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Wolfgang Zeh, Interview

Vom Planen mit der Säge in der Hand: Interview mit Wolfgang Zeh

Wie kamen Sie dazu eine 3 m breite Baulücke in Köln- Ehrenfeld zu bebauen, was reizte Sie an der Aufgabe?

Das Grundstück war auf einem Immobilienportal zum Verkauf angeboten. Meine Frau und ich hatten damals gerade zwei Jahre in Köln gelebt und noch keine Vorstellung davon, wie wir einmal wohnen möchten. Aber die Möglichkeit für uns selbst ein Haus mitten in der Stadt zu bauen, das war schon reizvoll. Das dies nicht das Haus sein wird, in dem wir bis an unser Lebensende wohnen werden und das wir dann ein Leben lang abbezahlen müssen, war auch klar. Bald wussten wir auch, dass dieses Projekt nur in der Personalunion von Bauherr/Architekt und Handwerker möglich ist.

Ist es nicht eine komplexe Aufgabe, ein solch schmales Grundstück zu beplanen?

Die Schwierigkeit war nicht die Breite des Grundstücks. 7 m bebaubare Tiefe, das war die Herausforderung! Wegen der Abstandsflächen musste das Haus nach oben hin zurückspringen, die Räume wurden dadurch kleiner, der oberste Raum misst gerade einmal 3 x 3 m. Über den Knickpunkt der östlichen Brandwand war die Gebäudehöhe auf 14,50 m beschränkt. Höher durfte das Haus nicht werden.
Pro Ebene gibt es einen Raum. Die zentrale Frage war: Wie können die Räume miteinander verknüpft werden? Versucht man ein Split Level, stellt man bald fest, dass die dazwischenliegende Treppe die Räume sehr klein werden lässt. Es galt also, eine kluge Treppe zu entwerfen. Die Gliederung des Raumprogramms war schnell klar: Unten der Eingangsbereich und das Büro, in der Mitte die Privaträume – Schlafzimmer mit Bad und Kinderzimmer – und oben – mit Blick über die Stadt und die Bahngleise – Kochen und Wohnen; keine klassische Stapelung von öffentlich zu privat, sondern eine Gruppierung, die kurze Wege möglich macht.

Bei einem Raum pro Ebene wären das sechs Geschosse. Wie schafften Sie es, alles in einer Gebäudehöhe von 14,50 m unterzubringen?

Baurechtlich hat das Haus drei Geschosse mit jeweils einer Empore. Normalerweise ist für Aufenthaltsräume eine lichte Höhe von 2,40 m gefordert; unter und über Emporen reichen aber 2,20 m. Das funktioniert nur, weil es immer wieder einen höheren Raumzusammenhang gibt und jeder Bereich vorne mehr als die doppelte Höhe hat. Es brauchte seine Zeit, bis das Bauamt das auch so gesehen hat. Am Ende hat die Planungsphase drei Jahre gedauert.

Wie sind denn die brandschutzrechtlichen Bestimmungen?

Das Haus ist Gebäudeklasse 4. Die Brandschutzanforderung an die Geschossdecken ist deshalb F90. Weil die Treppe aber innerhalb einer Wohneinheit liegt, hat sie keine Anforderungen, sie hätte auch aus Holz sein können. Irgendwie Unsinn! Da jede zweite Ebene eine Empore ist, brauchte ich dort auch keinen zweiten Rettungsweg. Ein Fenster pro zwei Etagen für die Feuerwehr zum Anleitern war ausreichend. Und es waren vernetzte Rauchmelder gefordert.

Welchen Einfluss hatte ihre Eigenleistung auf das endgültige Resultat?

Das Planen auf der Baustelle mit der Säge in der Hand ruft oft unkonventionelle Lösungen hervor. Die Fassade habe ich erst entworfen, als der Rohbau schon stand. Das hat Elemente zur Folge wie die Außenschiebetür im Schlafzimmer, die vor der Betonbrüstung läuft und die als Überzug statisch notwendig ist. Aber auch ganz tolle Lösungen sind auf diese Art entstanden: Das Geländer war nicht etwa bereits in LPH5 geplant; es wurde erst entwickelt, als alle Räume fertig waren. Dann jedoch in einer Funktion, auf die man vorher nicht gekommen wäre: Das raumhohe Geländer ist gleichzeitig ein Regal. Man entwickelt einfach andere Lösungen, wenn man sich Zeit lässt. Es muss nicht alles bereits in der Vorentwurfsphase fertig überlegt sein! Die Gestaltung eines Gebäudes ist ein Prozess. Ich bin nie zufrieden. Und Zufriedenheit ist auch nicht das Ziel. Man muss beweglich bleiben und Entscheidungen dann treffen, wenn sie notwendig werden.

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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2020
DETAIL 4/2020, Nachverdichtung

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