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Werden die Sanierungspotenziale im Altbau überschätzt?

Mit ihrem neuen Energiekonzept will die Bundesregierung die energetische Sanierungsquote in Deutschland auf 2 Prozent pro Jahr verdoppeln und bis 2050 den Wärmebedarf des deutschen Gebäudebestandes um bis zu 80 % senken. Forscher aus Halle haben nun jedoch herausgefunden, dass einheitliche Sanierungsvorschriften für Gebäude jeden Alters, wie sie die EnEV festlegt, wenig bringen.

Ein zentrales Element der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) und des neuen Energiekonzeptes der Bundesregierung ist die deutliche Reduktion des Energiebedarfs von Wohnimmobilien. Allerdings muss bei der Gebäudesanierung genau hingesehen werden: Nicht alle Gebäude besitzen das gleiche Einsparpotenzial, und schon gar nicht lässt es sich zu den gleichen Kosten realisieren. Vielfach werden die Einsparpotenziale auch erheblich überschätzt.

Zu diesen Ergebnissen kommt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) in einer neuen Studie. Die Ergebnisse basieren auf einem umfangreichen Datensatz aus der Energieausweisdatenbank der ista Deutschland GmbH. Als Grundlage dienten circa 200.000 Gebäude in Deutschland, einschließlich der Informationen über den Stand der Sanierung der jeweiligen Gebäude.

Die Auswertung der Daten zeigt, dass Wohngebäude mittlerer Größe, die um die Jahrhundertwende erbaut wurden (1900-1918), aus energetischer Sicht vergleichsweise gute Bestandseigenschaften aufweisen. Das liegt unter anderem an den starken Außenwänden aus Vollziegel, die im Vergleich mit anderen Gebäudetypen weniger Wärme entweichen lassen. Bei bereits sanierten Gebäuden dieses Alters lag der Heizenergiebedarf lediglich um 10% geringer als bei unsanierten: 126 Kilowattstunden statt durchschnittlich 141 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Die Kosten der Sanierung sind hier vergleichsweise hoch, da beispielsweise die Außenfassaden häufig mit wertvollen Ornamenten gestaltet sind.

Im Gegensatz dazu werden durch die Sanierung von Bauten der späten 1950er und 1960er Jahre wesentlich größere Energieeinsparungen erreicht: Die Sanierungsmaßnahmen sind sehr viel günstiger und der Energiekennwert sinkt um durchschnittlich 27 Prozent, wie die Daten belegen. Das Baujahr und die Gebäudesubstanz spielen somit eine wichtige Rolle bei der Frage, ob eine Sanierung sinnvoll ist. Diese Punkte werden bei der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) allerdings nicht ausreichend berücksichtigt. „Die spezifischen Eigenschaften der Immobilien sollten sich auch in den Vorgaben und der Förderpolitik niederschlagen. Nur so lassen sich Investitionsanreize für die Immobilieneigentümer setzen“, so Martin T.W. Rosenfeld, Leiter der Abteilung Stadtökonomik am IWH.

In ihrer Studie kommen die Forscher zu folgendem Fazit: „Im Ergebnis sprechen die hier präsentierten Zahlen für eine differenziertere Strategie, die sowohl die Belange der Wirtschaftlichkeit von Sanierungen als auch die Belange des Klimaschutzes und Städtebaus berücksichtigt. Konkret bedeutet dies: Die rechtlichen Vorgaben und die Förderpolitik sollten die spezifischen Eigenschaften von Immobilien berücksichtigen, um Investitionsanreize auch tatsächlich zu setzen. Eine pauschale Sanierungsrlicht, wie sie im Energiekonzept der Bundesregierung vorgeschlagen ist, wird diesen Kriterien nicht gerecht.“


Zur Website des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle mit Download-Link zum Beitrag „Energieeffizienz im Altbau: Werden die Sanierungspotenziale überschätzt?“

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