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Wo sind all die Kühe hin? Ausstellung „Countryside, The Future“

„Where did the cows go? And when did they leave?“ (Rem Koolhaas)

Rem Koolhaas, der Gründungspartner des Architekturbüros OMA (Office for Metropolitan Architecture) hat sich zuvor viele Jahrzehnte lang mit der Stadt beschäftigt. Als er auf dem Schweizer Land feststellte, dass die Kühe verschwanden, die Bevölkerung ab- und die Neubauten zunahmen, justierte er den Fokus seiner Untersuchungen neu.

Koolhaas forschte zusammen mit dem OMA-Think Tank AMO, unter der Leitung von Samir Bantal, in Kollaboration mit Wissenschaftlern, Forschern, der Harvard School of Design und dem Architekturkritiker Niklas Maak. Der Kurator Troy Conrad Therrien brachte das Projekt schließlich ins Guggenheim Museum.

Zukünftige Entwicklungspotenziale vermute man generell eher in der Stadt¬¬, deshalb seien die ländlichen Gebiete „overlooked“ - übersehen worden, so das Argument von Rem Koolhaas. Das Land „des Friedens und der Freude“ habe sich unbemerkt in ein bizarres und ungestaltetes Hinterzimmer verwandelt. Diesen „Lagerraum für die Städte“ der Welt holt Koolhaas nun ins Guggenheim Museum. Das Ergebnis von fünf Jahren Kontemplation eröffnet die Ausstellung: eine wandfüllende Fragenflut, Booklets, Quellen und Thesen auf einem Tisch daneben.

Eine Weltkarte mit markierten Regionen illustriert die Konzeption der Ausstellung: Nur 2% der Weltoberfläche seien städtisch; die restlichen 98% werden im Rahmen der Ausstellung als Countryside bezeichnet. Man könne einzelne Städte verstehen und beschreiben, aber die Countryside könne nicht auf die gleiche Weise verstanden oder dokumentiert werden. Hier wird die Diskrepanz des Projektes deutlich: Lässt sich ein objektives Bild von 98% der Welt nachzeichnen?

„This is not an art show.“ (Rem Koolhaas)

Die Ausstellung ist als Sammlung von Zooms konzipiert, die weltweit Gebiete, Phänomene und Akteure vorstellt. Der Fokus liegt streng auf anthropogenen Veränderungen. Ausgeschlossen sind Naturphänomene wie der Himalaya oder der Regenwald. Präsentiert wird eine Ansammlung von bekannten und unbekannten Themen. Einige der hochspezifischen Projekte sollen trotz ihrer lokalen Abgeschiedenheit exemplarisch für globale Trends in den Bereichen der Nahrungsmittelproduktion, der Energie, des digitalen und des Klimawandels stehen. Alarmierende Grafiken unterstreichen bizarre Bilder von post-humanen Serverfarmen und Pixel Farming, von schmelzenden Permafrostböden, Gorilla Habituation und Milchfabriken in der Wüste.
 
„How should we think about earth?“ (Rem Koolhaas)

Das Spektrum der „neuen Countryside“ ist sehr breit aufgestellt und provoziert neue Fragezeichen. Ein 350 Seiten starker Katalog im Taschenbuchformat verstärkt die Tiefe der inhaltlichen Auseinandersetzung. Die Ausstellung funktioniert wie eine großformatige Collage: Durch die visuelle Verknüpfung scheinbar disparater Inhalte entstehen neue Bezüge und Verbindungslinien. Es entsteht ein Raum, der zur Diskussion einlädt und dabei offen bleibt für vielfältige Interpretationen. Definitiv regt die Ausstellung Countryside dazu an, die urbane Comfort-Zone und deren Konsequenzen zu hinterfragen.

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Eine ausführliche Print-Dokumentation finden Sie in unserer Ausgabe DETAIL 4/2020 mit dem Themenschwerpunkt "Nachverdichtung".
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Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 4/2020
DETAIL 4/2020, Nachverdichtung

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