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"Wohnen in Generationen" - Architektur und Demographischer Wandel

"Wohnen in Generationen" vom Wiener Büro Frank Partner
Projektfoto: Professor Gerhard Trumler

Während in Deutschland immer neue Szenarien zum demographischen Wandel diskutiert werden, setzt man in Österreich konkrete Bauprojekte um. Kürzlich wurde das Projekt „Wohnen in Generationen“ eröffnet, ein weiteres Großprojekt wird derzeit realisiert.

Große Herausforderung bei dem Projekt „Wohnen in Generationen" war die Suche nach Alternativen zu den bisher üblichen Wohnformen. Das auf dem Gelände einer ehemaligen Reithalle errichtete Gebäude vereint Single- und Familienwohnungen sowie seniorengerechte Appartements, Wohngemeinschaften und eine Pflegestationen unter einem Dach. Trotz aller Behindertengerechtigkeit und Funktionalität stehe der Mensch im Mittelpunkt der Planung, so die Projektverfasser vom Wiener Büro Frank+Partner.

Für die bauliche Umsetzung wurde die basilikaartige, dreiteilige Hallenstruktur der Reithalle beibehalten.
Zwei durch Treppenläufe verbundene Längsgebäudekörper sind auf den Geschäftsbereich Erdgeschoss aufgesetzt. Über den so entstandenen glasgedeckten Mittelteil und die verglasten Kopfteile erhält das Innere des Baukörpers viel Tageslicht in. Als historisches Zitat wurde das Eingangsportal der alten Reithalle vereinfacht wiedererrichtet.

Die verschiedenen Nutzungen innerhalb des Gebäudes sind an der Fassadenstruktur ablesbar: Über der Verkaufsebene ist das Pflegegeschoss angeordnet, darüber befinden sich zwei Geschosse für Sonderwohnen, die über einen „Lichtbrunnen“ mit Tageslicht versorgt werden. Ein durchgehender, verglaster Aufenthalts- und Kommunikationsbereich im Inneren erstreckt sich über fünf Geschosse bis unter das Dach. Diese „Piazza“ genannte innere Freifläche ist als Begegnungsstätte für die Hausbewohner gedacht. Über dem Bereich für Sonderwohnen liegen 34 unterschiedlich große Genossenschaftswohnungen. Sie sind so gestaltet, dass eine nachträgliche Einbeziehung in das vorgesehene Angebot an sozialen Diensten möglich ist. So lassen sie sich so den verschiedenen Lebensphasen anpassen. Die Gemeinschaftseinrichtungen wie Kinderspielräume, eine Sauna sowie Mehrzweckräume sind unter dem Dach angeordnet. Für eine verbesserte Orientierung und somit erhöhte die Sicherheit im Inneren des Gebäudes setzen die Architekten kräftige Farben in warmen Erdtönen ein.

„In der Baumgasse erleichtern wir Menschen das Leben und bieten einfache Lösungen für oft komplexe Alltagssorgen.“ betont DI Rudolf Zabrana, der federführende Architekt von Frank+Partner. So bedeuten die Versorgungseinrichtungen im Erdgeschoss wie Supermarkt, Friseur, Café und die Bibliothek nicht nur für die Senioren kürzere Wege, sondern bringen auch einer gestressten berufstätigen Mutter Zeitersparnis.

In der Wiener Trondheimgasse entsteht zurzeit ein weiteres Mehrgenerationenhaus. Grundlage der Planung der Wiener Moosmann Architekten ist das „Human-Base ©“ –Modell für „barrierefreien Wohnens über Generationen hinweg". Dieses Modell wurde von dem Bauträger Raiffeisen evolution in Abstimmung mit dem Roten Kreuz, dem Referat für Barrierefreies Wohnen der Stadtbaudirektion Graz und MAIN_Medienarbeit Integrativ entwickelt. Zum Herbst 2010 sollen die 87 barrierefreien Wohnungen bezugsfertig sein.

Im Gegensatz zu Österreich findet in Deutschland die Auseinandersetzung mit dem Thema „Neue Wohnformen“ weniger auf einer architektonischen als auf einer soziologisch – intellektuellen Ebene statt. Die nahezu 500 seit Start des „Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser“ entstandenen Einrichtungen haben kein erkennbar einheitliches Konzept und erinnern bisweilen eher an Kommunen als an Repräsentaten einer zukunftsweisenden Wohnform.


Links zu Mehrgenerationen-Projekten in Deutschland

„Lebensphase-Wohnen“ in NRW
Ökologisches Dorf bei Hamburg
Aktion Mehrgenerationenhäuser

Projekte zum Thema „Demografischer Wandel“: Zukunftswerkstatt Köln

 

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