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Von der Raumgestaltung zur Architektur – Stoffe in neuen Materialkombinationen

Erweiterung des Firmensitzes durch Volker Staab
Die Erweiterung des Firmensitzes durch Volker Staab wurde 2010 fertiggestellt. Die Fassaden ­erinnern an plissierte Stoffe und nehmen damit ­einen deutlichen Bezug zum Unternehmen. Foto: Marcus Ebener, D-Berlin
Nya Nordiska ist nach wie vor in Familienbesitz. DETAIL traf Remo Röntgen, einen der Geschäftsleiter, in Dannenberg.

Unter Architekten hat es sich spätestens seit den umfangreichen Veröffentlichungen über die Erweiterung des Dannenberger Firmensitzes durch Volker Staab herumgesprochen: der Stoffverlag Nya Nordiska Textiles GmbH hat neben den über 700 Dekorations- und Möbelbezusstoffen der Nya Textiles Kollektionen einen bemerkenswerten Mehrwert zu bieten – im Wendland spricht man die Sprache des Architekten. Diese, nennen wir es Zweisprachigkeit, das technische und ästhetische Know-how sowie das Verständnis für zeitgemäße Architektur, erklärt sich aus der Geschichte der Inhaberfamilie Hansl-Röntgen, in die Geschäftsleiter Remo Röntgen immer wieder gerne Einblick gewährt. Firmengründer Heinz Röntgen hatte in jungen Jahren in Schweden gelebt und gearbeitet, wo er fast unweigerlich mit modernem Design und Architektur in Berührung gekommen war. Eine Attitüde, die er kontinuierlich in sein eigenes Unternehmen hineingetragen hat. Schon bei der ersten Erweiterung des Firmensitzes 1996 durch den Hamburger Architekten Michael Wagenhöfer war er beteiligt gewesen. Für die 2010 fertiggestellten Ergänzung im historischen Ortskern von Dannenberg ließ sich die Familie von der Schwiegertochter – einer Architektin – überzeugen, einen eingeladenen Wettbewerb mit vier bekannten Architekturbüros durchzuführen. Volker Staab konnte ihn mit seinem sensiblen Entwurf sehr schnell für sich entscheiden. Seine Neubaukörper fügen sich in Kubatur und Farbigkeit harmonisch in die gewachsene Struktur ein und spielen in ihrer Fassadengestaltung obendrein geschickt mit dem für Nya so charakteristischen Motiv plissierter Stoffbahnen. Die Innenräume sind hell und luftig, gewähren die unterschiedlichsten Ein- und Ausblicke und bilden somit eine anregende Arbeitsatmosphäre und stimmige Kulisse für die eleganten bis farbenfrohen Kollektionen.

Auch der aktuelle Messestand stammt aus der ­Feder von Volker Staab. Der prominente Einsatz von Nya Walls weist den Weg, wohin sich das ­Unternehmen in den nächsten Jahren entwickeln möchte. Foto: Stefan Schilling, D-Köln

Aus der intensiven Zusammenarbeit, während der auch die klassischen Zeit- und Kostenprobleme erfolgreich gelöst werden konnten und viel Engagement in saubere Detaillösungen investiert wurde, ist eine Freundschaft entstanden. Und so war Familie Hansl-Röntgen nicht verlegen, den inzwischen prominenten Architekten um einen Entwurf für einen Messestand unter dem Motto »Nya heißt neu« zu bitten. Eine völlig neue Planungsaufgabe für Volker Staab, der er sich mit gewohntem Engagement gerne widmete. Premiere feierte der Entwurf Anfang 2012 auf den beiden wichtigsten Interieurmessen Heimtextil in Frankfurt und Maison & Objet in Paris. Gezeigt wurden alle drei Kollektionslinien des Unternehmens in einer Standarchitektur, die aus drei unterschiedlich textuierten und verschieden gebogenen Zylindern geformt wird. »Die zunehmende Erweiterung unseres Produkt­spektrums in Richtung räumlicher Gestal­tungskonzepte erforderte auch eine neue Präsentationsfläche für den Messeautritt«, erläutert Remo Röntgen den neuartigen Einsatz der Nya Walls-Paneele im Standkonzept von Volker Staab.

Plissees gehören zu den Kernkompetenzen. So wurde neben zwei anderen Designs der Stoff ­»Tiziano« als Matrize für Nya Walls ausgewählt.

Stoff wird in Zukunft weit mehr sein als Möbelbezug, als Vorhang, als Dekoration. Aufgrund der vielen schallharten Materialien, welche die Architektur heute oft prägen, findet Stoff zunehmend Eingang in Gestaltungskonzepte von Planern und Innenarchitekten. Die hochtechnisierten Gewebe überzeugen nicht nur optisch und haptisch, sondern übernehmen auch Zusatzfunktionen, insbesondere im Bereich der Raumakustik. Mit der Entwicklung von »Nya Walls« geht das Unternehmen jedoch noch einen deutlicheren Schritt in Richtung Architektur. Hervorgegangen ist das Produkt aus Studien für die Automobilindustrie. Die Paneele zur Wandgestaltung in den Abmessungen 92 x 72 cm stellen einen ungewöhnlichen Ansatz für den Einsatz von Stoffen in Verbindung mit anderen Werkstoffen dar. Allerdings handelt es sich nicht um eine echte textile Oberfläche, sondern um die Abformung derselben durch ein patentiertes Gussverfahren auf einem mit Mikrohohlglaskugeln gefüllten Polyurethan-Träger. Abhängig von der Reliefstruktur besitzem die Paneele eine Stärke von 5 bis 11 mm und ein Gewicht von ca. 3 kg. Gemeinsam mit dem Architekturbüro Blocher Blocher Partners aus Stuttgart präsentierte der Entwicklungspartner von Nya Nordiska das Produkt erstmals für das Retaildesign von Hugo Boss. Infolge dieser ersten Referenz wurde Nya Walls im letzten Jahr in einer anderen Materialität für den Objektbereich weiterentwickelt und wird gerade zertifiziert. 3 Dekore und 10 metallische Farben stehen momentan zur Auswahl. Obwohl das Produkt in erster Linie als Wandverkleidung für den Einsatz im Innenraum konzipiert ist, wird es bei Hugo Boss auch in einer modifizierten Variante aus Beton eingesetzt. Dieser Einsatzbereich könnte mit einem neuen Kooperationspartner in Serie umgesetzt werden. Auch die gebogene Version, die am Messestand verwendet wurde, stellt eine Weiterentwicklung dar, mit der zusätzliche Einsatzgebiete erschlossen werden konnten.

Fasziniert von neuen Möglichkeiten, die in der Kombination von Textil mit anderen Materialien zu stecken scheinen, führten auch zwei Projekte in Zusammenarbeit mit David Chipperfield zu einer interessanten Produktneuentwicklung. In der Praxis des renommierten Sportmediziners Müller-Wohlfahrt in München bestimmen hochwertige Materialien das edle Ambiente, darunter zweischalige Glastrennwände. Zwischen den beiden Scheiben liegt ein Stoff, der einerseits für Sichtschutz sorgt, andererseits die optische Kühle des Materials Glas etwas zurücknimmt. Auch in Flagship-Stores von Rena Lange in München und Frankfurt wurde ein solcher »Stoff-Glas-Verbund« als Gestalt­ungselerment eingesetzt. Mit Saint-Gobain Glass Solutions hat Nya Nordiska jetzt einen starken Partner ge­funden, der das Produkt zur allgemeinen Marktreife weiterentwickelt hat. Angeboten wird ein Standardprogramm mit Stoffen aus der vielfach prämierten Metallic-Kollektion für unterschiedlichste Einsatzbereiche. Auf Kundenwunsch sind auch individuelle Sonderausführungen mit anderen Stoffen denkbar. Eine erste noble Referenz für das neue Produkt ist die Gestaltung des Christian Dior Shops im Pariser Kaufhaus Le Bon Marché – ausgeführt mit »Glissy«, einem hauchzarten Transparentstoff aus Polyester mit feinem Lurexfaden.

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