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Foto: Christian Mettlach

Wenn Fassaden Räume bilden: Wicona Roundtable »Urbane Evolution« in Frankfurt

Noch immer steigt die Wohnfläche pro Kopf in Deutschland unaufhörlich. Jeder von uns beansprucht knapp 45 Quadratmeter für sich, in Singlehaushalten sind es sogar deutlich über 50 Quadratmeter. Doch die Schere geht auseinander: In Metropolen wie München müssen Durchschnittsverdiener ihren Raumbedarf längst drastisch einschränken, um sich das Wohnen überhaupt noch leisten zu können.

Doch weniger Fläche muss nicht automatisch in weniger Lebensqualität münden, findet der Architekt Daniel Hoheneder aus München. Gemeinsam mit seiner Partnerin Lisbeth Fischbacher war er als Referent zum Roundtable »Urbane Evolution« von Wicona und Detail in den NEXT Studios in Frankfurt eingeladen. In dem Showroom im Frankfurter Osten haben acht Bauzulieferer aus der Fassadenbranche ihre Kompetenzen gebündelt, um Architekten ganzheitlich zu Fragen rund um dieses wichtige Gewerk beraten zu können.

Auch Hoheneder und Fischbacher haben sich eingehend mit Fassadentechnologien befasst, seit sie 2013 ihr Startup-Unternehmen flissade in München gründeten. Ihre Erfindung, die inzwischen in 23 europäischen Ländern sowie in China und Japan patentiert ist, besteht aus einem System für Schiebeverglasungen, die vereinfacht gesprochen, im Kreis fahren. Auf diese Weise lassen sie sich wahlweise außen bündig in der Fassade oder einige Meter zurückversetzt anordnen. Der Zwischenraum zwischen beiden Positionen wird so zum flexibel nutzbaren Schaltraum zwischen Innen und Außen, der ohne Weiteres den herkömmlichen Essbereich aufnehmen kann.

Für Diskussionsstoff sorgte in Frankfurt vor allem die Frage, für welche Art von Bauherren und Wohnungen solche Lösungen interessant sein könnten. Nach Hoheneders Ansicht spielt flissade ihre Vorzüge vor allem in kleineren Wohnungen aus. Ganz billig ist sie nicht, aber auch kein Luxusprodukt. Bezeichnenderweise befindet sich die erste, derzeit im Bau befindliche Referenz des Produkts in einem Wohnungsneubau, den die Stadtwerke München für ihre eigenen Angestellten errichten.

Investoren aus der Privatwirtschaft sind Neuem gegenüber oft weniger aufgeschlossen – und können sich das auch leisten, solange selbst ideenlos geplante Wohnungen »vom Plan weg« als Anlageobjekte absetzbar sind wie derzeit in vielen Metropolen. Dass diese Risikoaversion im Markt klugen, flächensparenden Konzepten viele Steine in den Weg legt, wurde bei der Frankfurter Diskussion vielfach beklagt. Dennoch bleibt die Erkenntnis: Mit guten Ideen, Mut und Zähigkeit lässt sich selbst in der so konservativen Baubranche bisweilen ein Wandel bewirken. Selbst wenn dieser nur acht Quadratmeter Loggienfläche betrifft.

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