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Zwei neue Brücken von Knight Architects

Von Emilia Margaretha

Das englische Architekturbüro Knight Architects hat innerhalb weniger Wochen zwei Wettbewerbe für Brücken in London und Ulm gewonnen. Während die in Paddington geplante Merchant Square Footbridge filigran und beweglich sein wird, stellt sich der Entwurf für die neue ÖPNV-Brücke zum Kienlesberg in Ulm zurückhaltend und pragmatisch dar.

Architekten: Knight Architects, GB-High Wycombe, Bucks

Visualisierung Merchant Square Footbridge

Über einen Zeitraum von 2012 bis 2014 erstreckt sich die Planung und Ausführung für die Merchant Square Footbridge in London Paddington. Die gemeinsam mit AKT II Consulting Structural Engineers entworfene Fußgängerbrücke soll auf einer Breite von 20 Metern den Grand Union Canal überspannen und zusätzlich auch eine geforderte lichte Durchfahrt von 5.5 x 2.5 Metern gewährleisten.

Das Konzept ist einfach und gleichzeitig spektakulär: Ein unscheinbarer, drei Meter breiter Steg wird mit Hilfe von Hydraulikzylindern in eine Reihe von Kragarmen aufgelöst, die um die Querachse rotieren – eine elegante Bewegung, die dem Aufklappen eines japanischen Fächers ähnelt. Die Drehbewegung der fünf vorgefertigten Stahlträger ist gestaffelt, damit sie gleichzeitig anfahren und zur gleichen Zeit in unterschiedlichen Anstellwinkeln zwischen 20 und 80 Grad zum Stehen kommen können.

Modellfotos, Merchant Square Brücke in London

Die Hydraulik wird durch Gegengewichte entlastet, die zusätzlich den zum Betrieb erforderlichen Energieaufwand verringern. Die Geländer werden aus sich windschief kreuzenden Edelstahlstäben gebildet, die ein filigranes Tragwerk bilden. Im Handlauf wird eine durchgehende LED-Beleuchtung integriert, welches das Deck mit ausreichend Licht versorgen und das Geländer inszenieren wird.

Das Design der Brücke wurde so gewählt, dass es sich gut in die anspruchsvolle und qualitativ hochwertige Umgebung Merchant Square einfügen wird. Während des Öffnungsvorgangs verwandelt sich die Brücke in eine kinetische Skulptur, deren Silhouette die umgebende Freifläche der "Sunset Terrace" betonen wird.

Details Merchant Square Footbridge

 


Gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Krebs und Kiefer erarbeiteten die Architekten den siegreichen Entwurf für die kombinierte Straßenbahn-, Rad- und Fußgängerbrücke in Ulm. Der Realisierungswettbewerb ist Bestandteil der Planung der Straßenbahnlinie 2, die den Bau einer neuen Brücke zwingend erforderlich macht. Der Neubau ermöglicht die Schienenverbindung von der Wissenschaftsstadt zur Innenstadt sowie eine komfortable und schnelle Überquerung der Fern-, Regional- und Güterverkehrsgleise im Bereich des Ulmer Hauptbahnhofs.

Visualisierung Kienlesbergbrücke

Der Entwurf sieht eine rund 270 Meter lange Stahlbrücke mit einer konstanten Steigung vor. Sowohl von den Fußgängern als auch von den Radfahrern kann sie bequem und sicher benutzt werden. Die in regelmäßigen Abständen eingerichteten Ruhezonen ermöglichen einen freien Blick auf die Altstadt und das Münster.

Ansicht Kienlesbergbrücke

Die bautechnischen Voraussetzungen stellen die Planer vor eine große Herausforderung, da das zu querende Bahngelände nur sehr wenig Raum für eine permanente Baustelle bietet und mit Baugeräten nur schwer erreichbar ist. Die Brücke muss bei laufendem Bahnbetrieb gebaut werden und wird aus diesem Grund im Längsverschub hergestellt werden. Die Stahlsegmente sollen vor Ort zusammengeschweißt und schrittweise über die Gleise verschoben werden. Während die Unterseite der Hauptträger konstant bleibt, um einen gleichmäßigen Verschub zu erlauben, ist die Trägerhöhe auf Brückenoberseite variabel, dem Momentenverlauf im Endzustand folgend. Die wellenartig fließende Trägerform ist optisch zurückhaltend aber abwechslungsreich und stellt bewusst einen Bezug zum Stahlfachwerk der 1907 gebauten benachbarten Neutorbrücke her. Durch die Verwendung von witterungsbeständigem Stahl für den Überbau wird die Instandhaltung des Bauwerks wesentlich günstiger und sicherer. 

Detail Brückenquerschnitt

Wann mit dem Bau begonnen wird, steht noch nicht fest, die geschätzten Baukosten liegen bei ca. 11 Mio. Euro. Im Rahmen des Bürgerdialogs können die Ulmer für die geplante Brücke Namensvorschläge machen (unter www.linie2-ulm.de). 


www.knightarchitects.co.uk

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