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Zukunftsszenario II: Craftsmanship 2020

Vernetztes Handwerk als individuelle Serviceleistung aus einer Hand

Wie sieht das Bauen im Jahre 2020 aus? Welche Technologien und Prozesse werden wir einsetzen? Eines von drei Zukunftsszenarien, die Industrie und Wissenschaftler gemeinsam im Verbundforschungsprojekt Future Construction entwickelt haben, ist das Szenario "Craftmanship 2020".

Darin ist die Zukunft des Bauens im Jahr 2020 bestimmt durch den hohen Gebäudebestand. Der Fokus liegt auf dem Erhalt und Umbau der vorhandenen Immobilien, benötigt jedoch Innovationen zur wirtschaftlichen Anpassung an individuelle Bedürfnisse in Verbindung mit hoher Energieeffizienz für eine zukunftsweisende Modernisierung von Gebäuden im Rahmen der Möglichkeiten, was in vielen Fällen zu Unikatlösungen und Unikatfertigungen führt. Diese Bedingungen sind die Grundlage für einen neuen Servicegedanken und eine verbesserte Kundennähe, welche nur durch eine Vernetzung der Branche zum Beispiel durch Last-Planner-Systems, Planungsintegration und Innovationsnetzwerke sowie internetbasierter Kommunikationsplattformen zu erreichen sind.

Im Moment werden von den 18,8 Millionen Gebäuden (17,3 Wohnen und 1,5 Nicht-Wohnen; Quelle: CO2 Gebäudereport 2007, BMBVS) in Deutschland jährlich nur ca. 1 % energetisch saniert. Das Jahr 2020 wird also aller Voraussicht nach noch von einem Großteil an Bestandsgebäuden bestimmt, bei denen zum Zeitpunkt ihrer Planung (75 % wurden vor 1979 errichtet) niemand an zukünftige Modernisierungsmaßnahmen dachte.

Die vorliegende Komplexität zur Bewältigung dieses Problems verlangt nach einer hochflexiblen und anpassungsfähigen Arbeitsweise, die lokale Präsenz und zuverlässigen Service voraussetzt. Eine durchgängige Automatisierung der damit verbundenen Prozesse fällt somit vorerst aus und ermöglicht die Renaissance des traditionellen Handwerks als Lösung für den langfristigen und effizienten Erhalt der bestehenden Gebäude in Deutschland. Die Krise der kleinen und mittleren Betriebe des deutschen Handwerks wird zur Chance für eine intensivere Vernetzung, höhere Effizienz und positiveres Leitbild und führt zur Stärkungder gesamten Baubranche. Das Handwerk im Jahr 2020 vereint traditionelles Gewerk mit nachhaltigen Modernisierungsangeboten, langfristiger Kundenbindung, vernetzten Prozessen und einem hohen Servicegedanken. Die Industrie reagiert auf die sich wandelnden Anforderungen und bringt darauf abgestimmte Produkte und Systemlösungen auf den Markt, die die individuelle Montage vereinfachen und das serviceorientierte Prinzip "Alles aus einer Hand" unterstützen.

Zukunftsbild 2020

"Und? Michael, wie findest du meine neue Bleibe?", fragt Christoph seinen alten Studienfreund, den er zum Abendessen in seine frisch sanierte Gründerzeitvilla zum Abendessen geladen hat. »Ich bin begeistert," antwortet Michael. "Doch wie hast du es geschafft, dieses Objekt, trotz des strengen Denkmalschutzes und der harten Auflagen der Energieeinsparverordnung, zu einem bezahlbaren Preis zu renovieren?" - "Das habe ich den versierten Handwerkern und den Architekten zu verdanken«, entgegnet Christoph. "Dank der vernetzten Zusammenarbeit aller an der Renovierung beteiligten Gewerke wurde dieses Projekt zu einer runden Sache. Zuerst einmal wurde das gesamte Bestandsgebäude mithilfe von Lasern vermessen und ein 3D-Modell erstellt. Auf dieser Grundlage konnte der Architekt nun meine Wünsche und die Vorgaben des Denkmalschutzes sowie der EnEV in seinem Entwurf verarbeiten. Auch die Daten für die weitere Verarbeitung zum Beispiel von Einbauten, sowie die genauen Maße der Vakuuminnendämmung oder die Abmessungen von Fenstern und Türen, die nach neuestem energetischen Standard, jedoch ohne den Denkmalschutz zu verletzen, hergestellt wurden, konnten aus diesem Modell abgelesen und zur weiteren Planung verwendet werden. Zusätzlich plante der Architekt eine intelligente Gebäudetechnik ein. Und was dir mit Sicherheit auch noch nicht aufgefallen ist, sind die Dachziegelelemente mit integrierter Photovoltaik, die sich so gut integrieren, dass sich selbst die Denkmalbehörde nicht im Geringsten beschweren konnte. So ist es mir möglich geworden, in einem Gebäude mit Geschichte, energieautark und ohne Verzicht auf Komfort zu leben, ohne dessen Erscheinungsbild zu zerstören."

Copyright Text und Grafiken: Fraunhofer IAO, FUCON

Weiterführende Themen: Zukunftsszenarien, Zukunftsszenario "Industrialized Construction", Zukunftsszenario "Parametric Age"

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