Welt der Kontraste: Architekturbüro in Rancate
Foto: Simone Bossi
Melanie Stocker und Dongjon Lee haben an der renommierten Architekturakademie im schweizerischen Mendrisio studiert und sind der Region auch später noch treu geblieben: 2005 gründeten sie dort ihr Büro Stocker Lee Architetti, und 2019 haben sie in einem Wohngebiet in Mendisios Nachbarort Rancate ihr eigenes Ateliergebäude fertiggestellt. Der Neubau steht auf einem ruhigen Gartengrundstück unmittelbar östlich – und leicht unterhalb – des Mehrfamilienhauses „Eiger Mönch Jungfrau“, den Stocker Lee 2017 realisierten. Die direkte Blickverbindung zum dominanten Nachbarn zu vermeiden, wurde zu einem bestimmenden Parameter des Entwurfs. Stattdessen geben nun ein umlaufendes Fensterband auf Höhe der Grasnarbe sowie ein großes Quadratfenster in der nördlichen Giebelseite den Blick in die Natur frei.
Räumlich umfasst das Haus drei Ebenen, von denen eine komplett unter der Erde liegt; konstruktiv ist es aus zwei gänzlich unterschiedlichen Teilen gefügt. Der eine, aus rauem, schwarz eingefärbtem Sichtbeton, umfasst das Untergeschoss, die Zwischendecken, den Treppenhaus- und Nebenraumkern sowie den Sockelbereich des leicht ins Gelände eingetieften Erdgeschosses. Er endet unmittelbar über der Geländekante und ist dort zu einer breiten Fensterbank unter dem umlaufenden Glasstreifen umgeknickt. Der komplette Oberbau samt Dach besteht aus einer Holzkonstruktion. Innen ist sie weiß gestrichen und strukturiert mit ihren dicht gestaffelten Stützen und Dachbindern den Raum. Außen hüllt sie sich in ein Ziegelkleid, das bei näherem Hinsehen auf zweierlei Art hergestellt wurde: aus Klinkern im Langformat an den Giebelseiten sowie aus sich überlappenden, langgestreckten Flachziegeln an Dach und Längswänden.