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Zukunftsszenario I: Industrialized Construction 2020

Kosteneffizienz und Produktvielfalt durch Modularisierung und Serienfertigung

Wie sieht das Bauen im Jahre 2020 aus? Welche Technologien und Prozesse werden wir einsetzen? Eines von drei Zukunftsszenarien, die Industrie und Wissenschaftler gemeinsam im Verbundforschungsprojekt Future Construction entwickelt haben, ist das Szenario "Industrialized Construction 2020".

Im Vordergrund steht die Industrialisierung und Technologiesierung des Bausektors sowie des Bauprozesses durch Innovationstransfers aus anderen Branchen (z.B. durch Frontloading, BIM, Lean Management etc.). Dies führt zu einer Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette. Die Anpassung an differenzierte Kundenwünsche und Trends durch erweiterte Produktangebote ermöglicht eine "gefühlte" Individualisierung für den Kunden, trotz einer effizienteren und modularen Produktion und Serienanfertigung. Infolgedessen kann eine langfristige ökologische Nachhaltigkeit in bestehenden Produktlebenszyklen mit hoher Wirtschaftlichkeit erreicht werden (z.B. durch Recycling, Cradle-to-cradle Design etc.).

Viele Branchen (Automobil, Schiffbau) verwenden bereits heute hoch industrialisierte Prozesse, um die Planung und Herstellung von Produkten möglichst effizient durchzuführen. Auch die Bauwirtschaft erkennt die Potenziale innovativer Prozesse und Technologien zur Bauerstellung.

Im Jahr 2020 hat die vorherrschende Konsumgesellschaft Bedarf an einer hoch differenzierten Produktvielfalt, die einem individuellen und dynamischen Lebensstil Rechnung trägt. Anders als bisher sind diese industriellen Prozesse in hohem Maße optimiert und in einen umfassenden Produktkreislauf eingebunden, der eine intelligente und nachhaltige Industrialisierung der Baubranche erst langfristig ermöglicht. Um im Baubereich den vielfältigen Anforderungen im Wohn-, Gewerbe- oder Industriebau in Zukunft nachzukommen, kann durch die Adaption neuer Methoden und Technologien wie modulares Bauen, Lean Management, Frontloading und digitale Planung eine weitreichende Umwälzung in der Entwicklung von Bauprodukten bzw. Bausystemen eingeleitet werden. Die Unternehmen haben darauf reagiert und sich von reinen Produktanbietern zu effizienten Systemlieferanten vernetzt. Zusätzlich sind sie sich ihrer sozialen und umweltgerechten Verantwortung bewusst. Dadurch zeichnet sich das Bauen 2020 durch hohe Kosteneffizienz, große Produktvielfalt und schnelle Realisierung von Bauprojekten aus. Bausysteme reduzieren den Aufwand auf der Baustelle größtenteils auf die Montage.

Zukunftsbild 2020

Das Interview findet auf der Dachterrasse des erst vor Kurzem fertiggestellten Wohnhochhauses in einem Außenbezirk von Kopenhagen statt. »Herr Ahrus, wir befinden uns hier in luftiger Höhe auf dem von Ihnen geplanten 12-stöckigen Wohngebäude, es ist eine der ersten Hochhäuser aus Holz und der Rohbau wurde innerhalb von drei Wochen fertiggestellt. Wie ist das das möglich?", fragt die Journalistin Jennifer Bodnia den Architekten Sven Ahrus. "Nun, es ist so", erwidert dieser, "der Holzbau hat in den letzten Jahren eine wahren Wandel vollzogen, es wurden neue Verfahren und Holzwerkstoffe entwickelt, die um einiges leistungsfähiger sind als natürliches Holz - jedoch dessen positive Eigenschaften besitzen, wie zum Beispiel den Nachhaltigkeitsfaktor, die Recycelbarkeit und natürlich die bauphysikalischen Eigenschaften sowie den warmen Charakter. Ein anderer Punkt ist jedoch dieser, um auf die Frage der schnellen Fertigstellung zurückzukommen, dass wir das gesamte Gebäude modular geplant haben. Durch diese integral geplante Modulbauweise ist es uns gelungen, die Wohnungen den Ansprüchen der einzelnen Parteien anzupassen und so trotz der Modulbauweise eine gewisse Individualität zu erzielen. Nachdem die Fragestellungen der Wohnungsgrundrisse geklärt waren, konnten wir nun die einzelnen Module industriell vorfertigen lassen. Diese konnten dann innerhalb kürzester Zeit auf der Baustelle angeliefert und dank guter Koordinierung unter anderem mit hilfe von RFID-Technologien und versierten Fachkräften verbaut werden." - "Wie funktioniert das mit der RFID-Technologie?", unterbricht Jennifer den Architekten. "Das ist ganz einfach", kommt prompt die Antwort, "während der Planungsphase bekommt jedes Modul einen digitalen Code zugeordnet, dieser Code wird auf einem in den Modulen verbauten RFID-Chip gespeichert. So kann jedes Bauteil während des gesamten Fertigungs- und Montageprozess direkt identifiziert werden und bei gegebenen Mängeln sofortiger Ersatz angefordert werden. Diese Methode führt zusätzlich zu einer besseren Qualitätsüberwachung und zur Vermeidung unnötiger Leerlaufzeiten. Dies ist auch ein Grund, weshalb wir mit deutlich reduzierteren Baukosten ausgekommen sind als vergleichbare Projekte mit konventioneller Bauweise." - "Vielen Dank für das Interview", bedankt sich die Journalistin. "Lassen Sie uns noch den Ausblick genießen!", entgegnet ihr Sven Ahrus.

Copyright Text und Grafiken: Fraunhofer IAO, FUCON

Weiterführende Themen: Zukunftsszenarien, Zukunftsszenario "Craftsmanship", Zukunftsszenario "Parametric Age"

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