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Zwischen Ästhetik und Nachhaltigkeit - das Bad wird immer mehr zum Wohnraum

Volle Messehallen und eine überwiegend positive Stimmung bei den Ausstellern - auf der diesjährigen ISH in Frankfurt war von Krise nicht viel zu spüren. Dies ist insofern nicht verwunderlich, da die dort gezeigten Produkte, sowohl im Sektor Heizungs- und Klimatechnik als auch im Bereich Sanitär, ziemlich genau den Nerv der aktuellen Megatrends treffen. Da ist zum einen die immer noch spürbare Tendenz zum "Cocooning",also zum Rückzug in die eigenen vier Wände, und zum anderen das immer stärkere Interesse an nachhaltigen Sanitärlösungensowie effizienten Heiz- und Klimasystemen mit erneuerbaren Energien.

Nachhaltige Konzepte in der Bäderplanung laufen in erster Linie auf einen sparsamen und sinnvollen Einsatz der Ressource Wasser hinaus. Mit Durchflussbegrenzern, Perlatoren, Duschstopps und moderner Brausetechnik kann der Wasserbedarf ohne Einschränkungen beim Komfort deutlich reduziert werden. Darüber hinaus helfen Thermostatarmaturen, Verluste bei der Regulierung der Temperatur zu minimieren. Und auch moderne Toilettenspülungen kommen problemlos mit 3 l Spülwasser aus.

Aber nicht nur bei den technischen Neuerungen stehen die Zeichen auf „green Design", auch bei den Ausstattungselementen ist ein deutlicher Wertewandel, hin zu Nachhaltigkeit und Langlebigkeit spürbar. Auffällig ist z.B., dass die riesigen Badewannen, die noch auf der letzten ISH vor zwei Jahren vielfach zu sehen waren, deutlich weniger gezeigt wurden. Was am Messestand imposant aussah, scheint in der Praxis wenig zu überzeugen. Wer möchte seine Wanne schon mit der ganzen Familie teilen und hat zudem Platz eine "swimmingpoolgroße" Wanne zu platzieren? Ganz zu schweigen von dem enormen Wasserverbrauch. Auf dem Vormarsch sind hier Produkte, die es verstehen, eine optische Qualität mit der haptischen Qualität des Wassers bei sparsamen Verbrauch zu verbinden.

Bei den Ausstattungsgegenständen rücken nicht nur die Qualität der Materialien und ihrer
Verarbeitung in den Mittelpunkt, sondern auch eine gewisse gestalterische Zeitlosigkeit.
Denn, betrachtet man das Bad als Ganzes, hat sicherlich dasjenige die günstigste
Ökobilanz, das über viele Jahre hinweg gut funktioniert und sich mit nur wenigen
Maßnahmen wechselnden Bedürfnissen anpassen lässt. Dies bedeutet aber nicht,
dass die Produkte rein funktional oder gar langweilig sind. Im Gegenteil. Das Bad verschmilzt immer stärker mit angrenzenden Räumen, insbesondere dem Schlafzimmer. Gefragt sind demnach nicht nur einzelne schicke Ausstattunggegenstände, sondern ganze Raumkonzepte - eine Entwicklung, die gerade für Architekten interessant sein dürfte. Angeboten werden von vielen Herstellern ganze Serien mit verschiedenen Modulen, die sich je nach vorhandenem Raumangebot in unterschiedlicher Weise kombinieren lassen. Dazu kommt, dass sich die einzelnen Ausstattungsgegenstände immer deutlicher an klassischen Wohnraummöbeln orientieren.

Zum Bad gehören heute vermehrt Schränke und Sideboards, u.a. auch mit Kassettenfronten, oder Produkte, die an die Bauhaus-Ära erinnern sollen -schlicht, pur, klar und schnörkellos. Ein fulminantes Comeback feiern beispielsweise klassische Schwarz-Weiß-Kombinationen oder aber Glamouröses in Gold und glänzenden Oberflächen. Vielfach zu sehen waren auch farbige Akzente, vor allem tiefes Violett und leuchtendes Rot, die dem Bad einen zusätzlichen Hauch von Luxus verleihen sollen. Zudem finden immer mehr technische Geräte den Weg ins Bad. MP3-Player, Fernseher und/oder raffinierte Fitnessgeräte machen die einstige Nasszelle immer mehr zum privaten Wellness-Zentrum.

Dieser Artikel ist aus dem Heft:
DETAIL 6/2009

Treppen, Wege, Rampen

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