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Zollverein-Schule in Essen: Aktive Wärmedämmung der Betonschale

Als ehemaliger Industriekomplex für die Kohlegewinnung ist die Zeche und Kokerei Zollverein heute zu einem Denkmal für die Industriegeschichte geworden. Seit 2002 sogar offiziell als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt, ist der Zollverein heute ein Symbol für den Strukturwandel im Ruhrgebiet. Zahlreiche Kunst- und Kulturprojekte locken jährlich 500.000 Besucher auf das ehemalige Zechengelände.



Baubeschreibung

Zunehmend wichtig ist die Rolle des Zollvereins als bedeutender Design-Standort. So wird der erste Neubau seit 50 Jahren auf dem Gelände durch die neue Zollverein-Schule, der School of Management and Design, genutzt.

Der Würfel mit einer Kantenlänge von 35 Metern ist von Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa vom Büro Sanaa aus Tokio entworfen. Vier Geschosse mit unterschiedlichen Raumhöhen bieten zusammen 5.000 m² Nutzfläche. Die zum großen Teil offenen Räume werden durch 134 Fenster in vier Formaten belichtet, die im Inneren zu sehr unterschiedlichen Beleuchtungssituationen führen. Mit dem Gebäude ist den Architekten die Kombination traditioneller japanischer Baukunst mit Elementen der modernen Architektur gelungen. Das offene Raumkonzept wird nur durch die Möblierung und über Sichtschutzvorhänge gegliedert.

Die Reduktion auf das Wesentliche findet sich auch bei der Tragkonstruktion und dem technischen Ausbau wieder, so sind einerseits alle tragenden Elemente auf ein Minimum reduziert worden und andererseits wurde die gesamte Haustechnik in die Wände und Decken verlegt.

Energieeffizientes Bauen
Dem filigranen Konzept des Gebäudes standen die strengen Auflagen der EnEV entgegen. Die Architekten entschieden sich aus ästhetischen Gesichtspunkten für Sichtbeton als vorherrschendes Material. Bei einer konventionellen zweischaligen Bauweise mit Kerndämmung wären so Wandstärken von 55 bis 60 cm entstanden. Da diese Wandstärken wiederum das architektonische Konzept in Frage gestellt hätten, entwickelten die Energietechniker eine Extremlösung, die Idee der aktiven Wärmedämmung war geboren.

Dafür sind in die einschalige Betonwand Kunststoffrohre eingelegt, die die Innenwände auf angenehme 18°C halten. Dies führt unweigerlich nach Außen zu erhöhten Temperaturverlusten, die durch das inpiduelle Wärmeversorgungskonzept wieder ausgeglichen werden können.

Die Wärmeversorgung erfolgt durch das Grubenwasser aus den ehemaligen Steinkohleabbauschächten. Das Wasser wird aus ca. 1000 Meter Tiefe an die Oberfläche gepumpt und besitzt eine durchschnittliche Temperatur von 29°C. Bisher wurde das Wasser ungenutzt in die Emscher geleitet, jetzt wir ein Teil davon für die Design-Schule nutzbar gemacht.

Durch die Nutzung der vorhandenen geothermischen Wärmequelle konnten die hohen Wärmeverluste für die 30 cm starken ungedämmten Betonwände hingenommen werden. Die geringen Temperaturextreme der Betonfassade konnten auch in den statischen Berechnungen zum Tragwerk berücksichtigt werden, es wurde weniger Bewehrung benötigt, um die Wand rissfrei zu halten.

Architekten: Sanaa, Tokio (Entwurf); Böll und Krabel, Essen (Ausführung)
Klima- und Energiekonzept: Transsolar, Stuttgart
Bauherr: School of Management and Design, Essen
Fertigstellung: 2006
Standort: Zeche Zollverein, Essen
Bildnachweis: Constantin Meyer, Köln http://www.infoline-energieeffizienz.de/infoline/energieeffizientesbauen/search-fs.php?object_id=12&area_id=2720&id=183183

Quelle: infoline-energieeffizienz.de

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