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Vom Betonbrutalisten zum Vorzeigeöko

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Vor der Sanierung
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Foto: Nach der Sanierung

Das Stadtbild des beschaulichen Städtchens Winchester, Hauptstadt der südenglischen Grafschaft Hampshire, ist neuerdings wieder harmonischer. Der in den 60er Jahren erbaute Elizabeth II Court, Sitz des Grafschaftsrats von Hampshire, glänzt nach einer umfassenden Sanierung nicht nur mit seiner neuen Backsteinfassade, sondern auch mit einer beeindruckenden Energiebilanz.

Bennetts Associates Architects sahen sich zu Beginn der Planung einer schwierigen Aufgabe gegenüber: Ein riesiges marode Gebäude mit brutalistischer Betonfassade sollte den veränderten Bedürfnissen seiner Nutzer angepasst werden. Aber zusammen mit den Fachplanern von Ernest Griffiths Consulting Engineers schafften es die Architekten, dass das einst uneffiziente und wenig nutzerfreundliche und Gebäude nun Anwärter auf die bestmögliche Klassifizierung im BREEAM-System ist.

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neu gestalteter Innenhof

Über zwei Jahre dauerte der zweiphasige Umbau des 23.600 Quadratmeter großen Gebäudes. Um den festungsartigen und abweisenden Elizabeth II Court besucherfreundlicher zu gestalten, entfernten Bennetts Associates Architects einen Parkplatz mit 250 Stellplätzen vom Dach des Gebäudes und ordneten hier einen weithin sichtbaren Haupteingang an. Ein zentraler Erschließungsweg durch das Gebäude und verbindet den Eingang mit den Bürozonen und den neuen öffentlichen Bereichen, Rezeption, Auditorium, Café, Restaurant und Besprechungsräumen, die sich zu den umgestalteten Innenhöfe hin orientieren.

In den nach dem Umbau offenen Bürobereichen erinnert nichts mehr an die ehemals endlosen Korridore mit ihren angrenzenden Bürozellen. Die flexiblere und modernere Infrastruktur ermöglicht zudem eine deutlich effizientere Nutzung des Gebäudes. Nach dem Umbau gibt es nun Platz für 1.100 statt nur 600 Mitarbeiter. Trotzdem wirken die Arbeitsbereiche großzügig und anregend, Tageslicht und farbige Akzente schaffen hier eine frische und anregende Atmosphäre.

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Büros vor der Sanierung
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Büros nach der Sanierung

Ähnlich erfolgreich wie die strukturellen und gestalterischen Veränderungen, ist das Niedrigenergiekonzept, auf dem die neue Haustechnik aufbaut. Obwohl Architekten und Haustechniker mit einer schwierigen Gebäudeausrichtung und der maroden Substanz des Gebäudes konfrontiert waren, gelang es ihnen, die CO2 Emissionen um 70 Prozent zu verringern. Der CO2-Ausstoß konnte von 90kg/m2 pro Jahr auf maximal 30kg/m2 pro Jahr reduziert werden, so dass der sanierte Elizabeth II Court mit der Energieeffizienz aktueller nachhaltiger Büroneubauten in Großbritannien konkurrieren kann. Die Unterhaltskosten für das Gebäude verringerten sich durch die Sanierung um 200.000 Pfund Sterling pro Jahr.

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Ein wichtiger Aspekt des Energiekonzepts ist die überwiegend natürliche Belüftung des Gebäudes. Für die Straßenseiten, an denen die Fenster wegen des Verkehrslärms nicht geöffnet werden können, entwickelten Ernest Griffiths Consulting Engineers ein System, das Luft von den Innenhöfen über die Bodenplatten einzieht und diese dann durch kaminartige Kanäle in der Straßenfassade abführt. Am oberen Ende dieser Kanäle befinden sich „Wind-through“ genannte Vorrichtungen, die das System antreiben, indem sie mithilfe von Windenergie eine Sogwirkung erzeugen.

Die neuen verklinkerten Straßenfassaden fügen sich nicht nur besser in das historische Stadtbild Winchesters ein, sie sind auch Teil des Energiekonzepts und sorgen für Sonnenschutz sowie eine verbesserte Tageslichtnutzung.
Im Winter wird die Abwärme der Kühlanlage des im Gebäude untergebrachten Rechenzentrums zur Beheizung genutzt. Weitere Aspekte des Energiekonzepts sind ein intelligentes Beleuchtungssystem, die Nutzung der vorhandenen Betonkassettendecke als thermisch aktive Masse sowie die neue energieeffiziente Gebäudehülle. Obwohl sich die Zahl der Nutzer des Gebäudes nach der Sanierung nahezu verdoppelte, blieb der Wasserverbrauch aufgrund wassersparender Armaturen, die in den Sanitätsbereichen installiert worden sind, konstant.

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Straßenfassade vor der Sanierung
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Straßenfassade nach der Sanierung

Angesichts der reduzierten Betriebsenergie fiel die für die Konstruktion aufgewendete Energie stärker ins Gewicht. Indem sie das Betonskelett und die Fundamente des Bestandgebäudes beibehielten und für die Fassade Ziegel aus lokaler Produktion sowie ein Holzfenstersystem verwendeten, verringerten Bennetts Associates Architects die „graue“ Energie im Vergleich zu einem gleichwertigen Neubau um 50 Prozent.

Die Sanierung des Elizabeth II Court hat zudem eine Vorbildfunktion. Julian Lipscombe, einer der Verantwortlichen von Bennetts Associates sagt dazu: „Es gibt noch unzählige ähnliche Gebäude überall in Großbritannien – und wir können nicht so weitermachen wie bisher und sie alle abreißen.“

Projektbeteiligte
Bauherr: Hampshire County Council
Architekt: Bennetts Associates, London und Edinburgh
TGA: Ernest Griffiths Consulting Engineers
Projektmanager: Mace group Ltd.
Cost Consultant: Davis Langdon
Generalunternehmer: BAM
Städtebauliche Beratung: Colliers CRE
Akustik: Arup Acoustics

zur Website Bennetts Associates Architects
zur Website Ernest Griffiths Consulting Engineers

Stichworte:
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