Schulzeiten betreut werden, komplettieren das Raumkonzept. Letztere sind unmittelbar an die Spielwiese vor dem Haus angebunden, sodass die Kinder auf direktestem Weg ins Freie gelangen.

Um den jungen Nutzern des Gebäudes ein Maximum an Tageslicht zur Verfügung zu stellen, sind stattliche 60 Prozent der Fassadenfläche verglast. Nur in der Nordfassade reduziert sich der Fensteranteil auf etwa 40 Prozent; die übrigen Fassadenflächen sind größtenteils mit dunkel geöltem Tannenholz verkleidet. Die Fenster (die zum Innenhof geschosshoch und an den Außenfassaden mit Brüstungen versehen sind) lassen sich mit Schiebeläden aus Metallrahmen und Holzlamellen verschatten. Für die Lamellen wählten die Architekten aus Gründen der Festigkeit und Witterungsbeständigkeit FSC-zertifiziertes Mahagoniholz. Je ein bis zwei Verschattungselemente pro Fensterfläche sind unbeweglich; dahinter öffnen sich kleinere Lüftungsflügel in der Fassade. Die großen Fenster sind dagegen fest verglast.

Das Schulhaus ist ein Massivbau mit tragenden Innenwänden und einem aussteifenden Betonkern. Die vorfabrizierten Fassadenelemente sind hingegen allesamt nichttragend – das gilt auch für die auskragenden Deckenränder und die geschosshohen Betonfertigteile an den Fassaden, die der Komposition aus Fensterflächen, holzverkleideten Brüstungen und Schiebeelementen formalen Halt verleihen. Die Betontafeln sind nur punktuell am Rohbau rückverankert und tragen ihre Eigenlasten nach außen ab.

Mit Dreifachverglasung, kontrollierter Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einer Photovoltaikanlage entspricht der Neubau aktuellen Anforderungen an die Energieeffizienz. Auch gesundheitliche Aspekte wurden berücksichtigt, der Schallschutz und die Tageslichtversorgung optimiert – mit dem Ergebnis, dass das Gebäude die Schweizer Minergie-Eco-Zertifizierung erhielt. Zur Wärmversorgung ist das Schulhaus an das örtliche Fernwärmenetz angeschlossen und wird über eine Fußbodenheizung beheizt.

Kurze Werbepause

weitere Informationen:

Holzbauingenieur: Timbatec Holzbau Ingenieure Schweiz, Zürich
Elektroingenieur: R+B engineering, Chur
HLKS-Ingenieur: Gerber+Plüss Haustechnik GmbH, Volketswil
Bauphysiker: Raumanzug GmbH, Zürich
Landschaftsarchitektin: Barbara Holzer, Zürich
Landschaftsarchitekt: Daniel Schläpfer, Zürich

Aktuelles Heft
DETAIL 7+8/2018
DETAIL 7+8/2018, Urbane Räume

Urbane Räume

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.