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Vorbildliche integrative Fassaden – Praxisbeispiele beim DETAIL Symposium

Weil sie nicht nur das Aussehen einzelner Häuser, sondern das Erscheinungsbild ganzer Städte bestimmen, zählen Fassaden zweifellos zu den wichtigsten Bauteilen eines jeden Gebäudes. Manchmal setzen sie sich aus einfach geschichteten Bauteilen zusammen. Immer häufiger sind sie jedoch das Ergebnis des komplexen Zusammenspiels bauphysikalischer, statischer und ästhetischer Faktoren – integrierte Haustechnikkomponenten oder Photovoltaikelemente sind inzwischen ebenso selbstverständlich wie das Branding mithilfe von Fassaden. Darüber hinaus sollen sie individuell, flexibel, wirtschaftlich, nachhaltig und recycelbar sein.

Mit Blick auf dieses breite Themenspektrum lieferten die sechs Referenten des DETAIL Symposiums »Die integrative Fassade« ausführliche Hintergrundinformationen und zahlreiche neue Erkenntnisse. Zugleich präsentierten sie den rund 70 Teilnehmern im Vorhoelzer Forum der TU München aber auch vorbildhafte, aktuelle Projekte. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den Partnern GKD– Gebr. Kufferath und Wicona.

Prof. Thomas Auer von der TU München erläuterte beispielsweise das Energiekonzept des Manitoba-Hydro-Buildings im kanadischen Winnipeg, das als eines der weltweit energiesparendsten und umweltfreundlichsten Bürohochhäuser gilt.

Manitoba-Hydro-Building in Winnipeg, Kanada
Manitoba-Hydro-Building in Winnipeg, Kanada, KPMB architects, Quelle: Prof. Auer, TU München

Die Fassade spielt hier eine zentrale Rolle – nicht obwohl, sondern gerade weil sie ganz ohne kostspielige und wartungsintensive High-Tech-Lösungen auskommt. Gemäß seinem Credo »Weniger ist Zukunft« standen hier die Berücksichtigung der passiven Solarenergienutzung und eine intelligente Gestaltung im Vordergrund.

Energiekonzept Manitoba-Hydro-Building
Studie Energiekonzept Manitoba-Hydro-Building, Quelle: Prof. Auer, TU München

Dass integrative Fassaden keineswegs in erster Linie ein technisches Thema sind, machte auch Max Radt vom Fassadenspezialisten Wicona am Beispiel der »Powerhouse-Allianz«, die sich zum Ziel gesetzt hat, Gebäude mit einer über den gesamten Lebenszyklus positiven Gesamtenergiebilanz zu ermöglichen. Der Allianz gehören an: der Bauträger Entra Eiendom, die Baugruppe Skanska, die Architekturbüros Snøhetta und asplan viak Architekten, die Umweltgruppe Zero und Sapa Building Systems/Wicons.

Außenansicht Powerhouse in Kjørbo, Norwegen
Außenansicht Powerhouse in Kjørbo, Norwegen, Foto: Wicona

Ohne die enge und offene Kooperation zwischen Wicona und den unterschiedlichsten anderen Baubeteiligten rund um das Architektenteam von Snøhetta wäre das erste, nun bei Oslo realisierte Projekt nur schwer denkbar gewesen.

Solarzellenanlage auf dem Dach des Powerhouse in Kjørbo, Norwegen
Die Solarzellen (ca. 2.000 m²) auf dem Dach des Powerhouse produzieren jährlich 200.000 kWh Energie, Foto: Wicona

Ebenfalls gerade fertiggestellt ist auch das neue Verwaltungsgebäude der Münchner Rück in Schwabing, das Jürgen Bartenschlag von Sauerbruch Hutton vorstellte.

Verwaltungsgebäude der Münchner Rück, München, Außenfassade Nordostecke
Verwaltungsgebäude der Münchner Rück, München, Außenfassade Nordostecke, Foto: sauerbruch hutton, Berlin

Auf das besondere Interesse des Publikums stießen nicht zuletzt die präzisen Angaben zu den Herstellungskosten dieser sowie zahlreicher anderer integrativer Fassaden des Berliner Architekturbüros.

Verwaltungsgebäude der Münchner Rück, München, Foyer und Atrium Haupteingang
Verwaltungsgebäude der Münchner Rück, München, Foyer und Atrium Haupteingang, Foto: sauerbruch hutton, Berlin

Mit den künstlerischen Architekturprojekten von realities:united brachte Jan Edler eine weitere Facette des Tagesthemas ins Spiel: Fassaden als veränderliches Kommunikationsmedium.

Museumsfassade mit integrierter Licht- und Medieninstallation von realities:united, Medienzentrum für zeitgenössische Kunst in Cordoba
Museumsfassade mit integrierter Licht- und Medieninstallation von realities:united, Medienzentrum für zeitgenössische Kunst in Cordoba, Architekten: Nieto Sobejano
Detailansicht C4, Museumsfassade mit integrierter Licht- und Medieninstallation
Detailansicht C4, Museumsfassade mit integrierter Licht- und Medieninstallation von realities:united

Während sein Vortrag spannende Einblicke in einige realisierte und unrealisierte medial inszenierte Gebäude auf der ganzen Welt gab, präsentierte Hans-Michael Link von GKD – Gebr. Kufferath AG transparente Architekturgewebe aus Metall, die Gebäudehüllen mithilfe eingewebter LED- oder SMD-Zeilen in aktive Kommunikationsplattformen verwandeln.

Mediamesh: LED integriert in Edelstahl-Seilgewebe
Links: Mediamesh: LED integriert in Edelstahl-Seilgewebe, Foto: GKD AG. Rechts: Befestigung Mediamesh, Foto GKD AG
Werbung mit Mediamesh-Fassade
Werbung mit Mediamesh-Fassade, Foto: A2aMEDIA

Aktuelle Trends und Tendenzen zu neuesten Technologien aus Praxis und Forschung lieferte schließlich Konrad Graser von Werner Sobek Engineering & Design aus Stuttgart.

Aktivhaus B10 von Werner Sobek Architekten
Aktivhaus B10 von Werner Sobek Architekten, Foto: Zooey Braun, Stuttgart

Zur Diskussion angeregt wurde das Publikum insbesondere durch das erst vor kurzem fertiggestellte Forschungsprojekt »Aktivhaus B10« in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, das dank des intelligenten Energiekonzepts und einer »selbstlernenden Gebäudesteuerung« das Doppelte seines Energiebedarfs selbst erzeugt.

Aktivhaus B10, Explosionsdarstellung
Aktivhaus B10, Explosionsdarstellung: Werner Sobek

Am Ende des Symposiums war klar, dass integrative Fassaden zwar stets von technikorientierten Themen wie Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit oder Recyclingfähigkeit bestimmt werden, dass deren Erfolg (hinsichtlich der Energiebilanz, aber auch in Bezug auf die Akzeptanz der Nutzer) letztlich stets von einer sorgfältigen und ganzheitlichen Gestaltung abhängt. Für Architekten ergibt sich daraus die große Chance, einen längst an Technokraten verloren geglaubten Bereich der Architektur zurückzuerobern.

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