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Harry Glück, Wohnbau, Buch, Alt Erlaa

Wohnen im Glück?

Es gibt in jedem Bücherregal Bände, die man über Jahre hinweg immer wieder gerne aufschlägt, darin stöbert und Fotos oder Pläne studiert oder einzelne Texte nochmal liest. Manche dieser Klassiker sind Nachschlagewerke oder Monographien. In meinem Bücherregal sind es vor allem solche Titel, die sich Stadtvierteln, Stadtplanungen oder ganzen Städten widmen. Chandigarh oder das Hansaviertel in Berlin zählen also mit zu den Klassikern. Und eines meiner Lieblingsbücher, die vielleicht nicht brandneu aber trotzdem extrem spannend sind, ist der Band „Harry Glück. Wohnbauten“, herausgegeben von Reinhard Seiß.

Gebaute Utopien
Warum ausgerechnet der österreichische Architekt Harry Glück, der mit seiner Planung für Alt Erlaa in Wien, einem gigantischen Wohnpark aus den 70er-Jahren bekannt wurde? Die Essays zu den umstrittenen Wohnmodellen des österreichischen Architekten beantworten diese Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven. Mit Zahlen, aus anthropologischer und sozialer Sicht, mit Blick auf die Typologie des Terrassenwohnhauses und auf die Grundrisse. Harry Glück war ein Pionier der schwierigen Wohnungsfrage. Er entwarf gebaute Utopien, die bis heute keine Nachfolger haben und bei den Bewohnern sehr beliebt sind. Glück realisierte 18.000 Wohnungen in fünf Jahrzehnten, die Maßstäbe lassen im Rückblick sofort an jene Wohnmaschinen denken, die wir heute als gescheiterte Experimente der 60er- und 70er-Jahre in sozialen Brennpunktvierteln der urbanen Peripherie in Verbindung bringen. Doch Harry Glücks Gebäude sind anders. Seine Häuser verheißen das Wohnglück als eine Utopie und erfüllen diesen Glückszustand auch heute noch vielerorts. Wie aber heißen Utopien, die wahr geworden sind?

Gartenstadt und Wohnsilo
Alt Erlaa zum Beispiel. Rund 10.000 Menschen leben heute in dem Wohnpark aus den 70er-Jahren, geplant von Harry Glück, Kurt Hlaweniczka und Requat & Reinthaller. Die Mischung aus Gartenstadt und Wohnmaschine hat es den meisten Bewohnern angetan: Alt Erlaa hat die höchste Wohnzufriedenheit aller geförderten Wohnungsbauten in Wien. Auf einem Areal von 240.000 Quadratmetern entstand eine futuristische Sattelitenstadt mit eigener U-Bahnstation. Die einzelnen Hochhauszeilen sind 400 Meter lang und verjüngen sich nach oben. Balkone mit Pflanzen lockern die hohe Sockelzone auf. Und trotz des gigantischen Maßstabs bleibt Alt Erlaa menschlich. Die Fotos des Harry Glück-Buchs, das im Müry Salzmann-Verlag erschienen ist, sprechen für sich selbst. Mit scharfem Blick durch die Kamera hat Hertha Hurnaus Alt Erlaa porträtiert. Von den Swimmingpools auf dem Dach bis zum privaten Pflanzenparadies auf dem Balkon. Wohnqualität kann glücklich machen.

Das Werkverzeichnis des Architekten, ein Lebenslauf und eine Übersicht seiner Bauten ergänzt die spannenden Essays von verschiedenen Autorinnen und Autoren in diesem Buch. Sie dokumentieren Musterbeispiele, die in vielen Punkten Schule gemacht haben und gerade heute, in Zeiten der extremen Wohnungsnot, ein Vorbild sein können.

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