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VR-Tools für das Bauen im Bestand

Das Forschungsprojekt DemoS setzt sich mit dem Demografie- und Strukturwandels in Deutschland auseinander. Neben tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen bringt dieser auch strukturell-räumliche sowie baulich-technische Herausforderungen mit sich. Nicht selten sind Verzögerungen im Planungs- und Bauprozess auf Defizite in der Bestandsdatenerfassung, den Umgang mit vorhandenen Bauelementen sowie der unzureichenden Digitalisierung vorhandener Informationen zurückzuführen. Vier der sechs Teilbereiche befassen sich  mit zukunftsorientierten Erfassungssystemen für das Bauen im Bestand, darunter ein automatisiertes Management- und Überwachungssystem für das Raum- und Gebäudeklima, bildgebende Monitoringsysteme für die Bausubstanz einschließlich entsprechender Kommunikationssysteme, informationsbasierte Strategien und Werkzeuge für die Umnutzungsplanung und ein Transformations-Monitoring zur wirtschaftlichen Anpassungsfähigkeit der Bau- und Immobilienbranche. Alle Tools sollen niedrigschwellige Hilfsmittel sein, die dazu beitragen, mit den vorhandenen baulichen Ressourcen intelligenter umzugehen. Ziel ist nicht ein lückenloses BIM-Modell, sondern die praxisbezogene Unterstützung verschiedener Akteure – statt Distanzmesser und Zollstock könnte also zukünftig die VR-Brille für das Aufmaß zum Einsatz kommen.

Dass hier tatsächlich besonders beim Bauen im Bestand noch große Defizite und Hemmschwellen im Bereich Digitalisierung, Datenübertragung sowie Bestandsdatenerfassung vorliegen, hat die Studie »Bauen im Bestand 4.0 – Empirische Grundlagen aus der Perspektive des Architekten« gezeigt, die im Teilbereich 5 »Strategien und Werkzeuge für die Umnutzungsplanung« von Lena Salm und Sophie Seifert unter Leitung von Alexander Stahr, Professor für Tragswerkslehre, erstellt wurde. Architektur- und Planungsbüros aus allen Bundesländern wurden zum Einsatz digitaler Werkzeuge in ihrem Planungsalltag befragt. Nur ein extrem geringer Anteil von 3,6 % der Planer empfindet – BIM zum Trotz – den Stand der Digitalisierung in der Baubranche im Vergleich zu anderen Industriezweigen als zukunftsweisend. Mit 49,6 % sehen fast die Hälfte der Befragten die Branche hingegen als erheblich rückständig an. Auch wenn in Zusammengang mit digitalen Hilfsmitteln – wobei darunter meist die klassischen CAD-Software-Tools verstanden werden – von einem „ganzheitlichem Denken, einer Optimierung des Workflows, einer größeren Detailtiefe und besserer Kommunikation gesprochen wird, (....) erfolgt die Arbeit anhand von Datenformaten mit relativ geringer Informationstiefe“, wird in der Studie beschrieben. Nicht einmal 25% der Planer arbeiten bislang mit BIM-Austauschformaten. Die Diskrepanz der aktuellen Situation in der sich Planer befinden, zeigt sich u.a. daran, dass zwar über 77 % der Befragten BIM-Planungsmethoden als zukunftsweisend ansehen, gleichzeitig aber unglaubliche 90,2 % das Aufmaß bei baulichen Bestandseingriffen tatsächlich noch analog mit Zollstock und Distanzmesser vornehmen. Als Grund hierfür wurde unter anderem angegeben, dass beispielsweise ein Laserscanner zwar durchaus präzisere Daten liefere, die hohen Datenmengen aus Punktwolken jedoch einen unnötig großen Aufwand zur Auswertung und Planerstellung erzeugen würden. Wird zusätzlich berücksichtigt, dass gerade die (digitale) Daten- und Informationsbeschaffung von Bestandgebäuden ein erhebliches Problem darstellt und diese Leistungen durch die HOAI nur unzureichend abgedeckt werden, zeigt sich, vor welch großen Hürden, die längst nicht nur technischer Natur sind, die Digitalisierung der Prozesse beim Bauen im Bestand steht.

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