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Vitra, Barber & Osgerby, Möbel, Sitzmöbel, Innenausbau, Büromöbel

Vom Sitzen und Arbeiten. Von Kreativität und Bewegung. Barber & Osgerby im Gespräch.

Der moderne Mensch arbeitet an den ungewöhnlichsten Orten – in Cafés, an Flughäfen, in Hotel-Lobbys oder im Park. Durch die wachsende Mobilität und die hochtechnisierten Kommunikationsmöglichkeiten verschmelzen Büro und öffentlicher Raum zunehmend. Die Strukturen der sich stetig verändernden Arbeitswelt sind geprägt von maximaler Flexibilität, örtlicher Ungebundenheit und dem Streben nach individuellem Wohlbefinden. Mit dem Sitzsystem Soft Work für Vitra haben die Designer Edward Barber und Jay Osgerby diese Entwicklungen aufgegriffen und eine flexible, modulare und gleichzeitig ergonomische Arbeitsumgebung gestaltet. Ein Interview mit dem erfolgreichen Design-Duo, das mit seinen präzisen Entwürfen den Bedürfnissen der Nutzer mit zurückhaltender und dabei sehr formschöner Gestik entspricht.

Sie beide haben Architektur studiert – hat Sie das dazu inspiriert, mit Soft Work einen Raum im Raum zu schaffen?
Das hat uns sicherlich inspiriert, ja. Mit Soft Work beschäftigen wir uns sogar sehr intensiv mit dem Thema Raum: Immer häufiger werden öffentliche Räume als Arbeitsumgebungen genutzt und die Entwicklung geht – insbesondere aufgrund der mobilen Kommunikationstechnologie – weg von festen Arbeitsplätzen hin zum ortsunabhängigen Arbeiten. Gleichzeitig werden Büros zu öffentlichen Räumen, indem viele Unternehmen versuchen, inspirierende Orte zum Arbeiten zu schaffen: Räume für den informellen Austausch und in denen Kreativität und Ideen entstehen können. Die ortsunabhängige Arbeitsweise führt allerdings auch dazu, dass die Leute ihre Laptops auf dem Sofa sitzend, ständig auf der Suche nach Steckdosen und Ablageflächen, auf den Knien balancieren – aus ergonomischer Sicht nicht gerade die ideale Art zum Arbeiten.

Inwiefern begegnet Soft Work den veränderten Arbeitsbedingungen?
Bisher passt die Ausstattung der Unternehmen oft nicht zu der neuen Art zu arbeiten. Mit Soft Work wollten wir eine bequeme »Workstation« gestalten, die langfristig den herkömmlichen Arbeitsplatz ersetzen kann. Wir haben eine Sitzlandschaft geschaffen, die ein bisschen wie Lego funktioniert, die individuell angepasst werden kann und so eine Vielzahl an Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Neben einer ergonomischen Sitzgeometrie – die Sitzhöhe ist die normale Stuhlhöhe – gibt es eine Reihe von funktionalen Elementen, die das Arbeiten erleichtern: Bewegliche Tische erlauben verschiedene Sitz- und Arbeitspositionen, nach oben schwenkbare Steckdosen erleichtern das Laden elektronischer Geräte, optionale transluzente Trennwände schaffen verschiedene Zonen oder Rückzugsorte. Außerdem gibt es gerade sowie geschwungene Elemente, die mit unterschiedlichen Bezügen in vielen Farben beliebig miteinander kombiniert werden können. Und mit den Sitzkissen und den flexiblen Rückenlehnen kann man eine ganze Weile komfortabel sitzen und arbeiten.

Eine schöne Art zu arbeiten. Sieht so das Büro der Zukunft aus?
Durch den modularen Aufbau lassen sich die Innenräume je nach Arbeitssituation sehr vielseitig definieren, spezifische Fokusbereiche schaffen oder auch flexible öffentliche Räume schaffen. Wir glauben tatsächlich daran, dass das Büro der Zukunft so aussehen wird – ohne festen Schreibtisch, individuell angepasst an verschiedenste Nutzungs- und Raumbedürfnisse. Soft Work ist unsere Antwort auf die Veränderungen, die durch neue Technologien hervorgerufen wurden. Es gibt nichts, was man mit dem System nicht tun kann – man braucht eigentlich keine weiteren Möbelstücke mehr.

Ist Soft Work eher für junge Unternehmen, für Start-ups oder kreative Branchen konzipiert oder wird es auch in konservativeren Branchen Anwendung finden?
Wir haben festgestellt, dass beinahe jedes Büro heute »Soft Seating Areas« für informelle Meetings hat – ob Finanzunternehmen oder PR-Agentur. Selbst in konservativeren Unternehmen ist das Interesse auf jeden Fall da – auch wenn es sicherlich einige Jahre dauern wird, bis sich diese Art zu arbeiten wirklich durchgesetzt hat.

Aber durch die zunehmende Nutzung von Laptops und die hohe Anzahl an Mitarbeitern wird die Ausgestaltung flexibler Arbeitsplätze gerade auch in großen Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Natürlich wird es immer Leute – wie z.B. Architekten – geben, die für ihre Arbeit fest installierte große oder auch mehrere Bildschirme brauchen. Aber auch diese schreiben vielleicht zwei Stunden pro Tag E-Mails – und in dieser Zeit kann man seinen Arbeitsplatz durchaus wechseln.

Seit dem Design des Tip Ton Chairs für Schulen ist das Thema Bewegung im Arbeitsumfeld ein Thema in Ihrer Gestaltungsarbeit – bleibt der Fokus in der gestalterischen Arbeit?
Das Thema Bewegung ist uns schon seit einer Weile sehr wichtig. Am Anfang des Gestaltungsprozesses steht bei uns häufig die Beobachtung von Situationen, die wir mit unserem Design gerne verbessern würden. Zum Beispiel haben wir den Tip Ton Chair entworfen, nachdem wir beobachtet hatten, dass Teenager in der Schule immer noch auf unangemessenen und vor allem unbeweglichen Stühlen sitzen müssen. Mit Soft Work ging es uns ähnlich: Die Laptop-balancierenden Leute in den Hotel-Lobbys haben uns zu dem Design inspiriert – wir wollten einfach eine bessere Lösung finden. Und, ja: Der Trend zur echten Bewegung löst nicht nur den festen Arbeitsplatz, sondern auch den Wechsel zwischen der Arbeit im Sitzen und Stehen ab. Man sollte zukünftig die Möglichkeit haben, die Arbeitsumgebung zu wechseln und zwischendurch herumzulaufen. Wir werden zukünftig sicherlich weitere Module wie zum Beispiel Aufbewahrungselemente entwerfen, zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Nutzer. Das Thema wird uns also auf jeden Fall noch eine Weile beschäftigen.

Die zunehmende Flexibilität ist eines der großen Themen unserer heutigen Gesellschaft – nicht nur der Arbeitswelt...
Wir setzen uns hier tatsächlich nicht mit einem zukünftigen Problem, sondern mit einem bereits hochaktuellen Thema auseinander. Mit Soft Work haben wir eine, wie wir finden, sehr sensitive Lösung im Arbeitsbereich gefunden. Wahrscheinlich wird es einige Jahre dauern, bis derartige Arbeitsumgebungen gänzlich in der Arbeitswelt verankert sein werden – so ist das mit allen neuen Dingen. Aber es gibt viele Anzeichen, die uns zeigen, dass wir in die Richtung denken.

www.vitra.com

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