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Dach+Holz 2018, Nachbericht, Messe

Was kommt aufs Dach? – Nachbericht zur DACH+HOLZ

Es ist purer Platzmangel, der Investoren, Immobilienbesitzer und Planer nach oben blicken lässt. Auf den Dächern versteckt sich nämlich ein enormes Potenzial für neuen Wohnraum. Und das, ohne Flächen zu versiegeln. Schätzungsweise 1,5 Millionen neue Wohnungen lassen sich so auf Dächern von Mehrfamilienhäusern in Deutschland bauen, die zwischen 1950 und 1990 errichtet wurden. Doch auch Dächer, die nicht ausgebaut werden können, lassen sich nutzen: als Grünfläche, die lokal das Kleinklima verbessert, als Freiraum mit Terrassen und Kleingärten, als landwirtschaftliche Nutzfläche oder zur Erzeugung von Solarstrom.

Was also kommt aufs Dach? Auf der Messe DACH+HOLZ in Köln stellten am 21. Februar drei Start-ups ihre Ideen vor. Tobias Sebastian Müller von obenplus aus München, Björn Hiss von MQ Real Estate aus Berlin und Marco Zerjav von Gardensharing aus München stellten auf Einladung von Detail und der Messe DACH+HOLZ ihre Geschäftsideen vor.

Weniger das Wohnen als Solches hat Tobias Sebastian Müller von der Online-Plattform obenplus im Sinn. Ihm geht es vor allem darum, mit dem Potenzial des Dachausbaus die Gesellschaft neu zu mischen. Denn wenn derzeit Dächer aufgestockt werden, dann entstehen dort vor allem Wohnungen im Luxussegment. Und da in der Regel gleich das ganze Gebäude saniert werde, fielen dort die günstigen Wohnungen weg, die angestimmten Mieter werden verdrängt und müssen an den Stadtrand ausweichen. Die Idee und der Wunsch von Müller: Wenn aufgestockt wird, dann soll zugleich ein Belegungsrecht für finanziell schwächer gestellte Menschen implementiert werden: auf dem Dach oder in einer der darunter liegenden Wohnungen. Alternativ können großzügige Wohnungen, Lofts, Penthäuser sowie andere Typologien auf auf Sozialwohnungsbauten entstehen, um eine soziale Mischung zu schaffen.
Müllers Online-Plattform obenplus vermittelt dabei zwischen Architekten, Bauenden, Handwerkern und Behörden, um mit dem Ausbau der Dächer lebenswertere, interessantere, attraktivere, sozialere und damit auch resilientere Städte zu schaffen.

Entscheidungen vereinfachen
Welche Dächer sich potenziell für welche Nutzung eignen, das lässt sich mithilfe des Smart City Dachatlasses feststellen. Entwickelt hat die ökologische und ökonomische Potenzialerfassung von Dachflächen der Münchner Marco Zerjav. Die Idee kommt aus dem Garden Sharing. Er nutzt dabei vorhandene GIS-Daten und sonstige zur Verfügung stehenden Daten für seine zentrale IT-Plattform für Anbieter und Nutzer semantischer Gebäudeinformationen. Diese Plattform ermöglicht es, Leitfäden und Handlungsempfehlungen zu erstellen und damit schneller und günstiger zu einer Entscheidung zu kommen, ob und wie ein Dach für die Erzeugung von Lebensmitteln genutzt, Gemeinschaftsgärten angelegt oder aufgestockt werden kann.
Die Plattform bietet zudem Schnittstellen zu Google Maps und Navigationsystemen und ermöglicht es Planern und Behörden, Verträge, Planung und Bau zu dokumentieren.

Hotel auf Parkhausdeck
Mit der Entwicklung von Hotelprojekten auf Parkhäusern, Parkplätzen und Bestandsgebäuden in europäischen Großstädten befasst sich MQ Real Estate aus Berlin. Der Clou: Es handelt sich um modular erstellte Hotelzimmer. Das erste Hotelprojekt entsteht derzeit auf dem Dach des Einkaufszentrums Ring-Center 2 in Berlin. Mit ihrem Skypark Hotelkonzept folgen die Entwickler dem Trend der städtischen Nachverdichtung und einer zukunftsorientierten Stadtentwicklung. Das Hotel entsteht auf dem obersten Geschoss des Parkhauses des Einkaufszentrums. Das Hotel wird in KfW 55 Holz-Modulbauweise gebaut. 151 Skypark Hotelzimmermodule ergeben ein komplettes Hotel. Die Eröffnung ist im Herbst diesen Jahres geplant. Mittlerweile gebe es zahlreiche weitere Interessenten für das Konzept, sagte der Mitgründer von MQ Real Estate, Björn Hiss. Die Immobilienbesitzer haben erkannt, dass sie so ungenutzte Flächen in zentraler Lage besser verwerten können.

Zum Abschluss stellte Rudi Scheuermann vom Ingenieurbüro Arup die Ergebnisse des Forschungsprojekte Cities Alive: Grüne Gebäudehülle vor, bei dem unter anderem die Vorteile von Gebäudebegrünung monetär bewertet wurden.

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