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Wohnhaus in der Lübecker Altstadt

Wohnhaus, Lübeck, Geberit, Ellinghaus, Unesco
Foto: Bundesverband Porenbeton, Hannover

Als erste Stadt in Nordeuropa schaffte es die Hansestadt Lübeck 1987 mit ihrer kompletten Altstadt auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Ausschlaggebend hierfür waren neben dem Reichtum an archäologischen Schätzen aus der über 850-jährigen Stadtgeschichte vor allem auch die geschlossen erhaltene vorindustrielle Bausubstanz. Bauten aus verschiedenen Stilepochen, von der Gotik bis zur Gründerzeit, stehen hier eng beieinander. Und in den schmalen Gassen der Altstadt rücken sie so dicht zusammen, dass die wenigen Baulücken nach einer feinsinnigen Architektur verlangen, die den Bogen zwischen Mittelalter und der Gegenwart schlägt.

Auf dem Werder zwischen Trave und Wakenitz gelegen, trohnt die Lübecker Altstadt seit Jahrhunderten über dem umgebenden Ostholsteiner Hügelland. Und weit sichtbar recken sich die Doppeltürme der Marienkirche, der Turm der Petrikirche und das Holstentor dem norddeutschen Himmel entgegen. Nicht ohne Stolz sprechen die Lübecker noch immer von Hanse und Handel, vom Wohlstand und dem stolzen Patriziertum des Mittelalters. Aus dieser Zeit stammt ein Großteil der prägenden Bebauung der Altstadt. In einer ihrer längsten Straßen, der Wakenitzmauer, plante Architekt Uwe Ellinghaus ein neues Wohnhaus. An gleicher Stelle stand ein maroder Altbau, der nicht mehr zu sanieren war. Ellinghaus – in diesem Fall Architekt und Bauherr in Personalunion – war sich der notwendigen behutsamen Annäherung an die wertvolle historische Umgebung durchaus bewusst. Die gesamte Baumaßnahme lief in enger Abstimmung mit dem Stadtbildpfleger und dem Stadtplanungsamt.

Wohnhaus, Lübeck, Geberit, Ellinghaus, Unesco
Foto: Bundesverband Porenbeton, Hannover

Das Straßenbild ist zum einen geprägt von bis zu 500 Jahre alten Wohnhäusern und zum anderen von neueren Bauten aus der Gründerzeit. Die Frontfassade des Dreigeschossers thematisiert die hanseatischen Giebelhäuser aus Gotik und Barock. Die Traufkante des Satteldachs schließt in Höhe des Gesimsbands des Nachbarhauses an, liegt jedoch deutlich unterhalb der Attika in der Frontfassade. Sowohl Kubatur als auch Materialwahl orientieren sich an der historischen Umgebung. Rote Dachschindeln und ein heller Kalkzementputz auf der Fassade unterstützen die angenehme Zurückhaltung des Neubaus. Zeitgemäße Akzente setzte der Planer mit den bodentiefen Fenstern, die asymetrisch die Frontfassade strukturieren und leicht aus der Häuserflucht gedreht ungewohnte Ein- wie Ausblicke gewähren. »Ich zitiere damit die Unebenheiten alter Häuserfronten, die sich mit der Zeit verzogen haben«, erklärt Uwe Ellinghaus das Spiel mit Geometrie und Ordnung. Wirtschaftlichkeit, sowohl im Bau als auch im Betrieb, und Energieeffizienz spielten im Entwurf eine große Rolle. Die Außenwände sind monolithisch aufgebaut und genauso wie die Innenwände in Porenbeton ausgeführt. Der poröse Baustoff mit den guten bauphysikalischen Eigenschaften und der einfachen Verarbeitbarkeit konnte hier punkten: der Dreigeschosser war statisch problemlos als Massivbau in leichtem Porenbeton zu realisieren.

Die Stringenz der Entwurfsplanung spiegelt sich auch im klar definierten Innenraum wider. Die engen Grenzen des Baugrundstücks auf der einen und der Wunsch nach maximaler Großzügigkeit auf der anderen Seite verlangten hier eine optimale Lösung. »Das Haus folgt dem Konzept des Wohnens und Arbeitens unter einem Dach«, umreißt Ellinghaus seine Intention. Um optische Weite zu schaffen, lässt der Architekt Erdgeschoss und erstes Obergeschoss über einen Luftraum miteinander verschmelzen. Der Wohnraum und die offene Küche im Erdgeschoss und die Galerie mit Schlafzimmer und Bad werden neben den straßenseitigen Fenstern über eine 15 m2 große Fensterfläche belichtet. Der Blick nach außen fällt in den kleinen privaten Innenhof, der buchstäblich das Tageslicht in das Haus »schaufelt«. Er ist gerade so groß, dass zwei Sonnenliegen darauf passen. »Ein Gefühl der Enge wird hier dennoch nicht entstehen«, ist sich Ellinghaus sicher. Die intensive Begrünung, ein Wasserbecken im Hof und die Wasserinstallation an einer der angrenzenden Grundstückswände sollen Geborgenheit geben, Lichtreflexionen an der Wasseroberfläche und dessen sanftes Plätschern die Bewohner beruhigen.

Wohnhaus, Lübeck, Geberit, Ellinghaus, Unesco
Foto: Bundesverband Porenbeton, Hannover

Die Erschließung der Geschosse erfolgt über ein zentrales elliptisches Treppenhaus. Mittig zwischen Wohnraum und offener Küche gelegen, führt eine gewendelte Treppe hinauf ins 1. Obergeschoss. Vom offenen Schlafzimmer aus schweift der Blick über die halbhohe Galeriebrüstung hinweg in den lichtdurchfluteten Innenhof; in der gegen-überliegenden Blickrichtung fällt er durch die bodentiefen Fenster auf die Gründerzeitfassaden der anderen Straßenseite. An den Schlafraum schließt sich das Badezimmer an, das sowohl von hier als auch vom Treppenhaus und Flur aus zugänglich ist. Die Reduktion auf das Wesentliche kenzeichnet diesen Raum. Abgesehen von den notwendigen Sanitäreinrichtungen verzichtet der Architekt auf eine konventionelle Wanne oder Dusche. Eine knietiefe Absenkung im Boden, die wie die Wände mit Mosaikfliesen verkleidet ist, dient sowohl als Dusche als auch als Badewanne. Durch das Badezimmer gelangt man über kurze Wege auf eine Dachterrasse, die bis in den späten Herbst hinein zum ausgiebigen Sonnenbad einlädt. Der Wendeltreppe ins Dachgeschoss folgend schließt sich ein weiteres Bad und ein Atelierraum mit bis zu 4 m Höhe im First an. Das bodentiefe Fenster mit seiner Größe von über 7 m2 macht diesen Raum zum idealen Arbeitszimmer.

Wohnhaus, Lübeck, Geberit, Ellinghaus, Unesco
Foto: Bundesverband Porenbeton, Hannover

Projektdaten
Bauherr: Uwe Ellinghaus, Lübeck
Architekt: Uwe Ellinghaus, Dipl.-Ing. Architekt BDA, Lübeck
Mitarbeiter: Dipl.-Ing. Markus Ludwig, (Visualisierung) Dipl.-Ing. Sandra Schober (Ausführungsplanung)
Tragwerksplanung: AWB-Ingenieure, Lübeck
Außenanlagen, Elektro, Licht- und Sanitärplanung: Ellinghaus Architekten+Designer, Lübeck

Produkte und Hersteller
Mauerwerk: Porenbeton, Xella International GmbH, Duisburg, www.xella.de
Dachdeckung: Dachplatten Faserzement, Eternit AG, Heidelberg, www.eternit.de
Fenster: ip-company GmbH, Visbek, www.ipcompany.de
Terrassentür: Velfac A/S, DK-Horsens, www.velfac.de
Dachflächenfenster: Velux GmbH, Hamburg, www.velux.de
Fliesen: Kleinmosaik pro architectura, Villeroy & Boch AG, Mettlach, www.villeroy-boch.de
Sanitärobjekte: iCon, Keramag, Ratingen, www.keramag.de
Armaturen: uno2 (Axor), Hansgrohe AG, Schiltach, www.hansgrohe.de, www.axor.de
Vorwandinstallation, WC-Drückersysteme: Geberit Vertriebs GmbH, Pfullendorf, www.geberit.de
Leuchten: SLV Elektronik GmbH, Übach-Palenberg, www.slv.de Deltalight GmbH, Übach-Palenberg, www.deltalight.de
Heizung: ecotherm kompakt, Broetje GmbH,Übach-Palenberg, www.broetje.de
Elektroschalter: future linear, Busch Jaeger Elektro GmbH, www.busch-jaeger.de
Fußboden: megaplan, Chemotechnik Abstatt GmbH, Abstatt, www.chemotechnik.de

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 3/2010

Kleine Wohnbauten

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