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Vitruv unter Strom

Auf dem Campus der FH Potsdam ist ein neuer Solarpavillon entstanden. Er soll vor allem eines unterstreichen: Gute Architektur und gebäudeintegrierte Photovoltaik sind kein Widerspruch in sich, sondern können tatsächlich eine gestalterisch und technisch überzeugende Synthese bilden.

Solarpavillon auf dem Campus der FH Potsdam
schnepp + renou/Odersun AG

Der eingeschossige, knapp 35 Meter lange und 7,35 Meter breite Gebäuderiegel steht am östlichen Rand des neu entstandenen Campus der Fachhochschule Potsdam. Er soll vor allem als Ort der Kommunikation und Präsentation genutzt werden – und das, so darf man unterstellen, vorwiegend in der warmen Jahreszeit. Denn die Fassade aus Glas und Photovoltaik-Modulen bildet keinen wirkliche thermische Barriere, sondern lediglich eine diaphane, licht- und luftdurchlässige Gebäudehülle.

Solarpavillon auf dem Campus der FH Potsdam
schnepp + renou/Odersun AG

Der Begriff „klassisch“ trifft sowohl die Bauaufgabe, der sich Ortner & Ortner hier stellten, als auch den gestalterischen Ausdruck des Neubaus. Dass die Architekten aus Wien und Berlin den Auftrag für den Pavillon erhielten, ist kein Zufall. Manfred Ortner bekleidet seit 1994 eine Professur für Entwerfen an der Fachhochschule. Auf den ersten Blick scheinen die rund 1x4 Meter hohen Glaselemente der Fassade mit den darin integrierten Dünnschicht-Photovoltaikmodulen das Dach zu tragen. In Wirklichkeit verbirgt sich dahinter jedoch ein Betonskelettbau. Dennoch sind die schwarzen Module des Herstellers Odersun der Blickfang des Gebäudes. Insgesamt 146 Quadratmeter Dünnschichtmodule sind umlaufend an den vier Gebäudeseiten angebracht. Von außen wirken sie homogen schwarz, von innen überraschen sie jedoch mit ihrer kupferfarbenen Rückseite.

Die Dünnschichtmodule sind in Verbundsicherheitsgläser aus je vier Scheiben integriert. Der Scheibenaufbau von außen nach innen: 6 mm ESG-H/Folienzwischenlage/4 mm ESG/Solarzellen in Folie/4 mm ESG/Folie/8 mm ESG-H. Die beiden äußeren Scheiben sind mit einem grauschwarz-emaillierten Randdruck versehen. Gehalten wird die Verglasung von pulverbeschichteten Stahlrahmen, die oben und unten über je zwei Befestigungspunkte mit dem Rohbau verbunden sind. Rahmen und Module sind gleichermaßen Sonderanfertigungen, die an die Gebäudemaße angepasst wurden. Insgesamt wiegt jedes Fassadenelement samt Rahmen rund 400 Kilogramm.

Dünnschichtmodule
schnepp + renou/Odersun AG

Weder auf der Vorder- noch auf der Rückseite der Module ist irgendeine Verschaltung oder Verkabelung zu sehen. Die Kabelführung und die je zwei Randanschlussdosen pro Modul sind im Rahmen integriert. Durch zwei Auslässe an der Oberseite jedes Elements wird die Verkabelung weiter in die Decke geführt.

Im Gegensatz zu kristallinen Solarzellen, die für Nordfassaden untauglich sind und tunlichst nicht verschattet werden sollten, sind die hier verwendeten Dünnschicht-Photovoltaikmodule für die Anwendung „ringsum“ an Gebäudefassaden prädestiniert. Sie liefern auch bei diffusem Licht noch passable Erträge; ferner verlieren sie bei einer Teilverschattung immer nur den tatsächlich verschatteten Teil ihrer Gesamtleistung.

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