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Caramel, Wien, CJ5

Vorstadturbanisierungsversuche: Das Haus CJ5 von Caramel

Mit dem Einfamilienhaus CJ5 in der Ketzergasse in Wien setzen Caramel ein deutliches städtebauliches Zeichen für eine suburbane Verdichtung die sowohl den baulichen Abschluss per Brandwand sucht, als auch die NFD (Nutzflächendichte) des Gebäudes, die in diesem Teil Liesings gängig ist, deutlich erhöht. Das einfache Mittel zur Umsetzung dieser Vision ist die Beibehaltung der Nutzfläche bei einer drastischen Reduzierung der Grundstücksfläche. Dies führt im Falle der Ketzergasse zu einer Verdreifachung der NFD: Das Einfamilienhaus CJ5 bietet nun den gleichen Platz, besetzt aber mit einem Grundstück von 5x35 Metern, eine um 2/3 kleinere Parzelle als seine Nachbarn.

Dieser Hang zum Um- und Andersdenken setzt sich in der Erscheinung des Hauses fort, welches sich wie ein weißer Riegel zwischen eine benachbarte Brachfläche und das Nebengebäude schiebt. Die weiße Brandwand, die zur Brachfläche hin den Abschluss des Hauses definiert versucht auch das Ende der vorherrschenden Bebauung einzuläuten. Es soll von locker und großzügig platzierten Einfamilien- oder Reihenhäusern, hin zu einer verdichteten Reihenhausbebauung gehen. Die strahlend weiße Brandwand, darf als Aufforderung verstanden werden anzubauen, weiter zu verdichten.Entsprechend dieses Selbstverständnisses einer urbanen Typologie in der Vorstadt, kehrt sich das Haus des Wiener Büros nach innen und sucht die räumliche Qualität nicht im kommunikativen Anschluss, sondern ausschließlich in der Organisation des beengten Raumprogramms. Dass die nötigen Fensterausschnitte der Fassade nicht auf Straßenniveau liegen, sondern sich auf den Dachflächen befinden, verdeutlicht die introvertierte Haltung des Hauses. Nicht die Umgebung liegt im Blickfeld, sondern der Himmel. Die monochrome und glatte Ausführung der Außenhaut unterstützt diesen Eindruck zusätzlich.

Während Caramel städtebaulich die Unterbrechung forcieren, setzen sie innen ganz auf fließende Räume und Transparenz. Die dachseitigen Fensterflächen sorgen für eine großzügige Belichtung der Innenräume, welche sich im Vorderhaus zum Garten hin staffeln und so eine Großzügigkeit behalten.

Der Garten fungiert als Bindeglied zwischen Vorder- und Hinterhaus. Das Vorderhaus ist als Wohnhaus konzipiert und enthält eine Garage und ein Miniaturkino im Keller. Im Hinterhaus befinden sich ein Arbeitsbereich und ein Bad in Form eines eingestellten Kubus. Die Betonmauern, die den Garten links und rechts abschotten, verstärken den räumlichen Bezug zwischen den beiden Gebäudeteilen und integrieren den Außenraum in das Raumgefüge des Hauses. Das Bad des Vorderhauses zeichnet sich durch eine in den Boden eingelassene Badewanne aus, welche vor dem Bett platziert ist und einer Dusche, die sich in einer angrenzenden Nische befindet. Lediglich das WC, welches ebenfalls neben dem Schlafbereich liegt und mit der Dusche ein Raumkompartiment bildet, ist geschlossen ausgeführt.

Der im Garten angelegte ebenfalls bodenbündig ausgeführte Whirlpool und eine weitere Dusche verdeutlichen die Wichtigkeit der Körperpflege im Raumprogramm des Hauses und geben dem Haus ein wiederkehrendes Raummotiv. Ein weiteres Bindeglied der einzelnen Bereiche ist die Materialität. Wie ein durchgehendes Band zieht sich der Holzboden durch Vorder- und Hinterhaus und den Garten und belegt alle nicht senkrechten Flächen des Hauses, bis auf einen Grünbereich im Garten. Die Wände und Decken sind aus brettgeschaltem Sichtbeton gefertigt und setzen sich so von den in weißen Einbauteilen, wie Sanitär- oder Arbeitsbereich ab. Auch Garage und Keller, beide nicht in den Raumfluss von Vorder- zu Hinterhaus eingebunden, sind in weiß gehalten.

Ein weiteres markantes Element von CJ5 ist die zwischen der Staffelung von Wohn- und Schlafbereich vermittelnde Treppe, die Möbel und Küchenelement zugleich ist und gänzlich aus Holz, das fortlaufende Band des Bodenbelages weiterführt. Die extravagante Haltung des Hauses CJ5 in puncto Raum und Material hat einen selbstbewussten Auftritt und beinhaltet die Aufforderung städtebaulich umzudenken. Ob der Impuls ankommt oder sich in den weitläufigen Gärten von Liesing verliert, bleibt abzuwarten.

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Weitere Informationen:

Projektteam: Martin Haller, Kolja Janiszewski

Einen Artikel zum Haus CJ5 finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL inside 1/2015.

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