You are using an outdated browser. Please upgrade your browser to improve your experience.

print article Artikel drucken

Zeitgemäße Neuinterpretation typischer Materialien der 70er Jahre

Foto: Ralph Feiner, CH-Malans

Fast 30 Jahre lang war die Sekundarschule Giacometti, die in den 70er Jahren von Carl Franz Spinas geplant wurde, ohne größere bauliche Veränderungen genutzt worden. Im Herbst 2004 beschlossen die Stadt Chur und ihre Stimmbürger die Erweiterung der Schulgebäude. Es wurde ein offener Architektenwettbewerb ausgelobt, den die Schweizer Architekten Claudia Drilling und Adrian Christen für sich entschieden. Ausgangspunkt war eine einheitliche Schulanlage: zwei unterschiedlich hohe Gebäudewinkel umschließen einen rechteckigen Pausenhof von drei Seiten, nach Süden hin ist die Anlage offen. In dem einen Bau sind Unterrichtsräume, in dem anderen Trakt Turnhalle und Aula untergebracht. Mit ihrem Siegerentwurf gelang den Architekten eine Ergänzung des Bestands, der diesen weder beschädigt noch infrage stellt, und die zudem ohne größere Störungen des Schul­alltags zu realisieren war.

Das Projekt besticht durch die respektvolle Transformation des vertrauten, aber etwas verstaubten 70er-Jahre-Charmes in die heutige Zeit. Ohne sich anzubiedern oder zu kopieren, bezieht sich der Neubau in seinen Proportionen, Formen und der Farbigkeit auf die bestehenden Gebäude. Der Entwurf basiert auf Berührungspunkten, um auf dieser Basis eigenständig, intelligent und zeitgemäß weiterzubauen. Merkmale des Altbaus, wie die im 45°-Winkel abgeschrägten Kanten und die grob verputzte Fassade werden aufgegriffen und neu interpretiert. Die versetzten Brüstungen, tiefen Laibungen und die unregelmäßige Oberflächenstruktur schaffen Plastizität und erden die fließende, fast aerodynamische Gebäudeform.

Um einen Bezug zur groben Putzstruktur des Bestands zu schaffen, entwickelten die Architekten für den Neubau eine Oberfläche, die ähnlich handwerklich wie der Altbau wirken sollte, technisch jedoch den heutigen Standards entsprechen und von den Kosten her vertretbar sein musste. Die Architekten entschied sich für eine geschalte Betonoberfläche, wie sie für die 70er Jahre typisch war. Dafür ließ man in große Schalbretter mit der CNC-Maschine eine absichtlich unregelmäßige Holzschalstruktur einfräsen. »Bretter« und »Stöße« sind dabei so gesetzt, dass sie dem Fassadenraster entsprechend abschließen.

Die rohe Betonfassade wurde im gleichen ziegelroten Farbton lasiert, mit dem auch der Zementputz des bestehenden Schulbaus beschichtet worden war. Die Architekten entschieden sich ganz bewusst
gegen durchgefärbten Beton und für eine – auch Kosten sparende – mineralisch matte Lasur mit Keim Concretal, einer Einkomponentenfarbe auf Silikatbasis. Durch das exakte Nachmischen der Lasur gemäß dem Farbton des Bestands konnten Farbabweichungen vermieden werden, die beim Anmischen des Betons hätten entstehen können. Zudem schützt Keim Concretal die Betonoberfläche gegen Witterungseinflüsse und damit auch gegen das Eindringen von aggressiven Schadstoffen. Das Resultat überzeugt: die Farbe ist homogen, gleicht kleinere Unregelmäßigkeiten der Betonober­fläche aus und erhält dennoch den charakteristischen Sichtbetoncharakter.

Im Gegensatz zu den eher beengt und düs­ter wirkenden Innenräumen des Altbaus ist der Erweiterungsbau großzügig und lichtdurchflutet. Durch alle Ebenen zieht sich ein einheitliches Farbkonzept: Zwischen den Böden aus beige eingefärbtem und geöltem Fließestrich und den Decken aus naturbe­lassenen, doppelformatigen Faserzementplatten verlaufen weiß beschichtete Wände und Türen als durchgehendes Band.


Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 5/2009

Material und Oberfläche

Zum Heft
Shop-Empfehlung
Anzeige

ARCHITEKTUR & DESIGN

Detail Newsletter

Wir informieren Sie regelmäßig über internationale Projekte, Neuigkeiten zu Architektur - und Designthemen, Research und aktuellen Veranstaltungen in unserem Newsletter.