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Foto: Jannes Linders

Vertical farming im Kongresszentrum: ‘Amtrium’ von Benthem Crouwel in Amsterdam

Vermutlich musste solch ein Neubau einfach in Europas Gewächshausland Nummer 1 entstehen. Das „Amtrium“– ein 9000 Quadratmeter großer Neubau – ist die jüngste Erweiterung des Messe- und Kongresszentrums RAI im Süden Amsterdams. Neben Büroräumen und Kongresssälen umfasst es ein öffentlich zugängliches Restaurant, auf dessen Speisekarte künftig – so die Vorstellung der Architekten – auch Tomaten und Gurken aus dem gebäudeintegrierten Gewächshaus stehen sollen.

Letztere wachsen in 90 Blumenkästen und an 270 Rankdrähten in einem verglasten Pufferraum, der dem Neubau im Süden vorgelagert ist. Langfristig sollen sie den angrenzenden Büroräumen Schatten spenden und durch ihre Verdunstungskühle zu deren Klimatisierung beitragen. Bewässert werden die Nutzpflanzen vorwiegend mit Regenwasser vom Gebäudedach.

Das Glashaus dient als Erschließungszone des Neubaus und beherbergt Aufzüge und Treppen. Der Rest des Baukörpers gliedert sich der Höhe nach in drei Zonen: In dem sockelartigen Erdgeschoss sind der Empfang, ein in zwei Räume teilbarer Kongresssaal sowie ganz im Norden das Restaurant samt Dachterrasse untergebracht. Das ebenfalls verglaste erste Obergeschoss beherbergt weitere Besprechungsräume sowie die Betriebskantine, darüber schließen sich drei Bürogeschosse an. Sie werden durch vertikale, siebbedruckte Glaslamellen vor zuviel Sonne geschützt.

Drei vertikale Lufträume für Erschließung und Belüftung

In dem scheinbar so einfachen Baukörper verbirgt sich jedoch ein komplexes Raumgefüge, in dem neben dem Gewächshaus zwei weitere Lufträume die Geschosse verbinden: zum einen ein zweigeschossiges Foyer hinter dem Eingang und zum anderen ein dreigeschossiges Atrium in der Gebäudemitte. Letzteres dient vor allem der natürlichen Belichtung der Büroebenen. Außerdem führt es die verbrauchte Luft aus den Büros ins Freie ab.

Auch das Treppen- bzw. Gewächshaus an der Südfassade erfüllt maßgebliche Funktionen im Lüftungs- und Klimakonzept. Zum einen entlüftet es die Kongressräume im Erdgeschoss und wärmt zum anderen im Winter die Zuluft für die Büros vor. Auch eine Befeuchtung der trockenen Luft ist im Winter nicht notwendig – dies übernehmen ebenfalls die Pflanzen.

Im Sommer wäre die über das Gewächshaus einströmende Luft zu warm. Dann kommen Ventilatoren an anderen Stellen des Gebäudes zum Einsatz, um kühle Luft ins Gebäude zu lassen. Ein intelligentes Messsystem im Treppenhaus schliesst automatisch die Schotten an der Südfassade, wenn es zu warm wird.

Überschüssige Wärme aus den Räumen wird im Sommer in einem unterirdischen Speicher gespeichert und steht im Winter wieder zur Gebäudeheizung zur Verfügung. Darüber hinaus ist das Gebäude mit einem Blockheizkraftwerk ausgestattet.

Das Klimasystem trug unter anderem dazu bei, dass das ‚Amtrium’ als erstes Kongressgebäude in den Niederlanden für sein Entwurfskonzept das Nachhaltigkeitslabel „BREEAM-NL Excellent“ erreicht hat. Außerdem erhielten die zuständigen TGA-Planer vom Büro Nelissen im März 2015 den „Vernufteling Award 2015“ der niederländischen Ingenieursvereinigung für ihr Klima- und Energiekonzept. Der Name des Preises hat im Übrigen nichts mit „vernünftig“ zu tun, auch wenn das Gebäude dieses Attribut vielleicht verdient hat: Er steht im Niederländischen vielmehr für „einfallsreich“.

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