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Akropolis auf Schwäbisch – Literaturmuseum in Marbach (2006)

Als David Chipperfield und sein Büro 2001 den Wettbewerb für das Literaturmuseum der Moderne in Marbach gewannen, lieferten sie gleichsam den Gegenentwurf zu den formalen Überspanntheiten der Bilbao-Ära. Ein tempelartiger, von hellen Fertigteilstützen aus Beton getragener Oberbau sollte das Museumsfoyer und ein Auditorium aufnehmen, der größte Teil der Ausstellungssäle und das Archiv hingegen in dem deutlich größeren Sockelbau unterkommen. Die Architektur des Ganzen: ein „Greek Revival“ des beginnenden 21. Jahrhunderts, bar jeder digitalen Formverrücktheiten – und damit wohl das Passendste, was man für diesen Ort ersinnen kann. Seit 1903 schon residiert das Schiller-Nationalmuseum weithin sichtbar auf einer Anhöhe am Stadtrand von Marbach bei Stuttgart. Nun endlich sollte es angemessene Räume auch für die Präsentation der modernen und zeitgenössischen Literatur erhalten. 

Doppelgesichtiger Zweck
Fünf Jahre später beschreiben Heike Gfrereis, die Leiterin des Museums, und Alexander Schwarz, Design Director bei Chipperfield Architects in Berlin, das mittlerweile fertiggestellte Museumsgebäude in Detail. Gfrereis spricht von einem „doppelgesichtigen Zweck“ des Hauses: einerseits Schutz für die Exponate bei 50 Lux Kunstlicht, kühlen 18 °C und konstanten 50% Luftfeuchtigkeit in den Ausstellungsräumen, andererseits Öffnung zur Landschaft und Aussicht auf das Neckartal. Doch so janusköpfig, wie es diese Worte suggerieren, ist der Bau gar nicht: Auch in das Sockelgeschoss des Hauses mit seinen sechs Ausstellungssälen fügten die Architekten zahlreiche Tageslichträume ein – sei es als Loggien mit Blick ins Tal oder als von oben belichtete Erschließungs- und Verteilerräume.

Klare Architektursprache
Die Formen des Hauses beschreibt Alexander Schwarz in dem Beitrag selbst am besten: „Eine Architektursprache für das Literaturmuseum spricht besser nicht über Literatur, sondern über Architektur: horizontal und vertikal, Tragen und Lasten, Öffnung und Masse, Maßstab, Material und Alterung, Atmosphäre.“ Die Kolonnaden des Oberbaus sind aus sandgestrahlten Betonfertigteilen (mit Zuschlägen aus Muschelkalk, Jura- und Isarsand) gefügt wie einst das griechische Original aus Steinblöcken. Die beiden anderen großflächig verbauten Materialien sind Muschelkalkplatten als Bodenbelag sowie tropisches Ipéholz für Innentüren, Einbaumöbel und Wandverkleidungen, mit dessen Hilfe die Architekten vor allem in den Ausstellungssälen einen adäquaten Rahmen für die Präsentation der Manuskripte, Bücher und anderen Archivalien schufen.

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