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Vorstadt wird Stadt

Bis zum Beginn der Wirtschafts- und Finanzkrise galt Dublin als boomender Wirtschaftsstandort mit all seinen Begleiterscheinungen – wie zum Beispiel hochpreisigen Investorenimmobilien. Dass auch solche sich an nachhaltigen Leitlinien orientieren können, unterstreicht das Projekt „Elm Park“, das Bucholz McEvoy Architects aus Dublin in Zusammenarbeit mit Transsolar planten.

elm park, dublin, Bucholz McEvoy Architects, transsolar
Foto: Fotos: Michael Moran

Dublin gilt nicht eben als Musterbeispiel nachhaltigen Städtebaus. 2006 zitierte eine Studie der Europäischen Umweltagentur die irische Hauptstadt neben Madrid und Istanbul als besonders abschreckendes Beispiel für den »urban sprawl«, der durch die Planungsinstanzen weitgehend passiv hingenommen werde.
Im Südosten der Metropole, nur wenige Meter entfernt von der Küste der Irischen See, wurde nun jedoch ein Großprojekt fertiggestellt, das seiner heterogenen Umgebung (darunter Einfamilienhäuser, ein Golfplatz, Hotels und ein Nonnenkloster) ein klares architektonisches Konzept und hohe urbane Dichte gegenüberstellt. Elm Park ist ein gemischt genutzter, fast 100?000 m2 großer Gebäudekomplex aus Hotel, privatem Krankenhaus, drei Bürogebäuden, Konferenzzentrum, Hallenbad sowie 400 Wohnungen der gehobenen Preisklasse.

Begonnen und realisiert noch während des Immobilienbooms in Irland, illustriert Elm Park, wie sich nachhaltige Planungskonzepte auch in einem kommerziellen Umfeld realisieren lassen. Die Gebäude sind auf einen Energiebedarf von 125 kWh für Heizung, Warmwasser und Elektrizität ausgelegt. Ein gasbetriebenes BHKW versorgt die Gebäude mit Strom. Die dabei freiwerdende Abwärme wird zur Beheizung genutzt. Zusätzliche Wärme für Heizung und Warmwasser stellt ein Holzpelletkessel zur Verfügung. Als besonderen Zugewinn werten die Architekten Bucholz McEvoy den hohen Tageslichtanteil und den Verzicht auf mechanische Lüftung und Klimatisierung in den Büroräumen. Die Büroebenen sind nur 13,75 Meter tief; ihre kassettierten Betondecken verjüngen sich zu den Fassaden hin, um die natürliche Belichtung zu optimieren.

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Foto: Fotos: Michael Moran

Die Be- und Entlüftung der Büroräume wird durch die in Irland dominierenden Westwinde unterstützt. Eine direkte Durchlüftung hätte jedoch zu Zuglufterscheinungen geführt. Die Büroriegel erhielten daher im Osten manuell öffenbare Fenster mit Doppelverglasung und feststehendem Sonnenschutz. Weitere, automatisch gesteuerte Zuluftöffnungen in der Fassade speisen Luft in die Doppelböden der Büros ein, von wo aus sie weiter in die Räume gelangt. Im Westen wurde eine zweite, gläserne Fassadenhaut mit 1,25 m Abstand vor die innere Gebäudehülle montiert. Im Fassadenzwischenraum entsteht ein Kamineffekt, der die Abluft aus den Büroebenen nach oben absaugt.

Da Elm Park in Küstennähe auf nur 3 m Meereshöhe liegt, kam dem Hochwasserschutz eine besondere Bedeutung zu. Alle Gebäude mit Ausnahme des Wohnungsbaus ganz im Westen, der als eine Art Windbarriere fungiert, stehen auf Stützen ein bis drei Geschosse über dem umliegenden Areal. Auch das Regenwasser wird auf dem Gelände selbst zurückgehalten. Gründächer sowohl auf den Gebäuden als auch auf der Tiefgarage, die nahezu die ganze Grundstücksfläche einnimmt, fungieren als gigantischer Schwamm, der den schnellen Abfluss des Wassers verhindert und überdies das Mikroklima auf dem Areal verbessern soll.

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Foto: Bucholz McEvoy Architects
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Zeichnung: Bucholz McEvoy Architects


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